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 Matthäus Bergpredigt

Mat 7,1-6 Umgang mit Sünde anderer Menschen

1.2.98

Verse 1-5 - Kein selbstgerechtes Verurteilen

Was ist Verurteilen oder Richten? Was ist der Unterschied zwischen Verurteilen, das wir nicht tun sollen, und zur Umkehr rufen, warnen, ermahnen und zurechtweisen, das wir doch tun sollen ? Die Antwort ergibt sich, wenn man Bibelstellen zum Ermahnen und Zurechtweisen mit solchen über das Richten vergleicht:

Bibelstellen zum Ermahnen und Zurechtweisen: 3Mo 19,17-18 / Mat 18,15-17 / Luk 17,3-4 / 2Ko 2,6-8 / Gal 6,1 / 1Th 5,14 2Th 3,14-15 / Tit 1,10-13 / 1Ti 5,20-21 / 2Ti 2,24-25 / Heb 10,24-25

Daraus ergeben sich folgende charakteristische Eigenschaften des richtigen Ermahnens und Zurechtweisens:

Liebe, Sanftmut, Geduld, Vergebung, Hilfe, geistliche Gesundung und Umkehr des anderen vom falschen Weg, Objektivität, Sachlichkeit.

Bibelstellen zum Verurteilen und Richten: Röm 2,1-6 / Röm 14,1-4 / Röm 14,10-13

Charakteristische Eigenschaften des Verurteilens und Richtens:

Sich selbst besser fühlen oder als besser darstellen wollen als der andere, aber in Wirklichkeit mindestens genauso schlecht sein, mangelnde Bereitschaft eigene Fehler zu erkennen und sich selbst korrigieren zu lassen, Unsachlichkeit in der Beurteilung, Stolz, Selbstgerechtigkeit, Pharäertum, Verachtung des anderen, Rache, geringschätzig reden hinter dem Rücken des Betroffenen.

Was bedeutet das Bild vom Splitter und Balken? Darin scheint es ja nicht um Verurteilung, sondern um liebevolle Hilfe zu gehen! Auf den ersten Blick scheint das so. Aber die Art, wie Jesus den "Helfer" darstellt, macht deutlich daß er ein verzerrtes Bild von der Wirklichkeit hat. Die verzerrte Sicht hat ihre Ursache in falschen Motiven für die Zurechtweisung des anderen. Jesus macht hier auch klar, daß zur Ermahnung nur berechtigt ist, wer selbst in dieser Sache ein Vorbild ist und nicht auf die selbe Weise sündigt, wie der zu Ermahnende. Vergl. auch Jak 4,12.

Wann werden wir mit unserem eigenen Maß beurteilt? In erster Linie in Gottes Gericht: Röm 2,1-3 / 1Ko 4,5 / Jak 2,13

Aber auch Menschen werden erfahrungsgemäß besonders kritisch gegenüber jemandem, der sich anmaßt, andere zu beurteilen oder der sich als besser darstellt.

Vers 6 - Umgang mit völlig ablehnenden Menschen

Was ist "Heiliges" und "Perlen"? Mehrere Kommentare gehen davon aus, daß mit dem Heiligen Opferfleisch gemeint ist. Das liegt auch nahe, da man Tieren in der Regel nichts gibt, außer etwas zu fressen. Hunde fressen Fleisch. Heiliges Fleisch kann nur Opferfleisch sein. Opferfleisch durfte nur von kultisch reinen Menschen gegessen werden, nicht von unreinen. Was nicht gegessen wurde, mußte verbrannt werden. Tieren durfte es nicht gegeben werden (3Mo 6,24-30 / 3Mo 7,15-21). Perlen waren damals sehr wertvoll und werden häufig zusammen mit Gold, Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten genannt (Vergl. Mat 13,45-46 / 1Ti 2,9 / Off 17,4).

Was sind Hunde oder Schweine? Beide sind unreine Tiere. Schweine wurden in Israel nicht als Haustiere gehalten. Wenn es welche gab, dann waren es Wildschweine, die möglicherweise auch aggressiv werden konnten. Hunde wurden selten als Haustiere gehalten und streunten oft wild und in Rudeln umher. Die wilden Hunde fraßen alles, auch Aas.

Hier geht es darum, daß man etwas, das uns sehr wertvoll und wichtig ist, Wesen gibt, die es für absolut unwichtig und wertlos halten. Sie dokumentieren diese Haltung durch ihren Umgang damit. Die Reaktion kann von Verachtung und Lästerung bis zu Aggression und Feindschaft gehen.

Während es in dem vorhergehenden Abschnitt darum ging, daß man andere nicht mit der falschen Motivation auf ihre Sünde hinweist, geht es hier darum, daß der Hinweis bei manchen Menschen vergeblich ist und besser ganz unterlassen werden sollte. Wenn Menschen auf Zurechtweisung und Verkündigung des Wortes Gottes (vergl. Mat 10,14) so reagieren wie die genannten Tiere, dann ist es besser zu schweigen, um das Wort Gottes nicht der Verlästerung auszusetzen. Auch Jesus schwieg vor dem Hohen Rat, der seine ungerechte Verurteilung bereits beschlossen hatte und völlig uneinsichtig war (Mat 26,59-68). Er schwieg auch vor Herodes, der ihn verachtete (Luk 23,8-11). Auch die Apostel wandten sich ab, als die Zuhörer aggressiv wurden und lästerten (Apg 13,45-46 / Apg 19,9). Folgende Sprüche sagen Ähnliches:

Zu den Ohren eines Toren rede nicht, denn er wird deine klugen Worte verachten. (Spr 23,9)

Wer einen Spötter züchtigt, holt sich Beschimpfung, und wer einen Gottlosen bestraft, kriegt sein Teil. Bestrafe den Spötter nicht! Er haßt dich; bestrafe den Weisen, der wird dich lieben! (Spr 9,7-8)


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24