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 Bibeltexte auswendig lernen - Hilfe zum geistlichen Wachstum

3   Wie lernt man am besten?

3.1   Das Speicherverhalten des menschlichen Gedächtnisses

Das menschliche Gedächtnis hat die Eigenschaft nur das bewusst zu speichern, was auf Dauer und regelmäßig gebraucht wird. Alles was zu selten gebraucht wird, wird vergessen.

Das wird durch folgendes Bild veranschaulicht:

Bild 1: Das Verhalten des Gedächtnisses
Bild 1: Das Verhalten des Gedächtnisses

Man kann grob 5 Speicherebenen des Gehirns unterscheiden, die allerdings nicht scharf getrennt sind:

4. Perfekt behalten: Wiedergabe ohne Nachdenken möglich ("im Schlaf", "aus dem FF", "wie aus der Pistole geschossen")
3. Gut behalten: Wiedergabe problemlos möglich, aber nur mit Nachdenken
2. Kurz vor dem Vergessen: Nur mit mühsamem Nachdenken rekonstruierbar. Meist ist eine Einstiegshilfe (die ersten paar Wörter) nötig, damit man sich erinnert.
1. Vergessen: Nicht mehr wiedergebbar, auch nicht mit Nachdenken. Kann in bestimmten Situationen möglicherweise wieder auftauchen, aber das ist nicht gezielt beeinflussbar.
0. Verloren: Wiedergabe unter keinen Umständen mehr möglich. Nur wenn man den Text hört oder liest, kommt er einem bekannt vor.

Jeder gelernte Stoff hat die Tendenz mit der Zeit von einer oberen Ebene immer weiter abzusinken, bis er zuletzt vergessen oder verloren wird. Je öfter ein Stoff wiederholt wird, desto langsamer sinkt er ab. Je langsamer er absinkt, desto seltener muss er wiederholt werden, um ein Vergessen zu verhindern. Die Geschwindigkeit des Absinkens hängt außerdem von persönlichen Eigenschaften wie Lernbegabung, Interesse und persönlche Beziehung zu dem Lernstoff ab. Wie stark eine Wiederholung das weitere Absinken verlangsamt, hängt ebenfalls von diesen Eigenschaften ab, aber zusätzlich noch davon, wie konzentriert man beim Lernen ist.

3.2   Die sich aus den Eigenschaften des Gedächtnisses ergebene Lernmethode

3.2.1   Die optimale Wiederholung

Aufgrund der Eigenschaft des menschlichen Gedächtnisses muss ein Lernstoff am Anfang öfters wiederholt werden und später seltener. Eine Wiederholung ist spätestens immer dann nötig, wenn das Absinken in die Vergessensebene kurz bevor steht. Auf die Art kann man die Zeit bis zur nächsten Wiederholung idealerweise durch jede Wiederholung verlängern.

Die sich dadurch ergebende Lernkurve zeigt das folgende Bild:

Bild 2: Optimale Wiederholung
Bild 2: Optimale Wiederholung

3.2.2   Gruppeneinteilung

Da nicht alle Lerntexte gleich schnell vergessen werden, ist es sinnvoll die Texte in verschiedene Gruppen einzuteilen. Jede Gruppe enthält Texte, die zur gleichen "Vergessensebene" oder "Wissensebene" gehören und gemeinsam wiederholt werden. Stellt sich heraus, dass ein Text schneller vergessen wird, als die anderen Texte der Gruppe, dann wird er einer niedrigeren Gruppe zugeordnet.

Bei jeder Gruppe wird notiert, wann sie das letzte Mal wiederholt wurde und wie lange ihre Verse erfolgreich gemerkt wurden. Daraus ergibt sich der nächste Wiederholungstermin. Die Zeit zwischen den Wiederholungen kann am Anfang jedes Mal etwa verdoppelt werden. Später wird nicht mehr so stark verlängert, bis am Ende eine Maximalzeit erreicht ist, nach der jeder Text wiederholt werden sollte. Die Maximalzeit liegt größenordnungsmäßig bei 2 Jahren für sehr gut behaltene Texte.

3.2.3   Ein Beispiel-Wiederholungsschema

Ein Wiederholungsschema könnte also etwa so aussehen:

1. Am Anfang wird der Text so oft gelesen und immer mehr davon versucht aus der Erinnerung wiederzugeben, bis eine vollständige Wiedergabe aus der Erinnerung möglich ist.
2. Am selben Tag wird in größer werdenden Zeitabständen mehrmals wiederholt. Falls der Text schon wieder vergessen ist, dann so oft hintereinander wiederholen, bis eine Wiedergabe aus der Erinnerung wieder möglich ist. Wenn der Text zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon wieder vergessen ist, dann sind jetzt bereits wesentlich weniger Wiederholungen nötig, bis eine Wiedergabe aus dem Gedächtnis wieder gelingt.
3. Die nächste Wiederholung erfolgt 1 Tag später, die nächste 2 Tage danach, die nächste 4 Tage danach, die nächste 1 Woche danach, dann 2 Wochen, dann 4 Wochen, 2 Monate, 4 Monate, 8 Monate, 1 Jahr, 1,5 Jahre, 2 Jahre.

3.3   Ein einfaches Lernverfahren

3.3.1   Das Grundprinzip

Beim Lernen von Bibeltexten kann man ähnlich vorgehen, wie beim Lernen von Vokabeln einer Fremdsprache. Es gibt zwei Lernrichtungen:

Beide Richtungen sollten gelernt werden.

Die dazu geeignete Ausstattung zeigt das folgende Bild:

Bild 3: Lernorganisation
Bild 3: Lernorganisation

Zum Lernen schreibt man den Text auf die eine Seite einer Karteikarte und die Stellenangabe auf die andere Seite. Die Karten werden in einen Karteikasten gesteckt, der durch Trennkarten in mehrere Gruppen unterteilt ist. In die erste Gruppe kommen alle Bibelstellen, die weniger als einige Tage erfolgreich gemerkt wurden.

Bei jeder Wiederholung einer Gruppe wird die Trennkarte der Gruppe mit dem aktuellen Datum und der Zeit seit der letzten Wiederholung der zu lernenden Gruppe beschriftet. Die Trennkarte wird praktischerweise mit Bleistift beschriftet, damit man Datum und Behaltenszeit bei jeder Wiederholung wegradieren und durch die aktuellen Daten ersetzen kann.

Wenn eine Stelle bei einer Wiederholung korrekt wiedergegeben werden konnte, bleibt sie in der Gruppe. Wenn eine Stelle bei einer Wiederholung vergessen war, wandert sie zurück in die erste Gruppe, wo sich die Stellen befinden, die weniger als einige Tage gemerkt werden konnten.

Aus Datum und Behaltenszeit jeder Gruppe ergibt sich der Zeitpunkt, wann die Gruppe das nächste Mal wiederholt werden muss. Je nach dem individuellen Gedächtnis kann die Zeit nach jeder Wiederholung etwa verdoppelt werden. Wenn eine Gruppe beispielsweise am 1.3. wiederholt wurden, und davor 2 Wochen erfolgreich gemerkt wurden, ist die nächste Wiederholung etwa am 28.3. fällig.

Da das Lernen der Texte meist schwieriger ist und daher länger dauert, als das Lernen der Stellenangaben, ergibt es sich, dass die Gruppierung der Karten zum Lernen der Stellen eine andere sein wird, als zum Lernen der Texte. Daher braucht man zwei Karteikästen und alle Karten entsprechend doppelt. Auf die Karte für das Lernen der Stellenangaben muss jedoch auf die Rückseite nicht der vollständige Text geschrieben werden. Es genügen die ersten zwei Zeilen. Diese müssen ausreichen, um die Stelle angeben zu können.

3.3.2   Noch einige praktische Hinweise

3.4   "Computer-Aided Learning"

Das oben beschriebene Verfahren ist mit einigem Aufwand verbunden. Wenn man beide Richtungen, Stellenangaben und Texte lernen will, braucht man zwei Karteikästen und alle Karteikarten doppelt. Außerdem muss man Datum und Behaltenszeit bei jeder Wiederholung auf den Trennkarten wegradieren und neu hinschreiben.

Um diese Arbeiten zu erleichtern gibt es spezielle Computerprogramme zum Lernen von Bibeltexten. Sie ersetzen die Karteikarten, den Karteikasten und die Trennkarten. Sie automatisieren das Eintragen von Datumsangaben, ermöglichen einen besseren Überblick über die Liste der gelernten Stellen und bieten ein schnelles Mischen, Sortieren und Suchen von Stellen. Manche Programme ermöglichen auch eine Tonaufnahme und -wiedergabe des Texts. Dies ist eine zusätzliche Unterstüztung, um den Text schneller einzuprägen.

Einige kostenlose Angebote können im Internet heruntergeladen werden.

Siehe z. B.: http://www.ro-ho.de/download.htm#memoriator

Die Benutzungsoberfläche des Lernprogramms "Bibel-Memoriator" von www.ro-ho.de zeigt folgendes Bild:

Bild 4: Computer Aided Learning
Bild 4: Computer Aided Learning


© Copyright 2003 Roland Hofmann

Generiert am 18.04.2020 18:44:38