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 Matthäus Wundertaten Jesu und was Nachfolge bedeutet

Mat 9,9-13 Die Berufung des Matthäus

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Wer waren die Zöllner

Zöllner waren damals in der Gesellschaft verhasst, denn sie kooperierten mit der Besatzungsmacht und beuteten das eigene Volk aus, um sich selbst zu bereichern. Sie kassierten oft deutlich mehr als sie mussten (Luk 19,8). Mit Zöllnern hatte man keinen Umgang. Sie waren verachtet und verhasst.

Wie kommt es, dass ein Zöllner zum Jünger Jesu wird?

Wie kann es sein, dass Jesus eine solche Person als Jünger beruft und wie kommt es, dass er sofort mitgeht?

Über diese Fragen kann man nur spekulieren. Es ist eigentlich nicht anders denkbar, als dass dieser Berufung einiges vorausgegangen ist. Vermutlich kannte Matthäus Jesus schon länger, hatte oft seine Predigten gehört und sehnte sich danach sein elendes Leben aufzugeben und mit Jesus zu gehen. Er war bereit umzukehren, nur hat er vielleicht nicht erwartet, dass Jesus ihn annehmen würde. Vielleicht ging es ihm sehr ähnlich wie Zachäus (Luk 19,1-10).

Die richtigen Prioritäten

Aber es geht hier offenbar nicht um Matthäus und wie er dazu kam, dass er Jesus nachfolgte, sondern darum, dass Jesus solche Leute annimmt und warum.

Jesus liebt alle Menschen, auch die besonders krassen Sünder (vergl. Luk 15,1-7). Er nimmt jeden an, der bereit ist seine Schuld anzuerkennen und umzukehren (vergl. Luk 18,9-14). Er vergleicht die Sünde mit einer Krankheit, vor der er heilen will. Dazu ist er bereit gegen Normen der Gesellschaft zu verstoßen und sich in Gemeinschaft verhasster und gemiedener Leute zu begeben (vergl. auch Mrk 1,40-41: Berührung eines Aussätzigen). So hat er die Möglichkeit, auf sie Einfluss zu nehmen, sie zur Umkehr zu bewegen und sie so zu retten.

Die Pharisäer haben dafür kein Verständnis. Sie halten das Einhalten von rituellen Glaubensvorschriften für das höchste Ziel. Gott hat jedoch andere Prioritäten, was Jesus ihnen mit dem Zitat aus Hosea 6,6, klar macht (Jesus verwendet das Zitat nochmal in Mat 12,1-7). Gott hatte sowohl rituelle Handlungen, wie Opfer, als auch Barmherzigkeit geboten. Er meint also nicht, dass er Opfer ablehnt. Was er jedoch durch Hosea sagen lässt, ist, dass Seine Aufforderungen zur Barmherzigkeit wichtiger sind, als die rituellen Gebote. Ein Mensch, der die rituellen Gebote einhält, aber keine Barmherzigkeit übt, ist Gott nicht wohlgefällig. Das Gebot der Barmherzigkeit ist wichtiger. Das macht Jesus immer wieder deutlich, besonders am Beispiel der Sabbatheiligung (Mat 22,34-40 / Mrk 2,23-28 / Mrk 3,1-6 / Luk 6,1-11 / Luk 13,10-17 / Luk 14,1-6 / Mat 12,1-13). Die Pharisäer hatten in dieser Beziehung völlig falsche Prioritäten (vergl. Mat 15,1-9 / Mrk 7,1-13).

Der Nachsatz Jesu "denn ich bin nicht gekommen Gerechte zu rufen, sondern Sünder" bedeutet nicht, dass Jesus wirklich Gerechte als seine Jünger ablehnen würde, sondern dass er die nicht gebrauchen kann, die sich selbst für gerecht halten (Luk 18,9-14). Dagegen nimmt er die an, die ihre Sünde bekennen und zur Umkehr bereit sind. Wirklich gerechte, d. h. vor Gott fehlerfreie Menschen gibt es ja nicht (1Mo 18,21 / Psm 19,13 / Psm 143,2 / Prd 7,20 / Röm 3,10-12).

Matthäus - Levi?

In den Parallelstellen Mrk 2,13-17 und Luk 5,27-32 wird der Zöllner nicht Matthäus, sondern Levi genannt. Wie kommt es zu diesem Unterschied?

Es gibt insgesamt 4 Listen der Apostel. Dabei gibt es folgende Unterschiede (Reihenfolge angeglichen):

In Mat 10,1-4 wird besonders hinzugefügt, dass es sich bei Matthäus um den vorher genannten Zöllner handelt. Der andere Simon wird einmal durch einen zweiten Namen und einmal durch einen Namenszusatz von Petrus unterschieden. Judas Iskariot fehlt in Apg 1,13, weil dort die Apostel nach der Auferstehung Jesu genannt sind, als Judas Iskariot schon nicht mehr am Leben war. Judas, der Sohn des Jakobus, hatte offenbar einen zweiten Namen Thaddäus, den Mat und Mrk bevorzugt verwenden, um ihn von Judas Iskariot zu unterscheiden, während Lukas zur Unterscheidung seinen Vater noch nennt. Die Tatsache, dass Judas Iskariot immer mit seinem zweiten Namen erwähnt wird, weil offensichtlich eine Unterscheidung notwendig war, macht plausibel, dass Judas, der Sohn des Jakobus und Thaddäus die gleiche Person sind.

Nirgens wird jedoch ein Levi in der Liste der Jünger genannt. Auch der Name des Vaters, Alphäus, der in Mrk 2,14 angegeben wird, kommt an keiner Stelle zusammen mit Matthäus vor, nur als Vater des zweiten Jakobus in der Gruppe der Apostel, was aber Zufall sein dürfte. Es ist also keine eindeutige Erklärung für den Unterschied beim Namen des Zöllners zu finden. Denkbar wären aber zwei mögliche Gründe:


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Generiert am 01.06.2020 17:58:24