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 Matthäus Wundertaten Jesu und was Nachfolge bedeutet

Mat 8,18-22 Was Nachfolge bedeutet

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Jesus ist nicht daran interessiert, dass ihm die Massen zujubeln. Er hätte die sich ansammelnde Menge ansprechen und für sich begeistern können. Aber er weiß, dass die meisten nur oberflächliches Interesse an ihm haben, weil sie von den Heilungen gehört haben. Er braucht aber keine Jünger, denen ihre Gesundheit das Wichtigste ist, sondern solche, die bereit sind überall hin mitzugehen und auch Entbehrungen auf sich zu nehmen.

Er wechselt den Ort mit dem Boot, so dass die meisten ihm nicht ohne weiteres folgen können. Nur die, die wirklich ernsthaft an ihm interessiert sind, werden ihm folgen und nehmen eventuell auch den mühsamen, längeren Landweg von mehreren Kilometern auf sich, um wieder zu ihm zu gelangen. Jesus ist sogar in heidnisches Land gegangen, was auch die Verse 28 und 30 deutlich machen: Juden betrieben keine Schweinemast, da Schweine nach dem Gesetz Moses unreine Tiere sind.

Einer der wenigen Menschen, die sich nicht abschütteln lassen wollen, ist die erste Person, mit der Jesus in diesem Abschnitt ins Gespräch kommt. Er will Jesus ohne Vorbehalte nachfolgen. Eigentlich würden wir erwarten dass Jesus sich darüber freut und ihn zu dieser Entscheidung beglückwünscht. Jesus weist ihn jedoch darauf hin, dass er selbst kein Zuhause hat, weil sein Dienst dies erfordert, und sagt damit auch, dass es jedem, der ihm nachfolgen will, genauso gehen wird. Warum diese Reaktion Jesu? Vielleicht wusste Jesus aufgrund seiner Allwissenheit, dass dieser Schriftgelehrte sich überschätzte und schnell wieder aufgeben würde. (Vergl. Mat 13,6-7 / Mat 13,20-22)

Ganz anders ist die Situation bei der zweiten Person, mit der Jesus hier spricht. Dieser Mensch wird bereits mit den Jüngern in Verbindung gebracht. Vielleicht ist er schon einige Zeit mit Jesus gegangen. Aber er hat noch Vorbehalte. Es gibt etwas, das ihm wichtiger ist, als Jesus ganz nachzufolgen: Seine Familie. Jesus gibt ihm eine schwer verständliche Antwort. Was bedeutet sie?

Ein ordentliches Begräbnis gehört zu der Pflicht der Kinder den Eltern gegenüber und ist damit Teil der Erfüllung des göttlichen Gebotes (2Mo 20,12). Jesus will dieses Gebot sicher nicht aufheben (Mat 5,17 / Mat 15,5-9 / Mrk 7,10-13 / 1Ti 5,4-8).

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie diese Stelle zu verstehen ist:

1. Jesus ist zwar nicht grundsätzlich dagegen, wenn ein Jünger seine Pflichten gegenüber seiner Familie erfüllt. Aber wenn sie den Aufgaben, die ihm von Gott gegeben sind, entgegenstehen, dann haben sie geringere Priorität. Dies wird besonders aus der Parallelstelle in Luk 9,59-60 begründet, wo dieser Jünger vorher von Jesus zur Nachfolge aufgefordert wird. Auch im Alten Bund hatte die besondere Weihung des Hohepriesters und dessen, der ein Nasiräer-Gelübte getan hatte, Priorität vor der Pflicht gegenüber gestorbenen Familienangehörigen (3Mo 21,10-11 / 4Mo 6,1-8). Möglicherweise antwortet Jesus aber auch deshalb besonders hart, weil er diesen Jünger kannte und wusste, dass dieser Jünger in der Gefahr stand, Jesus gar nicht mehr nachzufolgen, wenn er erst einmal wieder in die Familie zurückgegangen wäre. Deshalb fordert Jesus eine radikale Entscheidung.

2. Wahrscheinlich war der Vater noch nicht gestorben, denn es war üblich, Tote noch an ihrem Todestag zu begraben: Mrk 15,42-46 / Apg 5,6-10. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Sohn an dem Todestag des Vaters noch bei Jesus gewesen wäre. Außerdem wäre es keine nenneswerte Verzögerung der Nachfolge gewesen, wenn es wirklich nur um das Begräbnis und vielleicht die anschließende Trauerzeit gegangen wäre. All dies spricht dafür, dass der Jünger noch längere Zeit, bis zum Tod des Vaters bei seiner Familie bleiben wollte, bevor er verbindlich mit Jesus gehen wollte. Dem Jünger war seine Familie also wichtiger als Jesus. Dies jedoch ist die falsche Einstellung (Mat 10,37). Es wird auch vermutet, dass der Jünger auf das Erbe nicht verzichten wollte, was ihm vielleicht nicht zuteil würde, wenn er die Familie verließe. Das jedoch wäre eine noch falschere Einstellung (Mat 6,19-34 / Luk 12,13-21)

Jesus spricht in Vers 22 von zwei verschiedenen Arten Toter, den körperlich Toten und den geistlich Toten, die körperlich jedoch lebendig sind. Geistlich tot ist jeder, der ohne Gott lebt, von der Sünde beherrscht ist und die Vergebung nicht hat. (Vergl. Luk 15,11-24 / Eph 2,1-5 / Kol 2,13 1Ti 5,6)

Eine interessante Parallelstelle ist 1Kg 19,19-21, die Berufung Elisas zum Schüler Elias.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24