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 Matthäus Umgang Jesu mit Zweiflern, geistlich Not Leidenden und Kritikern

Mat 12,1-14 Richtiges Verständnis der Sabbatheiligung und Prioritäten von Geboten

10/2014

In diesem Kapitel kommt es zur Entscheidung wer Jesus ist. Hier entscheiden sich die Pharisäer das erste Mal Jesus umzubringen (V. 14). Das Volk stellt die Frage: "Ist dieser nicht etwa der Sohn Davids?" (V. 23). Aber die Pharisäer bezichtigen ihn mit dem Teufel im Bund zu sein (V. 24).

Ist das Abreißen von Ähren am Sabbat erlaubt? (1-8)

Die Pharisäer werten das Abreißen der Ähren als Ernte und damit als Arbeit, die am Sabbat nicht erlaubt ist (2Mo 20,10). Man kann es jedoch auch als Zubereitung von Nahrung werten, die erlaubt ist.

Jesus aber geht in seiner Rechtfertigung für die Jünger noch einen Schritt weiter und führt das Beispiel Davids an, der die heiligen Schaubrote zum Essen mitnahm, als er hungrig und vor Saul auf der Flucht war (1Sa 21,2-7). Indem er dieses Beispiel in diesem Zusammenhang anführt, rechtfertigt er das Verhalten Davids und der damaligen Priester, die ihm die Schaubrote gegeben haben. In der Notsituation hat die Linderung der Not, d. h. das Gebot der Liebe (3Mo 19,18), Vorrang vor dem Einhalten kultischer Gebote. Das macht Jesus auch anhand des Zitats aus Hos 6,6 deutlich, wo Gott diese Prioritätsregel schon herausstellt. Auch bei dem Beispiel der Priester (V. 5) geht es um die Priorität von Geboten, die in bestimmten Situationen einander widersprechen können: Zwar ist Arbeit am Sabbat grundsätzlich verboten, aber die Priester müssen arbeiten, denn ein anderes Gebot schreibt bestimmte Opfer vor, die sie am Sabbat darbringen müssen (4Mo 28,9-10).

Bemerkenswert sind die zwei Sätze Jesu: "Hier ist einer, der größer ist, als der Tempel" und "Der Sohn des Menschen ist Herr auch über den Sabbat". Der Tempel ist die Wohnung Gottes und das Sabbatgebot hat Gott gegeben. Er betont sogar an vielen Stellen, dass die Sabbate und das Heiligtum ihm gehören, z. B. in 3Mo 26,3. Es kann also niemanden geben, der größer als der Tempel oder Herr über den Sabbat ist, außer Gott allein. Jesus beansprucht hier also Gott zu sein.

Aber warum bringt Jesus diese Begründung? Damit könnte er ja jedes Gebot aus dem Gesetz Gottes entkräften. Das ist jedoch nicht seine Art und nicht seine Absicht damit, sondern er betont die volle Gültigkeit des Gesetzes (Mat 5,17-19). Es geht hier also nicht darum, ein Gebot Gottes zu entkräften, sondern um das richtige Verständnis des Gesetzes. Jesus als der Herr des Sabbatgebots hat das Recht die richtige Auslegung und Priorisierung gegenüber anderen Geboten festzulegen.

Ist Krankenheilung am Sabbat erlaubt? (9-14)

Während im vorhergehenden Abschnitt der Konflikt mit den Pharisäern noch vordergründig zufällig entstanden ist, wird er hier von ihnen gezielt provoziert. Sie fordern Jesus heraus, indem sie offen die Frage stellen, ob man am Sabbat heilen darf, und sie rechnen schon damit, dass er die Frage bejahen wird, so dass sie ihn der Sabbatschändung anklagen können.

Jesus deckt ihre Heuchelei auf, indem er eine Gegenfrage stellt. Die Antwort auf diese rhetorische Frage muss lauten: "Jeder von ihnen würde sein Schaf auch am Sabbat retten. " Auch die Pharisäer würden in einer solchen Notsituation dem Gebot der Barmherzigkeit Vorrang vor dem Sabbatgebot einräumen, sogar für ein Tier (vgl. Spr 12,10). Wie viel mehr muss das für einen Menschen gelten. Zumal Jesus zur Heilung des Menschen gar nicht "arbeiten" muss, sondern nur einen Satz sagt.

Die anschließende Beratung der Pharisäer, wie sie Jesus umbringen können, offenbart ihre Heuchelei und falsche Gesinnung.

Obwohl Jesus ihre falsche Absicht zweifellos kannte, heilt er den kranken Menschen sofort, obwohl er dem Konflikt aus dem Weg hätte gehen und die Heilung auf den nächsten Tag verschieben können. Er ist aber bereit die Wahrheit auch in für ihn kritischen Situationen zu vertreten und zu praktizieren. Er tut das Gute sofort.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24