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 Matthäus Bergpredigt

Mat 5,38-48 Umgang mit Forderungen und Feinden

15.3.97

Mat 5,39-41 Umgang mit Rechtsfällen

Dieser Abschitt wird häufig mit als erstes genannt, wenn behauptet wird, das Alte und Neue Testament würden einander widersprechen. Aber auch für diesen Abschnitt gilt Vers 17: "... ich bin nicht gekommen um aufzulösen, sondern zu erfüllen. " Das alttestamentliche Gesetz gilt also weiterhin. Wie ist das zu vereinbaren ?

Die alttestamentliche Regelung "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (3Mo 24,17-21 / 2Mo 21,22-25 / 5Mo 19,15-21) ist ein Gesetz, nach dem die Richter urteilen sollten. Dieses Gesetz hat Jesus nicht aufgehoben. Er fordert aber von seinen Jüngern, dass sie unter bestimmten Umständen nicht vor Gericht gehen und nicht auf ihrem Recht bestehen sollten, bzw. mehr tun sollen, als das Gesetz von ihnen verlangt.

Jesus nennt folgende Rechtsfälle:

39 Der Schlag mit der Rückseite der Hand auf die rechte Backe war eine Beschimpfung und Beleidigung. (Evtl. vergleichbar mit dem Vogelzeigen) Das wurde nach jüdischem Zivilrecht mit einer Geldstrafe bestraft.

40 Ein Gläubiger hatte das Recht vom Schuldner ein Pfand zu verlangen. Dieses mußte er jedoch zurückgeben, wenn es der Schuldner zum Leben brauchte, z. B. ein Kleidungsstück (5Mo 24,10-13).

41 Da es gefährlich war, allein zu reisen (vergl. Luk 10,30), konnten bestimmte Personen, insbesondere die Römer, andere dazu verpflichten, sie für eine begrenzte Entfernung zu begleiten.

Als Beispiele für seine Forderung, dem Bösen nicht zu widerstehen, nennt Jesus nur relativ einfache, zumutbare Fälle: Auf eine Beleidigung nicht gleich mit einem Gerichtsverfahren zu reagieren, als Pfand mehr zu geben, als man verpflichtet ist (wobei man Lebensnotwendiges zurückbekam, wenn es gebraucht wurde), statt eine Meile zwei zu gehen. Das sind alles keine Leistungen, die viel kosten. Jesus hat nicht gefordert nicht vor Gericht zu gehen, wenn uns jemand beraubt oder eine schwere Körperverletzung zufügt. Auf letzteres bezieht sich das AT-Gesetz. Ein solches Beispiel hätte also nahegelegen.

Jesus verlangt also nicht, dass wir alles über uns ergehen lassen und uns zum Sklaven anderer machen sollen, die mit uns umgehen können, wie sie wollen. Er selbst und Paulus haben auf ihr Recht hingewiesen, als sie geschlagen wurden (Joh 18,22-23 / Apg 23,2-5 / Apg 16,35-39). Es wird nicht erwähnt, dass sie die andere Backe hingehalten haben. Das lässt vermuten, dass diese Aufforderung nicht wörtlich gemeint ist, sondern durch Übertreibung die Haltung verdeutlicht werden soll, die Jesu Jünger haben sollen: Das Böse nicht mit neuem Bösen zu beantworten, sondern mit Gutem zu überwinden (Röm 12,21).

Mat 5,42 Umgang mit Bitten um Kredit

Vers 42 wirft Fragen auf:

Soll ich jedem geben, was er verlangt, selbst dann, ...

1) ... wenn zu erwarten ist, dass er damit Unheil anrichtet?
2) ... wenn er es gar nicht nötig hat, sondern nur der Bequemlichkeit wegen bettelt und mutwillig auf Kosten anderer lebt?
3) ... wenn es mich viel kostet und ich durch die Erfüllung der Bitte beeinträchtigt oder gefährdet bin?

Daraus ergeben sich folgende Schlüsse:

Es gibt drei Gruppen von Interessen, die miteinander in Konflikt stehen können:

Die Fragen zu Vers 42 betreffen zwei der drei möglichen Konflikte:

1. ich - andere
2. andere - Gott

Aus dem Beispiel Jesu ergeben sich folgende Prinzipien:

Mat 5,43 Feindesliebe und das Alte Testament

Jesus bezieht sich auf 3Mo 19,18: "... Du sollst dienen Nächsten lieben wie dich selbst. ...". Vom Hassen der Feinde steht dort nichts. Auch sonst gibt es kein allgemeines Gebot seine Feinde zu hassen. Das Zitat endet also eigentlich vor dem "und ...".

Wohl aber gibt es ein Gebot Frieden und Wohl der Ammoniter und Moabiter nicht zu suchen und sie nicht in die Versammlung des HERRN aufzunehmen wegen ihrer früheren Feindschaft gegenüber Israel (5Mo 23,4-7). Das Besiegen der Feinde verspricht Gott mehrfach, wenn Israel ihm treu ist. Außerdem gibt es Gebote der Absonderung von Gottlosen: Josafat wird getadelt, weil er mit dem gottlosen König vom Nordreich zusammenarbeitete (2Ch 18,1-19,2).

Der Gedanke der Feindesliebe ist aber dem Alten Testament auch nicht fremd, sondern kommt auch dort schon vor (2Mo 23,4-5 / Spr 25,21-22). Hiob wertet Freude über das Unglück des Feindes als Schuld (Hiob 31,28-29).

Mat 5,44-48 Feindesliebe als Ausdruck der Gotteskindschaft

Jesu Jünger sollen als Gottes Kinder im Umgang mit Feinden nach Gottes Vorbild handeln, damit sie sich auch nach außen als seine Kinder erweisen. Sie sollen Gottes Vollkommenheit zeigen. Das sollen sie tun, indem sie wie Er, auch Feinden und Bösen, Gutes und Lebensnotwendiges nicht vorenthalten. Auch dieser Gedanke ist schon im Alten Testament zu finden: "Ihr sollt heilig sein, denn Ich bin heilig. "; kommt mehrfach vor, z. B. 3Mo 9,2.

In Vers 46 spricht Jesus einen Lohn an. Es lohnt sich also sich zu überwinden und auch dem Feind Gutes zu tun. Wo dieser Lohn herkommt bleibt allerdings offen. Es kann sein, das der Lohn in einer verbesserten Beziehung zu dem Menschen liegt. Aber es ist auch wahrscheinlich, dass Gott die Menschen, die ihn auf diese Weise verherrlichen, auch noch auf übernatürliche Weise belohnt. Folgende Stellen sprechen davon: 1Ko 3,8-14 / 2Jh 1,8 / Off 11,18 / Off 22,12


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:23