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 Matthäus Wundertaten Jesu und was Nachfolge bedeutet

Mat 9,14-17 Die Frage nach dem Fasten

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Was bedeutet das Fasten?

Gefastet wurde...

aus Trauer Psm 69,10-12 / 2Sa 1,12
zum Ausdruck der Buße Neh 9,1-2 / 1Sa 6,3-6
zur Bekräftigung eines wichtigen Gebets Esr 8,21-23 / Apg 14,23
zur Vorbereitung auf eine wichtige Aufgabe Apg 13,2-3 / Mat 4,2
Es gab regelmäßige Fasttage, teilweise vorgeschrieben Est 9,17-31 / 3Mo 23,27-32
Fasten war Zeichen hingegebenen Gottesdienstes Luk 2,37 / Apg 13,2

Jesu Begründung für das Nichtfasten seiner Jünger

Die Frage der Jünger Johannes' des Täufers beantwortet Jesus mit drei Bildern:

1. Auf einer Hochzeit wird nicht gefastet
2. Man flickt ein altes Kleidungsstück nicht mit neuem Tuch
3. Man füllt neuen Wein nicht in alte Schläuche

Dabei unterscheidet sich das erste Bild von den anderen beiden dadurch, dass es zusätzlich zur inhaltlichen Begründung auch noch eine zeitliche gibt.

Auf einer Hochzeit wird nicht gefastet

Jesus vergleicht seine Gegenwart auf der Erde mit einer Hochzeit, bei der er der Bräutigam ist. Auf einer Hochzeit wird natürlich nicht gefastet, was ja meist Ausdruck von Trauer ist, sondern im Gegenteil: Bei einer Hochzeit gibt es üppiges Festessen und man freut sich.

So ist Jesu Gegenwart Anlass zur Freude: Der Messias ist da! Endlich wendet Gott sich seinem Volk wieder zu und schenkt einen neuen Anfang durch Vergebung. Auch Johannes der Täufer selbst hatte Jesus schon mit einem Bräutigam verglichen (Joh 3,29). Im alten Testament vergleicht sich Gott mit dem Bräutigam oder Ehemann des Volkes Israel (Jes 62,4-5/Jer 3,1+20). Auch sonst im Neuen Testament taucht das Bild von Jesus als dem Bräutigam wiederholt auf:

Mit Himmelreich ist es wie mit e. König, der für s. Sohn Hochzeit machte Mat 22,2
Himmelreich=10 Brautjungfrauen; die unvorbereiteten werden abgewiesen Mat 25,1-13
Die Ehe ist ein Bild für die Beziehung zwischen Chr. und der Gemeinde Eph 5,21-32
Hochzeit des Lammes ist gekommen, seine Frau hat sich bereitgemacht Off 19,8-9
Heilige Stadt, neues Jerusalem vom Himmel, wie geschmückte Braut Off 21,2
Engel zeigte mir die Braut des Lammes, das heilige Jerusalem Off 21,9-10

Was bedeutet aber die zweite Hälfte von Vers 15: "Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam ihnen genommen ist. Dann werden sie fasten. "?

Hier deutet Jesus zum ersten Mal seinen Tod und vielleicht auch seine Himmelfahrt an. Wenn er nicht mehr körperlich anwesend ist, wird es auch für Christen Anlässe zum Fasten geben. Es ist jedoch von den Jüngern nicht berichtet, dass sie direkt nach der Kreuzigung gefastet haben, wohl aber später von der Gemeinde und den Aposteln nach der Himmelfahrt. (Apg 13,2-3/Apg 14,23/2Ko 6,5/2Ko 11,26-27).

Ein Fasten zu bestimmten Zeiten oder Anlässen wird jedoch von Jesus weder hier noch an anderer Stelle, und auch nicht von den Aposteln angeordnet. Jesus ermahnt aber, dass das Fasten ehrlich sein soll und nicht zur Demonstration der eigenen Frömmigkeit missbraucht werden darf (Mat 6,16-18).

Man flickt kein Kleid und füllt nicht neuen Wein in alte Schläuche

In diesen beiden Vergleichen bilden "alt" und "neu" Gegensätze:

1. Das Alte ist schadhaft und wird durch einen Teil Neues geflickt. Folge: Das Flickwerk hält der Alltagsbeanspruchung nicht stand und der Schaden ist damit größer als vorher.
2. Neuer Inhalt wird in alte Hüllen gefüllt, die dafür zu schwach sind. Folge: Beide, Behälter und Inhalt, gehen verloren.

Johannes der Täufer hat etwas Neues angekündigt, nämlich das Reich Gottes und den Messias (Mat 3,2+11). Damit wird die Beziehung zu Gott auf eine neue Basis gestellt und der Glaubensinhalt ändert sich. Das regelmäßige Fasten war Ausdruck des alten Glaubens und der alten Beziehung zu Gott. Es war ein Ausdruck der Trauer, besonders über die eigene Schuld und wurde damals auch, besonders von den Pharisäern, als gutes Werk ausgeübt, um sich Verdienste vor Gott zu erwerben und seine Frömmigkeit vor anderen zu demonstrieren (Luk 18,12/Mat 6,16-18).

Damit sagen die Bilder folgendes:

1. Das neue Reich Gottes, das Jesus bringt, ist nicht geeignet, um damit as alte Judentum zu flicken und auszubessern. Der Neue Bund soll en Alten ersetzen (Jer 31,31-34/Heb 7,1-28).
2. Man kann nicht den neuen Glaubensinhalt mit den alten Glaubensformen usstatten, sondern der neue Glaube braucht neue Formen. m Vorgriff auf Kreuzigung und Auferstehung Jesu kann man sogar agen: Mit der Erlösung, die Jesus bewirkt, ist das Fasten als rauer über Sünde und als Gerechtigkeitswerk nicht mehr nötig. esus hat die Sünde vergeben und uns vor Gott gerecht gemacht, so aß wir nichts mehr dazu tun müssen. Die alte Form des Fastens kann urch die neue des Feierns und der Freude ersetzt werden. Daher ird die Anfrage der Johannesjünger im Zusammenhang mit dem Mahl im aus des Matthäus erwähnt.

Wollte man die Bilder des Zerreißens des Kleides und der Schläuche und das Verlorengehen des Weines weitergehend interpretieren, so wäre man auf Spekulationen angewiesen, da Jesus keine weiteren Informationen gibt. Was sich nur sicher sagen lässt, ist dass auf jeden Fall die Vermischung von Altem und Neuem zu großem Schaden führt. Möglicherweise lassen sich aus der Kirchengeschichte dafür Beispiele finden. Ein solches Beispiel könnte man in dem Rückfall der Gemeinden von Galatien sehen, den Paulus in seinem Brief an die Galater bekämpft.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24