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 Matthäus Bergpredigt

Mat 5,33-37 Christen sollen verlässlich sein

15.2.97

Nicht schwören wie es zur Zeit Jesu üblich war

Auch dieses Wort Jesu macht das Alte Testament nicht ungültig, sondern verstärkt die dortigen Forderungen. Es gibt dort keine Regeln darüber, wann jemand etwas mit einem Eid bekräftigen soll, sondern es heißt: "Ihr sollt nicht falsch schwören ..." (3Mo 19,11-12) und "Wenn jemand ein Gelübde tut oder einen Eid schwört, dass er sich zu etwas verpflichten will, ..." (4Mo 30,3). Vergl. auch Pred 5,1-5.

Wer etwas schwören will, oder muss, der tut dies, weil man sonst damit rechnen muss, dass er lügt. Deswegen wird ja vor Gericht in bestimmten Fällen ein Eid verlangt. Auch bei bestimmten Berufen und Staatsbediensteten wird bei Eintritt in den Dienst ein Amtseid verlangt, weil ein Teuebruch dieser Personen besonders schwerwiegende Folgen für die Allgemeinheit hätte.

Zur Zeit Jesu war das Schwören scheinbar besondere Mode, weil es auch üblich war, dem eigenen Wort untreu zu werden. Es gab bestimmte Regeln, welche Eide gebrochen weden durften und welche nicht (Mat 23,16-22). Es gab eine Inflation von Schwurformeln. Wer diese Regeln nicht kannte, konnte legal betrogen werden.

Das war natürlich nicht im Sinne Gottes (3Mo 19,12). Deshalb wendet sich Jesus ganz radikal gegen diese Praktiken. (Vergl. auch Jak 5,12) Die Worte seiner Jünger sollen immer wahr und verlässlich sein und es nicht nötig haben, mit einem Eid bekräftigt zu werden. Christen sollen mit ihrem ganzen Leben Gott verherrlichen. Dazu sollen sie Gottes Eigenschaften möglichst gut verkörpern. Eine Eigenschaft Gottes ist, dass er nicht lügt und immer zu seinem Wort steht (Psm 33,4 / Psm 89,35-36 / Jer 1,11-12). Gott schwört allerdings auch (Psm 89,35 / Psm 110,4 / Psm 132,11 / Amos 4,2 / Heb 6,13+17). Jedoch steht er nicht in der Gefahr den Eid zu brechen.

Vers 37 bedeutet nicht, dass man keine Bedingungen nennen darf: "Ja, wenn dies oder das der Fall ist. " Denn solche Einschränkungen sind oft nötig und es ist nur ehrlich, wenn man sie dem Gesprächspartner gegenüber auch nennt. Aber wir sollen keine Bekräftigungen hinzufügen in dem Schwörstil: "Ja, das schwöre ich dir..., so wahr...", sondern unser Wort ohne eine solche immer halten.

Schwören und Verlässlichkeit heute

Das Schwören im Zusammenhang mit Versprechungen ist heute nicht mehr üblich und deshalb für Christen meist kein Thema. Im Geschäftsleben werden Versprechungen nicht durch Schwören, sondern durch Verträge bekräftigt. Diese müssen Christen, die Jesus gehorsam sein wollen, deshalb immer einhalten, egal ob sie schriftlich oder nur mündlich geschlossen wurden.

Es gibt jedoch noch den Eid vor Gericht und den Amtseid. Da Jesus sich hier wohl nicht gegen Versprechungen, sondern gegen den Missbrauch von Bekräftigungsformeln wendet, ist gegen den Eid vor Gericht und den Amtseid, der von der Volksgemeinschaft verlangt wird, nichts einzuwenden. Auch Jesus wurde vor Gericht unter Eid genommen und hat eine Aussage gemacht (Mat 26,63-64). Auch Paulus nennt Gott als Zeugen, was einem Zeugeneid vor Gericht ähnlich ist (Röm 1,9 / 2Ko 1,23 / 2Ko 11,31 / Php 1,8 / 1Th 2,5-10).

Es ist aber eventuell zu unterscheiden zwischen einem Eid, zur Bekräfigung einer Aussage über die Vergangenheit (Zeugenaussage) und einer über die Zukunft (Versprechen, Verpflichtung). Möglicherweise bezieht sich Jesus nur auf letzters und verbietet einen solchen Eid auch deshalb, weil wir als Menschen keinen endgültigen Einfluss darauf haben, ob wir das Versprechen einhalten können. Vers 36 deutet darauf hin. Vergl. auch Pred 5,1-5. Das würde auch erklären, warum es für Jesus und Paulus nicht gegen Gottes Willen verstieß den Zeugeneid zu leisten. Ein Amtseid wäre bei diesem Verständnis als Versprechungseid abzulehnen.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:23