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 Matthäus Wundertaten Jesu und was Nachfolge bedeutet

Mat 8,1-4 Die Heilung eines Aussätzigen

05.10.98

Nachdem Jesus seine Bergpredigt beendet hat, beweist er seine Lehrautorität durch Zeichenwunder, wie schon im Kommentar zu Mat 7,29 gesagt. Allerdings drücken auch die ersten beiden Wunder, die Matthäus uns nach der Bergpredigt berichtet, den revolutionären Charakter seiner Lehre aus, denn er wendet sich hier Menschen zu, von denen man sich normalerweise fern hielt.

Hintergrundinformation - Was ist Aussatz?

Aussatz war eine Hautkrankheit, die kultisch unrein machte. Der Kranke musste deshalb getrennt von der Gesellschaft (z. B. außerhalb der Stadt) leben und durfte am Gottesdienst nicht teilnehmen. Ein Aussätziger musste sich durch entsprechende Kleidung zu erkennen geben und "Unrein!" rufen, damit andere sich von ihm fernhalten konnten. Alles was ein Aussätziger berührte wurde ebenfalls unrein. Die Diagnose und der Umgang mit der Krankheit wird in 3Mo 13-14 beschrieben.

Obwohl im Griechischen und Lateinischen das Wort "Lepra" für die Krankheit verwendet wird, entsprechen die in 3Mo 13 beschriebenen Symptome der heutigen Lepra nicht. Am ehesten entsprechen die Symptome der Schuppenflechte (psoriasis vulgaris). Das passt auch zu dem, was wir von der damaligen griechischen Medizin wissen. Es könnte jedoch auch sein, daß mit Aussatz mehrere Krankheiten bezeichnet wurden, zu denen auch die heutige Lepra gehörte. Die Schuppenflechte ist nicht ansteckend.

Wenn bei einem Aussätzigen die Krankheit heilte, konnte er das vom Priester feststellen lassen. Dann musste eine bestimmte kultische Prozedur durchgeführt werden, zu der unter anderem ein Schuldopfer und eine Entsühnung gehörte (3Mo 14,10-32).

Aufgrund dessen wurde Aussatz als Strafe Gottes angesehen. Das wird zwar so allgemein von Gott nicht gesagt, aber doch in einzelnen Fällen (4Mo 12,1-15 / 5Mo 24,8-9 / 2Kg 5,27 / 2Ch 26,19-21).

Mit diesem Hintergrundwissen wird erst die enorme Bedeutung der Heilung des Aussätzigen in Mat 8,1-4 deutlich.

Die Bedeutung dieser Heilung

Was fällt an dem Verhalten des Aussätzigen auf? Was erwartet er von Jesus und warum?

Die Erwartung, die der Aussätzige an Jesus hat, macht deutlich, dass er davon überzeugt ist, dass Jesus der Messias ist. Er wartet schon lange sehnsüchtig auf die Erfüllung der Prophezeiungen, die Heilungen und Sündenvergebung ankündigen (Jes 35,4-6 / Jes 42,1-7 / Jes 53,4-12 / Jes 61,1-2), und er sieht sie in Jesus erfüllt. Dies ist seine Chance, wieder in die Gesellschaft integriert und von seiner Isolation befreit zu werden. Endlich wird er wieder ein sinnerfülltes Leben führen können. Endlich wird er wieder Freude haben können. Vor allem erwartet er die Vergebung seiner Schuld und wieder von Gott angenommen zu werden. Deshalb scheut er auch nicht den Zorn der Menge bei seiner unerlaubten Annäherung. Er hat nichts zu verlieren. Sein bisheriges Leben seit dem Ausbruch der Krankheit ist nicht viel besser, als tot zu sein.

Was drückt die Reaktion Jesu aus?

Normalerweise wird jeder Jude von einem Aussätzigen, der sich in seine Nähe begibt, verlangen, dass er unverzüglich verschwindet. Bestenfalls wird ein Jude vor einem Aussätzigen die Flucht ergreifen. Nicht so Jesus! Er nimmt den Aussätzigen an und wirft ihm nichts vor. Er dokumentiert das dadurch, dass er ihn sogar anfasst, wodurch er selbst unrein wird. Und Jesus erfüllt den sehnlichsten Wunsch des Aussätzigen und heilt ihn augenblicklich. Er beweist damit auch eindeutig, dass er der Messias ist.

Was bedeutet die Anweisung, die Jesus dem Geheilten gibt?

Der Geheilte soll, wie im Gesetz Moses vorgeschrieben, die Heilung vom Priester bestätigen lassen und das entsprechende Opfer bringen. Seine Heilung und Sündenvergebung wird damit bestätigt, und er wird wieder offiziell in die Gesellschaft aufgenommen. Dies ist nichts Unerwartetes.

Aber es verwundert, dass der Geheilte niemand etwas sagen, aber die Reinigungsprozedur "ihnen zum Zeugnis" vollziehen soll. Was bedeutet das?

Warum verbietet Jesus von der Heilung zu erzählen?

Hinweise zur Beantwortung dieser Frage findet man in den Parallelstellen Mrk 1,40-45/Luk 5,12-16:

Der Geheilte missachtet das Gebot und erzählt überall Mrk 1,45
Folge: Jesus wird bedrängt, kann sich nicht mehr frei bewegen Mrk 1,45 / Luk 5,15
Jesus muss sich künftig verstecken, um in Ruhe beten zu können Luk 5,16

Warum soll das Reinigungsopfer "ihnen zum Zeugnis" gebracht werden? Für wen gilt dieses Zeugnis?

Für die Priester, weil sie Jesus gegenüber skeptisch waren: Apg 4,1 / Apg 15,17 / Mat 16,1 / Mat 22,23-33


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:24