Anzeigefenster für Bibeltexte: dieses   eigenes   jeweils neues
  bei Verlassen der Seite Zusatzfenster schließen
 

 Matthäus Ursprung Jesu - Geburt und Kindheit

Mat 1,1-17 Der Stammbaum Jesu

Worauf der Stammbaum hinweist

Der Titel in Vers 1 gibt an, was mit der Angabe des Stammbaums Jesu deutlich werden soll:

Die Anzahl Generationen von Abraham bis zum Christus sind 3 x 14 (Mat 1,17) = 3 x 2 x 7. Diese Zahlen haben folgende allgemeine Bedeutungen (siehe F. Rienecker (Hrsg.): Lexikon zur Bibel):

3: Göttliche Eigenschaften und Dinge sind häufig dreigliedrig.
2: Kleinste Gemeinschaft, Trennung, Entscheidung. Vor Gericht waren mindestens zwei Zeugen nötig (5Mo 19,15).
7: Abgeschlossenes, erfülltes Ganzes in Vollkommenheit, meist von Gott gesetzt.

Damit drückt der Stammbaum aus, dass die Geschichte Israels von Gott vollkommen geplant ist und mit der Geburt des Christus zu ihrem Höhepunkt kommt. Gleichzeitig erinnert Matthäus aber auch an die Schattenseiten der Geschichte Israels: Den allmählichen Niedergang des Glaubens und des Königtums bis hin zur babylonischen Gefangenschaft (Mat 1,17), nach der es kein Königtum mehr gab, sondern die Juden fast permanent unter Fremdherrschaft standen.

Die Nennung von Frauen war in Stammbäumen nur zur Erklärung von Unregelmäßigkeiten üblich. Hier jedoch gibt es keine Unregelmäßigkeiten, sondern die ersten vier Frauen weisen auf Sünde hin:

1. Tamar: Sie verführte Juda zur Hurerei, um von ihm Nachkommen zu bekommen, weil er ihr seinen Sohn zur Schwagerehe verweigerte. Sie wurde deswegen nicht bestraft, weil Juda der eigentlich Schuldige war (1Mo 38,6-26).
2. Rahab: Eine heidnische Prostituierte, die aber an Gott glaubte und daher Israel wohlgesonnen war. Sie wurde bei der Eroberung Jerichos als einzige verschont (Jos 2,1-24).
3. Rut: Ebenfalls eine Heidin, die aus Liebe und Mitleid mit ihrer israelischen Schwiegermutter nach Israel kam und Jahwe zu ihrem Gott machte. Sie wird dort von ihrem Witwenschicksal erlöst und wird die Frau eines angesehenen, wohlhabenden Mannes. Eigentlich stand sie als Moabiterin unter Gottes Fluch (5Mo 23,4-7). Dass sie von dem wohlhabenden Boas geheiratet wurde und nun im Stammbaum Jesu steht, ist besondere Gnade, die ihr aufgrund ihres Glaubens zuteil wurde (Rut 1,16).
4. Die Frau des Uria: David beging Ehebruch mit ihr, wie die Nennung ihres ursprünglichen Mannes schon deutlich macht. Ihr Sohn Salomo wurde der Thronfolger, baute den ersten Tempel und war der mächtigste König Israels, obwohl er nicht der erstgeborene Sohn Davids war.

Dies zeigt, dass Jesus in die Welt der Sünde hineingeboren wurde, die dringend Rettung braucht und deutet gleichzeitig die Gnade an, die er bringen wird, und die sich schon darin zeigt, dass diese Personen im Stammbaum des Messias vorkommen, obwohl sie als Sünder und teilweise Nichtjuden dazu eigentlich kein Recht hatten. Dass Jesus Nachkomme sündiger Menschen ist, bringt ihn in den Bereich der Sünde. Der Stammbaum zeigt also auch schon, dass Jesus für uns "zur Sünde gemacht" wird (2Ko 5,21).

Fragen, die sich aus dem Stammbaum ergeben

Lücken im Stammbaum

In Mat 1,17 wird beschrieben, dass der Stammbaum von Abraham (ca. 1800 v. Chr.) bis David (ca. 1000 v. Chr.), von David bis zur babylonischen Gefangenschaft (586 v. Chr.) und von da bis zu Christus (vor 4 v. Chr.) je 14 Glieder sind.

Wenn man den Stammbaum mit den Stammbäumen im AT vergleicht, die zumindest bis zur babylonischen Gefangenschaft und kurz danach vorhanden sind, stellt man fest, dass Matthäus einige Generationen weggelassen hat. Offenbar kam es ihm nicht auf Vollständigkeit an, sondern darauf, die wichtigen und bekannten Personen zu nennen und in der Liste die symbolischen Zahlen (3 x 2 x 7) zu erreichen. Möglicherweise sollten die 3 gleichgroßen Listen auch besser merkbar sein.

Unterschiede zum Stammbaum in Lukas 3,23-38

Die Stammbäume von Matthäus und Lukas unterscheiden sich in folgenden Punkten:

Die Unterschiede können teilweise durch die unterschiedlichen Adressaten der Evangelisten erklärt werden. Die Zielgruppe von Matthäus sind Juden. Für sie war das Alte Testament mit seinen Prophezeiungen über den Messias die Richtlinie für jeden, der den Anspruch erhob dieser Messias zu sein. Der Messias musste von David abstammen und ist als König verheißen (Sach 9,9 / Jes 9,5-6 / Jer 23,5). Deshalb beginnt Matthäus mit dem Stammbaum und dort als erstes mit dem König David. Er wählt den Stammbaum Josefs, da dieser von den Königen nach David abstammte. Zwar war Josef nicht der leibliche Vater, aber dadurch, dass er Maria geheiratet hat und Jesus in der Ehe zur Welt kam, galt er rechtlich als Vater (Mat 1,24). Matthäus betont diese Verhältnisse, indem er im Stammbaum jeweils das Wort "zeugte" benutzt, um die Vaterschaft deutlich zu machen. Bei Josef jedoch endet das "zeugte". Er wird nur noch als Mann der Maria, von der Jesus geboren wurde, genannt.

Die Zielgruppe von Lukas sind die von der griechischen Kultur geprägten Nichtjuden. Für sie hatten Stammbäume keine so große Bedeutung. Daher beginnt Lukas auch nicht damit, sondern mit Jesu besonderer Geburt. Er stellt Jesus als den vollkommenen Menschen Gottes dar. Deshalb verfolgt er den Stammbaum bis zu Adam, dem ersten Menschen. Auch Lukas nennt Josef als den rechtlichen Vater Jesu. Allerdings benutzt er nicht das Wort zeugen, sondern formuliert nur so, dass Jesus ein Sohn (Nachkomme) aller genannten Vorfahren ist ("er war, wie man meinte, ein Sohn Josefs, des Eli, des ..., des ..."). Auch wenn man die Reihe so verstehen will, dass Josef ein Sohn Elis war, dann kann er hier auch sein Schwiegersohn sein. Daher wird von den meisten Kommentatoren angenommen, dass Lukas den Stammbaum Marias nennt, d. h. seinen biologischen, während Matthäus seinen juristischen vorstellt. Aber Lukas folgt der antiken Tradition, dass er keine Frauen im Stammbaum nennt, auch nicht Maria.

In der Kommentarliteratur wird übrigens erwähnt, dass auch von den frühen Feinden und Kritikern des Christentums keine Schriften bekannt sind, in denen sie die unterschiedlichen Stammbäume bei Matthäus und Lukas zum Anlass nehmen, den christlichen Glauben anzugreifen. Offenbar waren die Stammbäume aus damaliger Sicht nicht anfechtbar.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:23