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 Matthäus Wundertaten Jesu und was Nachfolge bedeutet

Mat 9,27-34 Heilung zweier Blinder und eines Stummen

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Die Heilung zweier Blinder (27-31)

Ähnlich, wie im vorhergehenden Abschnitt (Heilung der blutenden Frau und Auferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers) geht es auch hier schwerpunktmäßig um den Glauben. "Dein Glaube hat dir geholfen", sagt Jesus zu der blutenden Frau. "Euch geschehe nach eurem Glauben", sagt er hier zu den beiden Blinden. Auch sie trauen ihm, wie schon die blutende Frau und der Synagogenvorsteher, Unmögliches zu. Beachtlich ist hier, dass sie ihn mit "Sohn Davids" anreden. Das ist ein Messiastitel (vgl. Mat 12,23 / Mat 21,9+15). Sie trauen ihm also das Unmögliche zu, weil sie ihn für den Christus halten. Vom Christus ist prophezeit, dass er Blinde heilen wird (Jes 42,3-7).

Zwei Aspekte fallen hier besonders auf:

1. Die Blinden müssen Jesus lange bittend und schreiend folgen. Erst als Jesus in

sein Haus gekommen ist und die Blinden ihn immer noch bedrängen, geht er auf sie ein. Die Geschichte ähnelt stark der von der kanaanitischen Frau (Mat 15,21-28). Auch sie spricht Jesus als "Sohn Davids" an, auch sie muss lange betteln. So hat Jesus meistens nicht gehandelt. Oft hat er die Bitte um Hilfe sofort erfüllt, z. B. die des Synagogenvorstehers (Mat 9,19). Warum Jesus hier so lange zögert, wird nicht direkt gesagt. Wahrscheinlich wollte Jesus den Glauben der Blinden prüfen. Das lässt sich auch aus der Frage schließen, die Jesus den Blinden stellt. Möglicherweise hätte Jesus sie nicht geheilt, wenn sie geantwortet hätten: "Wir sind uns nicht sicher, aber ein Versuch kann ja nicht schaden. " Ihre Antwort zeigt, dass der Titel "Sohn Davids" nicht nur Schmeichelei ist, sondern, dass sie es wirklich so meinen. Jesus kennt die Herzen und weiß, wann die Erfüllung von Bitten für jeden einzelnen Menschen richtig ist, und wann nicht. Er prüft manchmal unseren Glauben und erhört Gebete möglicherweise nur dann, wenn wir glauben. "Euch geschehe nach eurem Glauben"!

2. Jesus gebietet ihnen streng, die Heilung geheim zu halten. Ein solches Gebot hat

er mehrfach ausgesprochen. Welchen Sinn konnte es haben? Den Verwandten und Bekannten konnten die Blinden die Heilung doch nicht verheimlichen. Aber wenn sie es nicht gezielt verbreitet hätten, konnte Jesus von allzu großem Massenandrang verschont bleiben. Wir sehen an einigen Stellen, dass das für Jesus zum Problem wurde (Mrk 1,35-38 / Mrk 1,45 / Luk 5,15-16 / Joh 6,14-15). Warum Jesus besonders hier Schweigen gebietet, könnte daran liegen, dass die Blinden ihn als Messias erkannt haben. Auch in anderen Situationen hat er diese Erkenntnis zu verschweigen geboten:

Dämonen erkennen Jesus als Christus Luk 4,41 / Mrk 1,23-26 / Mrk 1,34 / Mrk 3,11-12
Die Jünger erkennen Jesus als Christus Mat 16,16-20

Hier will Jesus vielleicht die Auswirkungen einer falschen Vorstellung vom Christus vermeiden, die ihn möglicherweise daran hindern könnten, seinen Auftrag auszuführen. (Vergl. Joh 6,14-15)

Die Heilung eines besessenen Stummen (32-34)

In diesem Bericht geht es nicht um den Geheilten oder um die Erziehungs- und Prüfungsmaßnahmen Jesu, sondern nur noch um die verschiedenen Reaktionen der Beobachter.

Während die beiden Blinden der vollen Überzeugung sind, dass Jesus der Christus ist, denkt die Masse des Volkes noch nicht so weit. Sie wundert sich nur: "So etwas ist noch nie gesehen worden. " Einen Schluss über die Identität Jesu zieht sie daraus aber nicht. Die Schlussfolgerung der Pharisäer ist dagegen bereits jetzt klar ablehnend und feindlich: "Er treibt die bösen Geister durch ihren Herrscher aus. " Leugnen können sie die Wundertaten Jesu nicht.

In Mat 12,22-24 wiederholt sich die Situation. Wieder wird ein besessener Stummer und sogar Blinder geheilt. Diesmal stellt das Volk schon die Frage: "Ist dieser nicht doch Davids Sohn?". Aber die Pharisäer bleiben bei ihrer feindlichen Beurteilung, was Jesus diesmal dazu veranlasst, vor der nicht vergebbaren Sünde gegen den Heiligen Geist zu warnen (Mat 12,31-37).

Hier ist der Leser selbst herausgefordert, Stellung zu beziehen. Was glaube ich über Jesus? Wer ist er? Ist er ein Scharlatan oder ein Esoteriker oder Geistheiler, der mit Zauberei und Geisterbeschwörung arbeitet? Oder ist er der Christus, der von Gott gegebene Retter und Sohn Gottes?


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:24