Anzeigefenster für Bibeltexte: dieses   eigenes   jeweils neues
  bei Verlassen der Seite Zusatzfenster schließen
 

 Matthäus Wundertaten Jesu und was Nachfolge bedeutet

Mat 9,18-26 Heilung und Totenauferweckung

1/01

Vergleich mit den Parallelstellen

Matthäus bringt von diesem Ereignis einen sehr abgekürzten Bericht. Die Parallelstellen in Mrk 5,21-43 und Luk 8,40-56 sind etwa doppelt so lang.

Matthäus lässt beispielsweise das Detail weg, dass das Mädchen am Anfang noch gar nicht gestorben war und ihr Tod erst später durch die Boten aus dem Haus des Vorstehers gemeldet wird. Er lässt den Vorsteher gleich sagen: "Meine Tochter ist eben gestorben; komm doch und lege ihr die Hand auf, so wird sie wieder lebendig. " Dieser Unterschied lässt sich nicht dadurch erklären, dass dass es sich um zwei unterschiedliche Ereignisse handelte, denn die übrigen übereinstimmenden Details (Heilung der Frau vom Blutfluss, Ereignisse im Haus des Vorstehers) sind so speziell, dass es sich um das selbe Ereignis handeln muss.

Man sieht hier, dass es damals als legitim angesehen wurde, zum Zweck der zusammenfassenden Verkürzung auch Details bis hin zur wörtlichen Rede anders darstellen, um eine zusammenhängende, in sich logische Erzählung zu erhalten. Diese Ungenauigkeit, die Kritiker auch als Verfälschung ansehen könnten, hat die frühen Christen offenbar nicht davon abgehalten das Dokument in die Heilige Schrift aufzunehmen. Wenn man die Einzelheiten betrachtet, handelt es sich um eine "Verfälschung". Aber die Gesamtaussage, um die es letztlich geht, ist korrekt überliefert: Der Vorsteher hatte das Vertrauen, dass Jesus auch Tote auferwecken kann, und Jesus hat dieses Vertrauen durch Auferweckung der toten Tochter bestätigt.

Wenn man diese Beobachtung verallgemeinert, kann gesagt werden: Auch wenn man davon ausgeht, dass die Bibel von Gott inspiriert (2Ti 3,16) und deshalb irrtumslos ist, kann man nicht erwarten, dass jedes beschriebene Detail (z. B. wörtliche Rede, Reihenfolge der Ereignisse) den historischen Tatsachen entspricht. Irrtumslos ist nur die Gesamtaussage eines Textabschnitts.

Die Heilung der Frau

Der "Blutfluss" war wahrscheinlich eine krankhafte, ständige Menstruationsblutung. Diese Blutung machte kultisch unrein. Sie schloss vom Gottesdienst aus und bewirkte eine gewisse gesellschaftliche Isolierung (3Mo 15,19-27+31). Bei der Heilung musste die Frau ein Sündopfer zur Entsühnung darbringen 3Mo 15,28-31), was darauf schließen lässt, dass die Ursache dieser Krankheit in Sünde gesehen wurde. Damit umfasst die Heilung von der körperlichen Krankheit auch eine Befreiung von Sünde.

Warum kommt sie so heimlich von hinten (Jesus musste sich umdrehen, um mit ihr zu sprechen: Mat 9,22) und bittet nicht öffentlich um Heilung, so wie es alle anderen sonst tun? Darauf wird keine direkte Antwort gegeben. Mögliche Gründe sind:

Die Frau hatte einen Glauben über Jesus für den es keine Ursache gab, weder ein vorhergehendes Beispiel noch eine Verheißung in der Heiligen Schrift. Sie glaubte, dass alleine die Berührung seiner Kleidung sie heilen würde.

Das, was dann geschieht, zeigt Jesu liebevolle Einstellung Menschen gegenüber:

Allen, die an Ihn glaubten, gab Er Macht, Gottes Kinder zu werden Joh 1,12-13
Die Geist Gottes treibt, sind GK. Wir haben Geist v. Kindern empfangen Röm 8,14-17
Durch den Glauben sind wir alle Gottes Kinder in Chr. Gal 3,26
In s. Liebe hat Er uns im voraus bestimmt, Kinder zu sein durch Chr. Eph 1,5

Die Auferweckung der Tochter des Vorstehers

Bevor der Vorsteher Jesus seine Bitte vortrug, fiel er vor Jesus nieder: Ein Ausdruck von großen Respekt, großer Wertschätzung und Unterwürfigkeit, der um so bemerkenswerter ist, als der Vorsteher selbst eine hochgestellte Persönlichkeit war, dem Ehrerbietung gebührte.

Auf dem möglicherweise leidvollen Weg zu seinem Haus, auf dem ihn vielleicht Ängste, Verzweifelung geplagt haben mögen, erfährt der Vorsteher eine große Ermutigung dadurch, dass er die Heilung der Frau miterleben darf.

Flötenspieler, Gedränge und Lärm sind der Ausdruck der Art wie damals die Totenklage gehalten wurde. Es war ein gesellschaftliches Ereignis, an dem viele teilnahmen.

Jesus kündigt die bevorstehende Auferweckung an, indem er das Mädchen als "schlafend" bezeichnet. Ihr Tod ist nur vorübergehend. In der Bibel werden mehrmals Tote, die auferstehen werden, schlafend genannt (Joh 11,11-14 / 1Th 4,13-16 / Dan 12,2).

Mit dieser Aussage stößt Jesus bei den meisten Anwesenden auf Unglauben bis hin zu frecher Respektlosigkeit: Sie lachten ihn aus. Wahrscheinlich ist es dieser Unglaube, der dazu führt, dass sie ausgewiesen werden und das Wunder nicht miterleben dürfen.

Jesus macht seine Voraussage wahr, und das auf eine Weise, die ihn als Christus mit göttlicher Macht offenbart. Er muss nämlich nicht, wie andere, die Tote aufweckten, dafür beten (1Kg 17,21 / 2Kg 4,33 / Apg 9,40), sondern er ergreift die Tote nur an der Hand, bzw. fordert sie auf, aufzustehen (Mrk 5,41 / Luk 8,54).


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:24