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 Matthäus Bergpredigt

Mat 7,12-23 Tun des Willens Gottes und Zugehörigkeit zu ihm

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12 Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten

"... denn das ist das ganze Gesetz und die Propheten."

Ähnliche Stellen:

Gebote in Liebesgebot zusammengefaßt; wer andere liebt, erfüllt Gesetz Röm 13,8-10
Das ganze Gesetz findet Erfüllung in dem einen: "Liebe d. Nächsten..." Gal 5,14

Kann das denn sein, daß das ganze Gesetz und die Propheten jetzt überflüssig sind, weil sie so einfach zusammengefaßt werden können? Hier geht es doch nur um die Beziehung zwischen Menschen. Im Gesetz und den Propheten geht es auch um die Beziehung zwischen Menschen und Gott. Es gibt eine Menge Gebote, die sich auf die Beziehung zu Gott beziehen, beispielsweise die ersten drei der Zehn Gebote. Sollten diese nicht mehr gelten? Das wäre sicher ein falsches Verständnis dieser Stelle, wie auch folgende Stellen zeigen, die zeigen, daß die Gebote, die sich nur auf die Beziehung zu Gott beziehen, nach wie vor gelten:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten, Ihm allein dienen Mat 4,10 / Luk 4,8
Keine Gemeinsch. m. Götzen=Dämonen! Wollen wir d. Herrn z. Eifers. reizen? 1Ko 10,19-22

Deshalb ist das einzig sinnvolle Verständnis dieser Worte Jesu, daß sie sich nur auf die Teile des Gesetzes und der Propheten beziehen, die mit der Beziehung zu anderen Menschen zu tun haben.

Allerdings hängen die Beziehungen zu Gott und zu Menschen eng zusammen. Das zeigen folgende Stellen:

An den BEIDEN Liebesgeboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten Mat 22,36-40
Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr Mir getan Mat 25,34-45
Hananias und Saphira, ihr habt nicht Menschen, sondern Gott belogen Apg 5,4
Wenn ihr euch an den Brüdern versündigt, versündigt ihr euch an Chr. 1Ko 8,12
Wer Meine Gebote empfangen hat und hält, der liebt Mich Joh 14,21

Es bleibt aber die Frage: Brauchen wir damit Gesetz und Propheten als Anweisung für den richtigen Umgang mit anderen Menschen nicht mehr? Ist damit ein großer Teil der Bibel entbehrlich geworden? Offensichtlich nicht, wie folgende Stellen zeigen:

Worte zu Herzen nehmen, Kindern einschärfen, dauernd davon reden 5Mo 6,6-9
Betrachte es Tag & Nacht und tu es in allen Dingen => Erfolg Jos 1,8
Laßt das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt & ermahnt Kol 3,16
Nach Gottes Wort verlangen, wie Säuglinge nach Milch=>Wachstum, Rettung 1Pt 2,2

Der Mensch ist so egoistisch, daß es ihm schwer fällt, sich immer in den anderen zu versetzen und an ihn zu denken. Deshalb brauchen wir ständige Erinnerungen und konkrete Handlungsanweisungen, um nach dieser Gesetzeszusammenfassung Jesu leben zu können.

Dieser Vers ist aber eine gute Hilfe zur Entscheidung und Überprüfung meines Verhaltens. Und auch in Verhaltensfragen, die in der Bibel sonst nicht direkt beantwortet werden, gibt er ein Kriterium zur Entscheidung an.

13-14 Der breite und der schmale Weg

"Geht hinein ..." - Was ist dieses HINEIN? Was ist das Ziel? Jesus spricht von zwei Zielen, dem Leben (14) und der Verdammnis (13).

Was ist das Leben, von dem Jesus spricht?

Wenn hier vom Weg zum Leben die Rede ist, geht es um ein Ziel, das die Zuhörer noch nicht erreicht haben. Es geht also nicht um körperliches Leben, sondern um geistliches, das sie noch nicht hatten. Dieses wahre Leben kommt auch in anderen Stellen vor:

Besser verkrüppelt ins Leben gehen, als ins ewige Feuer Mat 18,8-9
Was muß ich tun, um ewiges Leben zu erben? Gebote halten ... Mat 19,16-26
Die einen gehen in ewige Strafe, d. anderen ins ewige Leben Mat 25,46
Gott gab S. Sohn, damit jeder, der glaubt, ewiges Leben hat Joh 3,16
Wer zuhört und glaubt, hat ew. Leben, ist v. Tod z. Leben durchgedrungen Joh 5,24-26
Wer glaubt, hat ewiges Leben Joh 6,40-47
Wer glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,... Joh 11,25-26
Lohn der Sünde ist Tod, Gnadengabe Gottes ist ew. Leben in Chr. Röm 6,23
Wenn Chr. in euch, dann Leib zwar tot wegen Sünde, Geist aber lebt Röm 8,10
Ermahne Reiche reich an gut. Tat. z. sein, um wirkl. Leben zu ergreifen 1Ti 6,17-19
Wir wissen, daß wir v. Tod z. Leben hinübergeg., weil wir Brüder lieben 1Jh 3,14
Wer d. Sohn hat, hat d. Leben; wer d. Sohn nicht hat, hat d. Leben nicht 1Jh 5,12-13

Andere Stellen bringen das ewige Leben mit dem Himmelreich oder dem Reich Gottes in Verbindung:

Was tun, um ew. Leb. z. erlangen?...Reicher kommt schwer in Himmelreich... Mat 19,16-24
...Leichter geht Kamel durch Nadelöhr, als Reicher ins Reich Gottes Mat 19,16-24
Ebenso, aber nur "Reich Gottes" Mrk 10,17-23 / Luk 18,18-25

Das Leben ist also eine Beziehung und Zugehörigkeit zu Gott, die nach dem Tod zu einem ewigen Leben in der Gegenwart Gottes führt.

Was macht den Weg zum Leben so schwierig zu finden und zu gehen?

Zwei Dinge nennt Jesus gleich im Anschluß:

1. Verführung und Fehlleitung durch falsche Führer Mat 7,15-20 Das heißt, den Willen und Weg Gottes nicht kennen. Jesus gibt hier eine Anleitung, wie man falsche Führer erkennen und sich dadurch vor ihnen schützen kann.
2. Den Willen Gottes nicht tun, d. h. Ungehorsam Gott gegenüber Mat 7,21 Das heißt, den Willen Gottes zwar möglicherweise zu kennen, aber nicht zu tun.

Aber er und die Apostel nennen an anderen Stellen weitere:

3. Mangelndes Verständis, mangelnde Bereitschaft zum Zuhören Mat 13,19
4. Besitz und Reichtum, Sorgen um irdische Dinge Mat 13,22/Mat 19,23-24
5. Versuche, den Weg zu Gott ohne Jesus zu finden Joh 14,6
6. Schwierigkeiten, Verfolgung Mat 13,20-21/Mat 16,25/Apg 14,22/Röm 8,35-39

Was macht den Weg zur Verdammnis so einfach zu finden und zu gehen?

15-20 Die falschen Propheten

Welche Eigenschaften haben die falschen Prohpeten?

Was sind die guten, was die schlechten Früchte?

Jesus nennt weder für die guten noch für die schlechen Früchte hier Beispiele. Etliche schlechte Früchte werden jedoch in folgenden Stellen genannt:

Irrlehrer meiden. Sie dienen nicht Christus, sondern ihrem Bauch Röm 16,17-18
Irrlehrer: Eigenwillig, Engelverehrung, Visionen, aufgeblasen, fleischl. Kol 2,18
Irrlehrer hält nicht am Haupt fest, von dem aus der Leib wächst Kol 2,18-19
Verführer, d. aus Gewinnsucht falsch lehren: leben anders als sie reden Tit 1,10-16
Falsche Lehrer führen Spaltungen herbei, verleugnen Chr.=>Verderben 2Pt 2,1
Viele folgen Ausschweifungen der Irrleher=>Weg der Wahrheit verlästert 2Pt 2,2
Aus Habsucht werden sie euch mit betrügerischen Worten kaufen 2Pt 2,3
Wer Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott = Geist des Antichrists 1Jh 4,3
Sie sind von Welt, darum reden sie v. d. Welt, Welt hört sie; wir sind aus... 1Jh 4,4-6
...Gott; wer Gott kennt, hört auf uns; wer nicht, d.nicht=>Geist d.Irrtums 1Jh 4,4-6
Gottlose, mißbrauchen Gnade für Ausschweifung, verleugnen Chr. Jud 4
Irrlehrer beflecken Leib, verachten Herrschaft, lästern himml. Mächte Jud 8
Hadern m. Geschick, leben nach Begierden, große Worte, opportun. Schmeicheln Jud 16
Spötter kommen, d. nach Begierden leben, rufen Spaltung hervor, ird. gesinnt Jud 18-19

Was bedeutet das Abhauen und ins Feuer werfen ? (19)

Vergleiche auch dazu die Predigt Johannes' des Täufers Mat 3,7-12

Es gibt noch viele ähnliche Stellen.

Zunächst bedeutet Abhauen und ins Feuer werfen das Vernichten nutzlosen, hinderlichen oder ressoucenverbrauchenden (Luk 13,6-9) Materials. Im übertragenen Sinn heißt das, daß Irrlehrer und Menschen die dem Evangelium hinderlich sind, irgendwann aus dem Verkehr gezogen werden. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Im Alten Testament war damit normalerweise die Zerstörung von gottlosen Machtstrukturen und Götzendienst durch Krieg, Hunger oder Krankheit gemeint (Jes 5,1-30 / Hes 15,1-8).

Eine andere Möglichkeit ist auch die zusätzliche Bestrafung durch die ewige Verdammnis, den feurigen Pfuhl. Dieses Verständnis wird dadurch nahegelegt, daß der endzeitliche herausragende falsche Prophet so bestraft werden wird (Off 19,19-20 / Off 20,10-15 / Off 21,8).

Der Kommentar "The New John Gill's Exposition of the Entire Bible" meint, daß "abhauen" aus den Gemeinden entfernen oder töten bedeutet, und "ins Feuer werfen" bedeute das Feuer der Hölle, den Feuersee, wo das Tier und der falsche Prophet sein werden.

21-23 Nicht alle kommen ins Himmelreich

Was ist der Wille des Vaters?

Welche Werke Gottes tun? An den glauben, den Er gesandt hat Joh 6,28-29
Denn dies ist Gottes Wille: Heiligung: keine Unzucht, Begierde, Betrug 1Th 4,3-7
Jagt Frieden nach und Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird Heb 12,14
Sagt in allem Dank, denn dies ist Gottes Wille in Chr. Jesus für euch 1Th 5,18
Gottes Wille: Durch Gutes tun Unverständige zum Schweigen bringen 1Pt 2,15

Dies sind nur einige wichtige Beispiele. Natürlich sind auch alle anderen Gebote, die uns gegeben sind, ebenfalls Gottes Wille.

Was bedeutet "den Willen des Vaters tun"?

Das griechische Wort bedeutet tun, handeln, verfahren, arbeiten, sich betätigen, etwas (be)wirken, etw. machen, (er)schaffen, produzieren, herstellen, konstruieren, formen, (ver)fertigen, ausführen, etw. verursachen, veranlassen.

Die Verbform ist im Griechischen ein Partizip Präsens. Wörtlich heißt es also "Nicht alle zu mir "Herr, Herr" Sagenden werden ins Himmelreich kommen, sondern nur die den Willen des Vaters ... Tuenden. Diese Verbform drückt eine andauernde oder sich ständig wiederholende Tätigkeit aus.

Kommen also nur die perfekten Menschen ins Himmelreich? Da jeder Mensch, auch der beste Christ, irgendwann sündigt und den Willen Gottes nicht tut, würde das bedeuten, daß niemand gerettet werden kann. Müssen wir hier nicht, wie die Jünger bei einer anderen Gelegenheit entsetzt fragen: "Wer kann dann gerettet werden?" (Mat 19,25). Jesus antwortet dort: "Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich. " (Mat 19,26).

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man diese Aussage verstehen kann:

1. Jesus will uns damit deutlich machen, daß kein Mensch aus eigener Kraft so leben kann, wie es Gott gefällt und wie es nötig ist, um ins Himmelreich zu kommen. Er will uns damit unsere Erlösungsbedüftigkeit deutlich machen. Jeder Mensch ist ein verdammungswürdiger Übeltäter.

2. Mit "Gottes Willen tun" ist kein perfektes Leben gemeint, sondern die Grundeinstellung des Menschen soll beschrieben werden. Ist es der Normalfall, daß ich Gottes Willen tue, oder eine Ausnahme? Daran zeigt sich, ob ich zu Jesus gehöre oder nicht. Man gehört aber nicht dadurch zu Jesus, daß man normalerweise Gottes Willen tut. Sonst würde Jesus hier eine Werkgerechtigkeit einführen, die sonst überall im Neuen Testament abgelehnt wird. Sondern daran, ob jemand normalerweise Gottes Willen tut, zeigt sich, ob er zu Jesus gehört.

Es ist bemerkenswert, dass Gott in denen, die zu Jesus gehören, beim Tun seines Willens mitwirkt: Gott...vollende euch, damit ihr S.Willen tut, indem Er in uns schafft Heb 13,20 Wir sind in Chr. geschaffen zu guten Werken, die Gott vorbereitet hat Eph 2,10 Epaphras ringt im Gebet, daß ihr vollkommen in allem Willen Gottes seid Kol 4,12

Warum werden Menschen als Übeltäter bezeichnet, die im Namen Jesu Gutes tun? Was machen solche Leute falsch?

Wunder tun oder Jesus Herr nennen sind keine sicheren Zeichen, daß der betreffende Mensch wirklich zu Jesus gehört (d. h. Christ ist) und damit ins Himmelreich kommt

Zum Vergleich kann man weitere ähnliche Stellen heranziehen. Dazu ist insbesondere Jesu Endzeitrede (Mat 24-25) aufschlußreich:

Fauler, egoistischer Knecht kommt zu Heuchlern: Weinen, Zähneknirschen Mat 24,45-51
5 Brautjungfern kommen nicht zur Hochzeit, weil sie kein Öl haben Mat 25,1-13
Knecht, der das, was der Herr ihm gab nicht vermehrt, kommt in Finsternis Mat 25,14-30
Gericht: Die Hilfsbereiten erben das Reich; andere verflucht, ew. Feuer Mat 25,31-46

Weitere Hinweise geben folgende Parallelstellen in Lukas:

Was nennt ihr mich aber: Herr, Herr! und tut nicht, was ich sage? Luk 6,46
Wir haben mit Dir gegessen; Du lehrtest - Ich weiß nicht woher ihr seid Luk 13,23-30

Einige vergleichbare Stellen aus den Briefen:

Nicht die Hörer sind gerecht, sondern die Täter werden gerechtfertigt Röm 2,13
Gesinnung & Gewissen der Ungläub. sind befleckt; sie geben vor... Tit 1,15-16
...Gott zu kennen, aber mit ihren Taten verleugnen sie ihn Tit 1,15-16
Glaube ohne Taten ist nutzlos, tot; bei Abraham führte Glaube zu Taten Jak 2,20-26

Um ins Himmelreich zu kommen, muß ein Mensch durch den Heiligen Geist wiedergeboren sein (Mat 25,1-13 / Joh 3,3-5). Ob dies bei einem Menschen geschehen ist, sieht man an seinen Taten. Dabei reicht es nicht, einzelne Taten zu betrachten, sondern seine ganze Lebensführung. Viele von den Pharisäern haben nach Gottes Willen gehandelt, aber Jesus wirft ihnen Heuchelei vor, da sie die wirklich wichtigen Aspekte von Gottes Willen nicht getan haben, aber nach außen fromm erschienen (Mat 15,1-13 / Mat 23,1-28).

Zum rechten Tun des Willens Gottes gehören also auch die richtigen Motive, damit es keine Heuchelei ist:

Gehorcht...nicht als Menschengefällige; tut Gottes Willen von Herzen Eph 6,5-6
Größtes Gebot: Herrn lieben mit ganzem Herzen,... Mat 22,35-40 / Mrk 12,28-33

Wie kann es sein, daß jemand im Namen Jesu Wunder tut, und doch nie zu ihm gehört hat?

Anscheinend verleiht Gott dem Namen Jesu manchmal auch dann übernatürliche Kräfte, wenn er von Leuten ausgesprochen wird, die nicht zu ihm gehören, wahrscheinlich deshalb um seinen Namen zu verherrlichen (Luk 9,49-50). Aber das muß nicht immer so sein. Manchmal kann Gott sich besser verherrlichen, indem er einen solchen Versuch scheitern lässt (Apg 19,13-17).

Die Macht Wunder zu tun kann auch vom Teufel kommen (2Th 2,9-10). Auch Irrlehrer können Wunder tun. Deshalb warnt Jesus davor, sich dadurch verführen zu lassen (Mat 24,23-25).

Wunder und das Nennen des Namens Jesu ist also kein sicheres Zeichen dafür, daß jemand wirklich Christ ist. Nur die Taten können einen richtigen Hinweis geben (Mat 7,15-21).


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24