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 Matthäus Bergpredigt

Mat 5,1-12 Seligpreisungen

30.9.96

Mat 5,1-3 Einleitung der Bergpredigt

Die Bergpredigt und insbesondere die Seligpreisungen sind eine Lehre an die Jünger, die Jesus nachfolgen wollen. Aber auch andere, nur Neugierige, waren anwesend und hörten mit. Sie erfahren hier die Prinzipien Gottes und erleben, wie drastisch sie sich von den menschlichen und jüdischen der damaligen Zeit unterscheiden.

Die Verheißungen ("..., denn sie ...") gelten nur für Leute, die an Jesus glauben. (Sonst würden sich Widersprüche zu anderen Stellen der Bibel ergeben, z. B. Joh 14,6)

"Selig sind, ..." bedeutet "Glücklich sind, ...", "Zu beneiden sind, ..."

Die Seligpreisungen geben eine Beschreibung des Charakters und Verhaltens eines Christen, wie Gott es von uns erwartet. Diese Eigenschaften widersprechen meist drastisch dem, was in der gottlosen Welt als gut und erstrebenswert gilt. Dies ergibt sich daraus, dass der Mensch aufgrund seines sündigen Wesens anders denkt als Gott (Jes 55,7-9).

Mat 5,3 Arme im Geist

"arm im Geist" sind die, die sich nicht für große Theologen und Gerechte halten, sondern wissen und bekennen, dass sie vor Gott nichts vorzuweisen haben, sondern ganz auf Gottes Gnade angewiesen sind. Dies ist ein Wort gegen das falsche Denken der Pharisäer und Schriftgelehrten. Gerade die, die sich für gerecht halten und meinen wegen ihrer eigenen Gerechtigkeit zu Gott zu kommen, werden nicht ins Himmelreich kommen (vergl. Mat 5,20), sondern die, die verstanden haben, dass sie es aus eigenem Bemühen nicht schaffen können.

Mat 5,4 Trauernde

"trauern" bezieht sich nach Meinung mehrerer Kommentatoren auf das Trauern über die eigene Sünde und die Sünde in der Welt.

Mat 5,5 Sanftmütige

"die Sanftmütigen" werden letztendlich Erfolg haben und mit Christus herrschen, nicht die, die Herrschaft und Erfolg mit Gewalt an sich reißen wollen.

Mat 5,6 Nach Gerechtigkeit Hungernde

"hungern nach der Gerechtigkeit" bezieht sich nicht auf die Gerechtigkeit von Mächtigen gegenüber Untergebenen, sondern, wie fast immer in der Bibel, auf die Tadellosigkeit vor Gott. Die, die unter ihrer eigenen Sünde leiden und sich danach sehnen, davon befreit zu werden, denen wird Gott die Gerechtigkeit durch den Opfertod Jesu verschaffen.

Mat 5,7 Barmherzige

"die Barmherzigen": Martyn Lloyd-Jones (Studies in the Sermon on the Mount) vergleicht Barmherzigkeit mit Gnade und sieht den Unterschied darin, dass sich die Gnade auf die Sünde selbst bezieht, während die Barmherzigkeit sich auf die bedauerlichen Folgen der Sünde bezieht. Barmherzigkeit ist Mitleid verbunden mit dem aktiven Handeln zur Linderung des Leids. (Vergl. die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Luk 10,30-37)). Dieses ist die erste Seligpreisung, die im Wesentlichen ein Tun bedeutet, während die anderen das Sein und die innere Einstellung behandeln. Man kann daraus schließen, dass die innere Haltung und Einstellung vor Gott eine Voraussetzung ist, die erfüllt sein muss, bevor das richtige Handeln kommen kann.

Jemand, der nicht barmherzig ist, zeigt damit, dass er die eigene Sünde und die Gnade und Barmherzigkeit Gottes nicht erkannt hat. Ein solcher hat keine echte Umkehr vollzogen. Wer jedoch Buße getan hat, von Jesus Vergebung emfpangen hat und aus dieser Motivation heraus barmherzig ist, der kann sich freuen über die Barmherzigkeit, die er von Gott emfangen wird. (Vergl. 5. Bitte im "Vater unser": Mat 6,12)

Mat 5,8 Reine Herzen

"reines Herz" heißt ohne Heuchelei, ohne Falschheit, aufrichtig, mit ehrlicher Motivation. (Vergl. das wichtigste Gebot: Mat 22,36-38)

Im Gegensatz zu der Meinung der Pharisäer, für die das äußere Verhalten das einzig Wichtige ist, betont Jesus hier, was für Gott das Wichtigste ist, nämlich die innere Einstellung des Menschen. (Vergl. Mat 15,7-20 / Mat 23,23-28) Das Herz des Menschen ist allerdings böse von Jugend an (1Mo 8,21) und trügerisch und unheilbar (Jer 17,9). Diese Bedingung um Gott zu sehen, kann also kein Mensch ohne die Erlösung durch Jesus erfüllen. Ein reines Herz kann nur von Gott gegeben werden (Vergl. Psm 51,10 / Php 2,13).

Was mit "Gott sehen" gemeint ist, ist nicht sicher zu sagen. Es kann ein physikalisches Sehen oder ein Sehen im übertragenen Sinn (Eph 1,17-18) gemeint sein. Das physikalische Sehen ist jedoch normalerweise nicht möglich (2Mo 33,18-20). Das liegt auch mit an der Unreinheit des menschlichen Herzens (Jes 6,1-7). Einige Arten des Sehens sind trotzdem möglich (2Mo 24,9-11 / Joh 12,44-45 / Joh 14,8-9 / Off 4,1-11) oder werden durch die Erlösung durch Jesus möglich gemacht (1Jh 3,2).

Mat 5,9 Friedensstifter

"Frieden stiften" bedeutet aktiv daran zu arbeiten, dass Frieden geschaffen wird. Dies darf sich nicht nur auf den Frieden zwischen Menschen beziehen, sondern besonders auf den Frieden zwischen Gott und Menschen. Frieden wird allein durch die Sünde des Menschen verhindert. Nur Jesus kann sie wirklich beseitigen. Damit ist er der wichtigste Friedensstifter überhaupt (Röm 5,1-11 / Röm 10,15 / Eph 2,1-18 / Kol 1,19-21 / 2Th 3,16). Wahrer Frieden ist ohne Erneuerung des Menschen durch den Glauben an Jesus nicht möglich. Jeder wirkliche Friedensstifter muss daher das Evangelium von Jesus (das Evangelium des Friedens Röm 10,15 / Eph 6,15) verkünden und sich in allem nach dem Vorbild Jesu richten. Niemand kann Friedensstifter im Sinne Jesu genannt werden, der Frieden zu schaffen versucht, ohne sich in seinen Bemühungen von diesen wichtigen Tatsachen leiten zu lassen. Natürlich ist es auch nicht möglich Frieden zu stiften, ohne selbst von Frieden erfüllt zu sein. Dies setzt die eigene Versöhnung mit Gott und innere Erneuerung durch Jesus voraus. Nur dadurch wird ein Mensch Gottes Kind (Joh 1,12 / Gal 3,26 / Gal 4,1-5).

Ein erfolgreicher Friedensstifer benötigt darüberhinaus bestimmte Eigenschaften, die ihn zur Vermittlung zwischen Feinden befähigen. Dazu gehören insbesondere die beiden von Jesus vorher genannten: Ehrlichkeit (reines Herz) ist notwendig, um das Vertrauen der anderen zu gewinnen und Barmherzigkeit, d. h. der richtige Umgang mit der Sünde und den menschlichen Fehlern, die dem Frieden entgegenwirken.

Wer Frieden stiftet ist Gottes Kind und Gottes Mitarbeiter, denn Gott ist ein Gott des Friedens (Röm 15,33 / Php 4,9 / 1Th 5,23 / ...) und Christus ist der Friedensfürst (Jes 9,5-6)

Mat 5,10-12 Geschmähte und Verfolgte

"wegen Gerechtigkeit verfolgt, geschmäht, verleumdet": Diese Seligpreisung bezieht sich nicht allgemein auf Verfolgte, sondern auf die, die "um der Gerechtigkeit willen" verfolgt werden. Mit Gerechtigkeit ist auch hier das persönliche Sein und Handeln als Jünger Jesu gemeint (Vergl. 1Pt 4,12-19). Insbesondere ist nicht politische Aktivität gemeint. Gerechtigkeit bedeutet, so zu sein wie Jesus (Vergl. Joh 15,18-21 / 2Ti 3,12). Dies ist jedoch ohne eine grundsätzliche Erneuerung, die nur durch die Bekehrung und Wiedergeburt geschieht, nicht möglich.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:23