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 Matthäus Wundertaten Jesu und was Nachfolge bedeutet

Mat 8,28-34 Heilung zweier Besessener

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Jesus landet mit seinen Jüngern im heidnischen Gebiet östlich des Sees Gennesaret. Auf die Spitze getrieben wird die Situation durch die vielen, für Juden absolut widerlichen Aspekte:

Normalerweise würde wahrscheinlich kein Jude freiwillig an einen solchen Ort gehen. Ob Jesus und seine Jünger hier absichtlich gelandet sind, oder ob sie durch den Sturm die Orientierung verloren haben, ist nicht sicher. Es kann jedenfalls auch Absicht sein. Jesus hat auch manches andere Mal heidnisches Gebiet betreten, obwohl es zunächst nicht sein Hauptziel war zu den Heiden zu gehen (Mat 15,21-28). Vielleicht wollte er aber auch seinen Jüngern durch dieses Erlebnis eine Lektion erteilen.

Dieser Abschnitt teilt Informationen über drei Personen oder Gruppen mit:

Diese sollen jetzt untersucht werden. Im Anschluss wird noch auf die Unterschiede zu den Parallelberichten in Mrk 5,1-17 und Luk 8,26-37 eingegangen.

Jesus

Die messianische Macht Jesu

Der vorhergehende Abschnitt endet mit der Frage: "Was ist das für ein Mann?" Diese Frage wird hier aus recht unerwarteter Quelle beantwortet. Die Dämonen wissen viel über Jesus und sprechen das auch aus:

Laut Vers 28 waren die Besessenen durch die Dämonen so gefährlich, dass niemand die Straße gehen konnte. Wahrscheinlich haben sie jeden verprügelt der dort entlang kam. Sie wagten jedoch nicht Jesus und seine Jünger anzugreifen. Und das liegt sicher nicht daran, dass Jesus und seine Jünger in der Überzahl waren. Die Dämonen waren anscheinend Jesus gegenüber völlig machtos und mussten tun, was er befahl, denn sie mussten ihn bitten, in die Schweine fahren zu dürfen.

Die Barmherzigkeit Jesu

Jesus erfüllt die Bitte der Dämonen, obwohl sie böse Geister waren, die nur Unheil anrichteten. Vielleicht wollte er ihnen damit eine letzte Chance zu Umkehr von ihrer bösen Gesinnung geben. Allerdings scheint dies keinen Erfolg gehabt zu haben, denn die Dämonen machen die Schweine so rasend, dass sie alle ertrinken.

Jesus hat sicher gewusst was passieren würde. Deshalb kommt die Frage auf, warum Jesus mit den Dämonen barmherziger war als mit den Schweinehirten, die ja durch die Austreibung der Dämonen in die Schweine ihren Lebensunterhalt verloren?

Möglicherweise war dies die beste Gelegenheit, die Bewohner der Gegend auf sich aufmerksam zu machen und deutlich werden zu lassen, dass der Messias Gottes unter ihnen ist, der das Böse besiegen wird. Da es eine heidnische Gegend war, in der man vom Gott Israels nicht viel wusste, war vielleicht ein so aufsehenerregendes Ereignis nötig, um ihr Interesse zu wecken und zu bewirken, dass sie nach Gott fragen.

Umgang mit Ablehnung

Jesus drängt sich den Menschen nicht auf. Als sie sich nur für den Verlust der Schweine interessieren, anstatt nach Jesu göttlicher Vollmacht zu fragen und ihn bitten zu verschwinden, widersetzt er sich nicht, sondern verlässt tatsächlich den Ort wieder (Mat 9,1).

Die Dämonen

Die bösen Geister kennen Jesus und wissen, dass er sie richten wird. Sie wissen, dass sie dagegen völlig machtlos sind und haben Angst davor. Sie erfahren seine Barmherzigkeit und kehren trotzdem von ihrer bösen Gesinnung nicht um. Dies allein ist schon äußerst dumm. Aber sie sind noch dümmer: Anscheinend brauchen Dämonen ein Wirtslebewesen um existieren oder sich wohl fühlen zu können, oder auch einfach nur um ihre Bosheit ausleben zu können. Deshalb bitten sie Jesus in die Schweide fahren zu dürfen, wenn sie schon die Menschen verlassen müssen. Sie sind allerdings so dumm, dass sie mit den Schweinen nicht richtig umgehen und sie umbringen. Damit haben sie sich ihre einzige Lebensgrundlage, die ihnen noch von Jesus gelassen wurde, selbst zerstört. Ihre Bosheit und Gottlosigkeit schädigte und zerstörte nicht nur andere, sondern zuletzt auch sie selbst.

Dies trifft nicht nur auf die böse Gesinnung von Dämonen, sondern auch von Menschen zu. Es ist die Gesinnung, die die Bibel Sünde nennt. Auch die Sünde, obwohl sie oft angenehm und vielversprechend erscheint, zerstört den Menschen am Ende selbst:

Die Toren litten wegen ihres gottlosen Weges und ihrer Sünden Psm 107,17-18
Gerechtigkeit ebnet Weg, aber Gottlosigkeit bringt Gottlosen zu Fall Spr 11,5-6
Wenn ein Böser sündigt, verstrickt er sich selbst Spr 29,6
Die Gottlosen haben keinen Frieden Jes 48,22 / Jes 57,21
Es bringt Probleme, Jammer und Leid, den HERRN zu verlassen Jer 2,14-19
Ihre bösen Taten lassen nicht zu, daß sie umkehren zu ihrem Gott Hos 5,4
Wer Sünde tut, der ist ihr Knecht; Chr. Wort macht frei Joh 8,31-36
Alter Mensch richtet sich durch Begierden selbst zugrunde Eph 4,22
Eigensucht und Begierde streiten gegen die Seele 1Pt 2,11

Die Bewohner des Gebietes

Die Bewohner erleben, dass die beiden bösartigen Besessenen, wegen denen sich keiner in diese Gegend wagte, befreit wurden. Sie haben gesehen, dass Jesus göttliche Macht hat. Eigentlich hätten sie ihn begeistert ausfragen müssen, um zu erfahren woher diese Macht kommt. Sie hätten ihre anderen Besessenen und Kranken zu ihm bringen können, damit sie geheilt werden. Aber das tun sie nicht. Sie haben ihre Schweine verloren. Das scheint ihnen wichtiger zu sein. Dieser Preis für die Heilung ist ihnen zu teuer. Deswegen wollen sie Jesus lieber loswerden.

Materialismus und falsche Prioritäten sind oft ein Hindernis für den Glauben (Mat 6,19-34 / Mat 13,22 / Mat 19,16-26). Aber es ist ein schlechter Tausch wegen einiger "Schweine" auf die Rettung von der Verdammnis und ein Leben in einer guten Beziehung zu Gott zu verzichten.

Die Unterschiede zu Mrk 5,1-17 und Luk 8,26-37

Die Berichte in Mrk 5,1-17 und Luk 8,26-37 sind doppelt so ausführlich und stimmen untereinander sehr genau überein. Zu Matthäus gibt es zwei Unterschiede, die zunächst widersprüchlich scheinen:

Der Ort: Hier Gebiet der Gadarener; Mrk, Luk: Gebiet der Gerasener

Dieser Ortsname ist sehr uneinheitlich überliefert. Die verschiedenen Varianten sind: Gadarener, Gergesener, Gerasener, Gazarener, Garadener. In Mrk und Luk ist die Überlieferung ebenso unklar. Die ersten drei Varianten kommen auch in den Handschriften von Mrk und Luk vor. Dass an den verschiedenen Stellen für die Übersetzungen unterschiedliche Varianten ausgewählt wurden, liegt daran, dass man aufgrund textkritischer Untersuchungen die jeweils angegebene mit einiger Wahrscheinlichkeit für die ürsprüngliche hält. Dies ist jedoch gerade an diesen Stellen keineswegs sicher.

Gadara und Gerasa (Gergesa) waren zwei von mehreren Städten in der Gegend östlich des Sees Gennesaret. Die Gegend wurde mal nach der einen, mal nach der anderen Stadt benannt. Gadara lag im Südosten des Sees, ca. 14 km von Tiberias entfernt. Möglicherweise war zeitweise die eine oder andere der Städte bekannter oder die Schreibweise hat sich mit der Zeit geändert, so dass die Abschreiber Anpassungen vorgenommen haben, damit die Leser noch wussten, was gemeint ist.

Jedenfalls kann davon ausgegangen werden, dass in Mat, Mrk und Luk die gleiche Gegend gemeint ist.

Hier ein Besessener, bei Mrk und Luk zwei Besessene

Bei Unterschieden in ähnlichen Berichten muss man zunächst immer fragen, ob es sich dabei um das gleiche Ereignis handelt. Hier sind jedoch außer der Anzahl der Besessenen alle anderen Details in Mat und Mrk/Luk gleich, so dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um das selbe Ereignis handelt. Möglicherweise hat nur der eine Besessene gesprochen. Das Gesprochene ist jedoch hier das Wichtigste. Deshalb kann es sein, dass Mrk und Luk nur den einen Besessenen erwähnen, der gesprochen hat. Eine andere Vermutung geht dahin, dass die zweite Person möglicherweise eine Frau war und deshalb, wie damals oft üblich, nicht erwähnt wurde.

Es ist durchaus üblich, dass in biblischen Erzählungen nicht alle Anwesenden genannt werden. Manchmal wird das nebenbei deutlich:


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24