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 Matthäus Wundertaten Jesu und was Nachfolge bedeutet

Mat 8,5-13 Der Hauptmann von Kapernaum

16.1.99

Jesus hat keine Vorbehalte gegen bestimmte Gruppen von Menschen

Nachdem Jesus seine Bergpredigt beendet hat, beweist er seine Lehrautorität durch Zeichenwunder, wie schon im Kommentar zu Mat 7,29 gesagt. Allerdings drücken auch die ersten beiden Wunder, die Matthäus uns nach der Bergpredigt berichtet, den revolutionären Charakter seiner Lehre aus, denn er wendet sich hier Menschen zu, von denen man sich normalerweise fern hielt.

In diesem Abschnitt geht es um einen heidnischen Offizier (Centurio, Befehlshaber über 100 Mann), der entweder direkt Rom oder dem von Rom eingesetzten König Herodes unterstellt war. Er ist gleich aus zwei Gründen eine unbeliebte Person:

Die Römer verachteten die Juden. Ebenso verachteten die Juden die Heiden, da sie Unbeschnittene, Götzendiener, Sünder und Feinde Gottes waren. Juden hatten mit Heiden keinen Umgang (Apg 10,28). Deshalb berichtet Lukas auch, dass der Hauptmann nicht selbst kam, sondern Älteste der Juden schickte, die sich für ihn einsetzten, denn er musste damit rechnen, dass ein jüdischer Lehrer sich ihm nicht ohne weiteres zuwenden würde. Jesus zögert aber keine Sekunde ihm seine Bitte zu erfüllen.

Das Vorbild des Hauptmanns (5-10)

Der Hauptmann zeigt zwei bemerkenswerte und vorbildliche Tugenden: Demut und Glauben.

Demut

Er als Offizier des Weltreiches Rom wendet sich mit einer Bitte an einen Wanderprediger eines kleinen unterworfenen Volkes. Und er hält sich nicht für würdig, dass Jesus in sein Haus kommt. Das lag nicht an dem Haus, für das er sich sicherlich nicht zu schämen brauchte (vergl. Luk 7,5), sondern er wusste, daß Juden nicht in ein heidnisches Haus gehen durften (Apg 10,28). Das allein wäre für einen Heiden aber kein Grund sich für unwürdig zu halten. Er könnte es ja auch als jüdische Überheblichkeit abtun. Aber offensichtlich hält der Hauptmann Jesus für jemand ganz besonders Erhabenen. Dies leitet zur nächsten Tugend des Hauptmanns, seinem Glauben.

Glaube

Der hervorragende Glaube des Hauptmanns zeigt in zweierlei Art:

Dieser Glaube und die dadurch bewirkte Demut sind an sich schon so bemerkenswert, dass selbst Jesus erstaunt ist (Vers 10). Aber noch erstaunlicher ist, dass ein heidnischer Offizier einen solchern Glauben hat.

Wie kommt ein römischer Offizier dazu sich so zu verhalten?

Der Text gibt darauf keine Antwort. Wahrscheinlich hatte er von Jesu Wundern und Predigten gehört. Vielleicht war er sogar selbst Zeuge von Heilungen oder Zuhörer bei Predigten gewesen. Wahrscheinlich kannte er den jüdischen Glauben und die Erwartung des Messias. Das lässt die Parallelstelle in Luk 7,1-10 vermuten, wo gesagt wird, dass der Centurio die Juden lieb hat und eine Synagoge erbaut hatte. Das, was er über Jesus wusste, hat ihn wahrscheinlich zu der Überzeugung kommen lassen, dass Jesus der Messias ist.

Juden und Heiden in Gottes neuem Bund (10-12)

Dieses Erlebnis mit dem heidnischen Offizier veranlasst Jesus, den vielen revolutionären Aussagen seiner Bergpredigt eine weitere hinzuzufügen.

Die Juden hielten sich für die einzigen Menschen auf der Welt, die eine Beziehung zu Gott haben und von ihm angenommen werden, und zwar aufgrund ihrer Erwählung und Abstammung von Abraham (Mat 3,8-12/Luk 3,8-9).

Jesus widerspricht dieser Auffassung und macht deutlich, dass die Voraussetzung um von Gott angenommen zu werden nicht die Abstammung von Abraham ist, sondern der demütige Glaube. Mit "viele vom Osten und vom Westen" (Vers 11) meint Jesus gläubig gewordene Heiden aus den verschiedensten Nationen, denen aufgrund ihres Glaubens von Gott das Recht gegeben wird, als geistliche Nachkommen der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob zu gelten, obwohl ihnen die biologische Abstammung von den erwählten Erzvätern fehlt. Andererseits wird es biologische Nachkommen der Erzväter geben, die in die Verdammnis gehen, weil ihnen der rettende, echte Glaube fehlt.

Dies macht Jesus mehrmals klar: Luk 13,23-30 / Luk 16,19-23 / Joh 8,33-47
Auch Johannes der Täufer hatte schon darauf hingewiesen: Mat 3,8-12 / Luk 3,8-9

Siehe dazu auch: Thematischer Pfadfinder zur Bibel
 "Israel, Juden und Heiden" H 04

Vergleiche auch folgende Ereignisse:

Parallelstelle: Hauptm. kommt nicht selbst, sondern sendet Älteste d. Juden Luk 7,1-10
Glaube, Demut einer heidnischen Frau =>Jesus heilt ihr Kind Mat 15,21-28 / Mrk 7,24-30
Hauptmann Cornelius lässt Petrus holen und wird erster Heidenchrist Apg 10,1-48

Die Weise der Heilungen (1-13)

Bemerkenswerter Weise geht hier die Heilung anders vor sich als im vorhergehenden Abschnitt. Den Aussätzigen heilt Jesus indem er ihn berührt. Den Sklaven des Hauptmanns heilt er aus der Ferne, ohne ihn auch nur zu sehen. Jesus passt seine Art zu heilen den jeweiligen Bedürfnissen der betroffenen Menschen an: Dem Aussätzigen hat er mit der Berührung seine Liebe gezeigt, die ihm aufgrund seiner Krankheit seit langem von Menschen entzogen worden war. Dem Hauptmann hat er durch die Fernheilung seinen hervorragenden Glauben bestätigt und ihm dadurch gezeigt, dass Gott ihn erhört und annimmt, obwohl er nicht zum Volk Israel gehört.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24