Anzeigefenster für Bibeltexte: dieses   eigenes   jeweils neues
  bei Verlassen der Seite Zusatzfenster schließen
 

 Matthäus Umgang Jesu mit Zweiflern, geistlich Not Leidenden und Kritikern

Mat 11,1-19 Johannes der Täufer und Jesus

10/2014

Dieser Abschnitt behandelt das Problem, dass Menschen meist andere Vorstellungen davon haben, wie Gott handeln müsste, und zweifeln, weil Gott anders handelt. Das Problem hat hier sowohl Johannes der Täufer, als auch seine Zuhörer und die Zuhörer Jesu.

Die Anfrage des Täufers an Jesus (1-6)

Johannes hört zwar von den machtvollen Wundern Jesu. Er hat sich aber vorgestellt, daß Jesus auch so auftritt, wie er selbst gepredigt hat (Mat 3,10-12), nämlich auch als Richter. Wahrscheinlich hat er auf seine Befreiung aus dem Gefängnis durch Jesus gehofft. Als das nun nicht geschieht, kommen ihm Zweifel, ob Jesus wirklich der Messias ist.

Jesus antwortet nicht einfach mit "ja", sondern weist auf seine Taten hin, die ihn als Messias ausweisen und eine Erfüllung alttestamentlicher Prophezeiungen sind (Jes 35,5-6 / Jes 61,1 / Jes 26,19). Das überzeugt stärker als ein einfache Ja. Aber andererseits gibt Jesus ihm keine Erklärung dafür, warum er jetzt noch nicht mit Macht auftritt und warum Johannes nicht aus dem Gefängnis befreit wird. Jesus verlangt damit von Johannes ihm zu vertrauen obwohl Johannes seine Situation nicht versteht.

Auch uns kann es immer wieder helfen, unseren Glauben durch Gottes Wort zu bestätigen und zu stärken, aber wir bekommen trotzdem nicht für alles eine Erklärung, vielleicht weil wir sie nicht immer verstehen könnten, da Gott unausforschlich ist und seine Gedanken so viel höher als unsere (Prd 8,17 / Jes 55,8-9). Aber trotzdem verlangt Gott von uns ihm zu vertrauen.

Das Zeugnis Jesu über Johannes den Täufer (7-19)

Mit seiner zweifelnden Frage (V. 3) gefährdet Johannes sowohl seine als auch Jesu Autorität und Glaubwürdigkeit. Jesus korrigiert das wieder, indem er Johannes als herausragend hervorhebt, und benutzt die Situation, um deutlich zu machen, dass die unterschiedliche Art von Johannes und ihm selbst kein Widerspruch ist, sondern dass die ungläubigen Zuhörer selbst widersprüchlich sind und sich weder durch die eine noch durch die andere Art der Predigt zur Buße bewegen lassen. Sie sind unentschlossen wie Kinder und nie zufrieden.

Die Bedeutung Johannes' des Täufers (7-15)

Jesus macht mehrere Aussagen über Johannes den Täufer. Zunächst betont er, was Johannes nicht war:

Dann sagt Jesus, wer Johannes ist:

Der Abschnitt wirft einige Fragen auf:

Warum ist Johannes der Täufer der Größte? In Bezug auf was? (11)

Er hatte den wichtigsten Auftrag aller Propheten, nämlich direkt vor dem Messias dessen Kommen vorzubereiten (Mal 3,1+23-24). Insofern war er der Größte in Bezug auf seine Aufgabe und die Intensität seiner Beziehung zu Gott im Alten Bund (13).

Warum ist der Kleinste im Himmelreich größer als Johannes, obwohl Johannes der Größte ist? (11)

Johannes ist der Größte im Alten Bund. Der Neue Bund, der durch das Himmelreich repräsentiert wird, ist aber noch großartiger als der Alte. Insofern sind alle, die Bürger des Himmelreichs sind, Gott noch näher, als Johannes es zu dem Zeitpunkt war.

Inwiefern wird dem Himmelreich Gewalt angetan? (12)

Folgende Antworten sind hier denkbar:

Warum sagt Johannes im Gegensatz zu Jesus, dass er nicht Elia ist? (14)

Nicht nur hier, sondern auch in Mat 17,10-13 / Mrk 9,13 betont Jesus, dass Johannes Elia ist. Aber als Johannes gefragt wird, wer er sei, sagt er von sich selbst, dass er nicht Elia ist (Joh 1,21).

Elia war in Mal 3,23 angekündigt. In Luk 1,13-17 nimmt der Engel, der Johannes' Geburt ankündigt, darauf Bezug und sagt, dass Johannes "in dem Geist und der Kraft des Elia" auftreten wird. Das deutet darauf hin, dass kein leibhaftiges Erscheinen Elias gemeint ist. Johannes der Täufer war ähnlich gekleidet, wie Elia (Mat 3,4 / 2Kg 1,8).

Die Prophezeiung in Mal 3,23 macht aber keine Andeutungen, dass sie nicht buchstäblich gemeint sein könnte. Wenn eine solche Prophezeiung so unklar ist, und Elia nicht tatsächlich wiederkommt, wie können wir dann sicher erwarten, dass Jesus buchstäblich wiederkommt?

Zu einem späteren Zeitpunkt, als Johannes schon gestorben war, findet die Verklärung Jesu statt. Dabei erscheinen Mose und Elia. Die Antwort Jesu auf die Frage der Jünger nach der Wiederkunft Elias in diesem Zusammenhang deutet darauf hin, dass eine buchstäbliche Wiederkunft Elias zusätzlich zu der symbolischen des Johannes noch bevorsteht (Mat 17,10-13).

Die Kritik an den Zuhörern von Johannes und Jesus (16-19)

Der Vergleich Jesu mit den Kindern macht deutlich, dass die Zuhörer Gott "nach ihrer Pfeife tanzen lassen" wollen. Das akzeptieren schon Kinder nicht und noch viel weniger der souveräne, allmächtige Gott, dessen Pläne und Entschlüsse wir als Menschen nicht unbedingt verstehen können. (vgl. Röm 11,33-34) Die Zuhörer haben falsche Vorstellungen davon, wie sich Boten Gottes verhalten müssten. Weil die Boten diesen Vorstellungen nicht entsprechen, lehnen sie sie und ihre Botschaft ab.

Johannes und Jesus präsentieren das Evangelium von Reich Gottes auf verschiedene Weise. Johannes, streng asketisch, rief Menschen außerhalb von Städten zur Buße auf und veranschaulichte ihre Reinigung von Sünde durch die Taufe. Jesus rief ebenfalls zur Buße auf und taufte (Mat 3,2 / Mat 4,17 / Joh 4,1-3), aber er ging durch die Orte und pflegte auch Tischgemeinschaft mit von der Gesellschaft verachteten und als besondere Sünder angesehenen Menschen, um auch sie besonders zur Umkehr zu rufen und Vergebung anzubieten. Das bedeutete nicht, dass er die Sünde guthieß (Joh 5,14 / Joh 8,11). Weil viele nicht genau genug hingesehen haben und das deshalb nicht zu unterschieden wussten, haben sie Jesus vorgeworfen, dass er gemeinsame Sache mit Sündern machte.

Das sind typische Probleme, die immer wieder vorkommen, im Allgemeinen und im Hinblick auf Glaubensfragen beurteilen wir Menschen oft falsch, weil wir uns nicht die Mühe machen, ihr Handeln und ihre Worte richtig zu verstehen. Das gleiche gilt auch in Bezug auf Gott. Auch sein Handeln verstehen wir oft falsch. Das beruht nicht nur darauf, dass wir uns nicht bemühen, ihn zu verstehen, soweit er es uns durch sein Wort gewährt, sondern auch darauf, dass wir ihm nicht vertrauen in den Dingen, die wir nicht verstehen können (vgl. Prd 8,11 / 1Ko 2,14).

In Bezug auf was habe ich andere Vorstellungen, wie Glaubensdinge laufen müssten oder wie Gott handeln müsste, und bin nicht bereit das zu glauben und zu tun, was Gott mir in der Bibel mitteilt?

Was bedeutet "Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von ihren Werken/Kindern?" (19)

In manchen Handschriften steht "(all ihren) Werken", in anderen "Kindern". Die meisten Übersetzungen haben sich für "Werken" entschieden.

Wenn man die Handschriftvariante "Kindern" annimmt kann man zum gleichen Ergebnis kommen. Die "Kinder" der Weisheit sind das, was sie hervorbringt oder bewirkt. Das können die Menschen sein, die Buße tun und glauben oder ihre durch die Bekehrung geprägten, guten Taten.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:24