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 Matthäus Bergpredigt

Mat 6,9-15 Mustergebet "Vaterunser"

8.5.97 bis 9.8.97

Die Anrede

"Unser Vater im Himmel" drückt folgendes aus:

Gottes Anliegen

Nach der Anrede folgen als erstes Gottes Anliegen. Sie sollen damit auch unsere Anliegen sein und bei uns an erster Stelle stehen.

"Dein Name werde geheiligt"

Das Beenden der Verunehrung und die Ehrung Gottes ist uns ein Anliegen, wenn wir eine intakte Beziehung zu Gott haben. Wie wird Gott verunehrt? Durch jede Sünde, insbesondere solche, die sich direkt gegen Gott selbst und sein Wort richtet, wie Spott, Götzendienst, Mißbrauch des Namens Gottes, Atheismus, Unglaube, Mißtrauen gegen Gott, eine unchristliche Lebensführung als Christ, die andere vom Glauben abhält. Wie wird dagegen Gott geehrt? Durch Gehorsam, Lob, Dank, Vertrauen. Daß das in unserem eigenen Leben und im Leben anderer Menschen geschieht, dafür sollen wir beten.

Siehe: "Wirkung der Lebensweise auf andere" E 51

"Dein Reich komme"

In dieser Welt herrscht noch der Teufel (Luk 4,5-6 / 1Jh 5,19). Bei den Menschen, die an Jesus glauben, hat die Herrschaft Gottes in ihrem Leben zwar schon begonnen. Aber in vieler Hinsicht ist sie noch nicht vollständig und die Herrschaft Gottes über alle Menschen steht noch aus. Der Beter sehnt sich danach, daß Gott die uneingeschränkte Herrschaft bekommt, bzw. antritt. Das kann sich sowohl auf unser privates Leben, als auch auf die Gemeinde, als auch auf die Welt beziehen. Dies schließt den Willen zum Gehorsam Gott gegenüber ein und heißt, daß sich der Beter selbst als Untertan, als Diener Gottes sieht und nicht selbst bestimmen und herrschen will. Dieser Wille zur Unterordnung drückt auch das Vertrauen aus, daß Gott ein gerechter und optimaler Herrscher ist, der niemanden unterdrückt oder benachteiligt, sondern jedem zu seinem Recht verhilft und jedem alles gibt, was er braucht. Es macht Freude, sich einem solchen Herrscher unterzuordnen.

"Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde"

Es ist dem Beter wichtig, daß Gottes Wille in der Welt, der Gemeinde und dem eigenen Leben geschieht. Dies setzt bei dem, der so betet folgendes voraus:

Unsere Anliegen

"Unser tägliches Brot gib uns heute"

Die erste Bitte für uns selbst ist für das zur Erhaltung unseres Lebens Notwendige. Das Brot kann man sicherlich stellvertretend auch für alles andere sehen, das der Mensch zum Leben braucht. Folgende Aspekte fallen auf:

Es soll gebeten werden

Der Beter drückt damit folgendes aus:

"Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben"

Ebenso wichtig wie die tägliche Ernährung, ist die Frage der Schuld oder Schluldlosigkeit vor Gott. Diese Frage ist so wichtig, daß sie in diesem kurzen Gebet erwähnt werden muß. Sie ist deshalb so wichtig, weil sie das Verhältnis zu Gott bestimmt. Gott wird das Gebet von Sündern normalerweise nicht erhören (Spr 15,29 / Jes 1,15 / Jes 59,1-2). Deshalb muß die Schuld beseitigt werden. Jeder Mensch ist vor Gott schuldig (1Kg 8,46 / Röm 3,9-23). Das ist dem Beter des Vaterunsers bewußt. Diese Schuld kann nicht durch eigene besondere Taten oder Anstrengungen beseitigt werden (Röm 3,20 / Eph 2,8-9). Nur Gott kann das tun. Deshalb ist die Bitte um Vergebung nötig. Seit der Kreuzigung und Auferstehung Jesu wissen wir, daß Gott dieses Gebet erhören kann, weil Jesus an unserer Stelle die Schuld auf sich genommen hat (Kol 2,12-14).

Aber Gott vergibt nur, wenn wir

1. an Jesus glauben (Joh 3,16-18),
2. unsere Schuld erkennen und bekennen (1Joh 1,8-10),
3. ihn um Vergebung bitten und
4. selbst bereit sind, anderen zu vergeben (Mat 18,21-35 / Jak 2,13).

Punkt 4 ist so wichtig, daß Jesus ihn im Anschluß an das Gebet noch einmal besonders betont (Verse 14 und 15). Vielleicht betont er ihn auch deshalb, weil wir dazu tendieren, ihn zu vernachlässigen. Wer das Vaterunser betet, der drückt mit der Bitte "Vergib uns ..." aus, daß er alle 4 Punkte tun will.

"und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen"

Nachdem es in der vorhergehenden Bitte um die in der Vergangenheit getane Sünde geht, wird jetzt um Schutz vor zukünftiger Sünde gebeten. Gott versucht zwar niemanden, sondern der Teufel und die eigenen Begierden tun das, aber Gott läßt Versuchung zu oder führt uns manchmal in Versuchungen, um uns zu prüfen (Mat 4,1). Versuchungen sind notwendig, damit wir im Glauben weiterkommen (Jak 1,2-4 / 1Pt 1,6-7). Diese Bitte wird sich also auf solche Versuchungen beziehen, in denen wir scheitern. Wer so betet, der drückt damit aus, daß er nicht sündigen, sondern immer Gott treu und gehorsam sein möchte. Wir haben Zuversicht, daß Gott dieses Gebet erhören wird: Gott begrenzt die Versuchungen auf ein erträgliches Maß (1Ko 10,13). Die Bitte um Bewahrung vor dem Bösen hat Jesus selbst für seine Jünger gegenüber dem Vater ausgesprochen (Joh 17,15). Paulus ist zuversichtlich, daß der Herr stärken und bewahren wird wegen seiner Treue (2Th 3,3). Die Bitte kann sich auch allgemeiner auf jeden Zugriff des Bösen (des Teufels) auf uns beziehen. Wir bitten sowohl, daß wir bewahrt werden, Böses zu tun, als auch daß wir bewahrt werden, daß uns Böses geschieht, da der Böse zu Zeit noch Macht in der Welt hat.

Abschluß: "denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit"

(Vergl. 1Chr 29,11-12) Dieser Abschluß ist nur in einigen späteren Handschriften enthalten und daher wahrscheinlich später hinzugefügt worden. Er drückt den Glauben aus, daß Gott die Macht hat, das Gebet zu erhören und ist gleichzeitig ein Lobpreis Gottes.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:24