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 Matthäus Umgang Jesu mit Zweiflern, geistlich Not Leidenden und Kritikern

Mat 12,22-37 Die Lästerung des Heiligen Geistes

03/2015

Kürzere Versionen dieses Themas finden sich in Mrk 3,22-30 / Luk 11,14-23.

Matthäus stellt dieses Ereignis am ausführlichsten dar, weil er für die Juden schreibt und Jesus hier von führenden, frommen Juden die schlimmste Ablehnung erfährt, die man sich vorstellen kann. Die Tragweite einer solchen Einstellung muss allen Menschen, aber besonders den Juden ganz klar gemacht werden.

Mat 12,22-29 Wichtige Frage, Vorwurf und Widerlegung

Jesus vollbringt hier neben den vielen anderen Heilungswundern (Mat 12,15), die er zu dieser Zeit tat, etwas Herausragendes. Ein von einem Dämon Besessener, der von dem Dämon blind und stumm gemacht wurde, wird geheilt. Er hatte gleich drei Probleme: Besessenheit, Blindheit und Stummheit. Die umfassende und sofortige Heilung erinnert viele der Zeugen an Jes 42,1-7, wo die Taten des Knechtes Gottes, des Messias, angekündigt werden: Blinde Augen aufzutun und Gefangene zu befreien. Darum stellen sie die Frage: "Ist das nicht etwa der Sohn Davids (d. h. der Messias, vgl. 1Ch 17,11-14 / Mat 22,42)?"

Diese Frage muss jeder Mensch für sich klar entscheiden, denn sie ist Voraussetzung dafür, ob man Jesus als Messias, d. h. als Retter annimmt oder ablehnt und damit für das ewige Heil.

Die Antwort, die die Pharisäer geben, d. h. diejenigen, die vorgaben das Wort Gottes am besten zu kennen und zu praktizieren, ist ein schwerer Vorwurf und eine Provokation. Sie behaupten, dass Jesus nicht der Messias, d. h. der angekündigte Diener Gottes sei, sondern dass er mit dem Obersten der Dämonen gemeinsame Sache macht, d. h. ein Diener des Teufels ist.

Viele Menschen würden bei einer solch unerhörten Verleumdung vor Wut explodieren. Aber Jesus bleibt ruhig und widerlegt die ungeheuerliche Behauptung durch logische Argumente (Mat 12,24-30). Hier zeigt sich Jesu herausragende Sanftmut, auf die Matthäus schon kurz vorher in Mat 12,19 durch das Zitat aus Jes 42,2 hingewiesen hat. Eine solche Sanftmut erwartet Jesus auch von seinen Nachfolgern (Mat 11,29 / Mat 5,5). Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes (Gal 5,22-23) und wächst, wenn man sich vom Heiligen Geist leiten lässt (Gal 5,16+25).

Die Antwort Jesu wirft einige Fragen auf:

Wer sind die Söhne in V.27?

Es gab zur Zeit Jesu herumziehende Profi-Exorzisten, die im Talmud und bei Josephus erwähnt werden. Solche kommen auch in Apg 19,13 vor. Das Wort Sohn wurde oft in einem übertragenen Sinn gebraucht in der Bedeutung "Nachkomme, zu einer Gruppe oder einer Sache Gehörender" (vgl. 1Mo 32,33 / Apg 5,21 / Jes 14,12 / 2Sa 12,5 / Mat 23,15). Jesus meint also wahrscheinlich Exorzisten, die aus der Schule der Pharisäer kamen oder nach ihren Prinzipien handelten.

Warum werden sie Richter der Pharisäer sein (V.27)?

Unlogischerweise werfen die Pharisäer ihren eigenen Exorzisten nicht vor, mit dem Beelzebul im Bund zu sein. Das offenbart ihre unsachliche und von falschen Motiven getriebene Verleumdung gegen Jesus. Die "Söhne" sind dadurch, dass sie nicht beschuldigt werden, quasi Zeugen gegen die Pharisäer und haben durch ihre stumme Zeugenaussage Anteil an der Verurteilung. Damit sind sie mittelbar an der Verurteilung beteiligt. Deswegen nennt Jesus sie überspitzt "Richter".

Die gleiche Formulierung gebraucht Jesus im nächsten Abschnitt in Bezug auf die Einwohner von Ninive und die Königin von Saba (Mat 12,41-42), die durch ihr vorbildliches Verhalten ebenfalls das falsche Verhalten der Pharisäer herausstellen, somit ebenfalls als Zeugen gegen sie auftreten werden und dadurch ihre Verurteilung herbeiführen.

Mat 12,30-37 Warnung vor der Lästerung des Heiligen Geistes und unbedachtem Reden

Nachdem Jesus die falsche Behauptung der Pharisäer widerlegt hat, kommt er jetzt auf die schwerwiegenden Konsequenzen ihrer falschen Einstellung zu sprechen. Dabei nimmt er dieses Ereignis nur als Beispiel um vergleichbare Haltungen des Unglaubens allgemein zu behandeln.

Die Erörterung des Themas leitet Jesus in V.30 ein indem er deutlich macht, dass es nur zwei Gruppen von Menschen gibt:

1. Solche, die so denken wie die Pharisäer und Jesus ablehnen
2. Solche, die ihn als Messias anerkennen und sich ihm anschließen.

Einen Mittelweg gibt es nicht. Wer unentschlossen bleibt, steht automatisch auf der Seite der Pharisäer und damit des Unglaubens!

So fordert Jesus die unentschlossenen Zuschauer von damals, die die gestellte Frage (Mat 12,23) für sich noch nicht beantwortet hatten - und auch uns alle - zu einer Entscheidung heraus.

Worin besteht die nicht vergebbare Lästerung des Heiligen Geistes?

Die Lästerung des Geistes besteht bei den Pharisäern darin, dass sie sagen, dass Jesus die Dämonen durch Beelzebul austreibt (Mrk 3,28-30), obwohl er sie tatsächlich durch den Heiligen Geist austreibt (Mat 12,28). Die Pharisäer bezeichnen also das Handeln des Heiligen Geistes als teuflisch. Damit lästern sie den Heiligen Geist, obwohl dessen Wirken hier offensichtlich ist, sowohl durch die Erfüllung der Prophezeiung aus Jes 42,1-7 als auch durch einfache Überlegung (Mat 11,25-29). Schon Jesaja warnt davor, Böses gut und Gutes böse zu nennen (Jes 5,20).

Verallgemeinert bedeutet Lästerung des Geistes: Jemand verharrt in einer Haltung des Unglaubens, obwohl sich der Heilige Geist ihm deutlich offenbart und Jesus als Messias und Erlöser bekannt gemacht hat.

Die Bibel bezeugt an vielen Stellen, dass Sündenvergebung nur durch den Glauben an das Erlösungswerk Jesu möglich ist (z. B. Joh 3,16-18 / Joh 3,36 / Apg 2,38 / Apg 4,12 / Röm 3,23-28). Unglaube verhindert deshalb automatisch Sündenvergebung. Damit ist der Unglaube, der sich in der Ablehnung Jesu als Messias äußert, die einzige unvergebbare Sünde.

Es gibt allerdings auch einige Kommentatoren, die der Auffassung sind, dass die Lästerung des Geistes nur von denjenigen begangen werden kann, die übernatürliche Zeichen des Geistes miterlebt haben oder sogar nur von den Menschen der damaligen Zeit, die Zeugen des Wirkens Jesu waren.

Was ist der Unterschied zwischen der Lästerung des Geistes und der Lästerung Jesu?

Jesus verwendet hier seine Selbstbezeichnung, Menschensohn, um damit auf sein bescheidenes Auftreten hinzuweisen. Er wurde oftmals als Messias verkannt, weil er nicht in der mächtigen und herrlichen Art auftrat, wie man es damals vom Messias erwartete (Joh 1,46 / Mrk 6,1-4). So war er als Messias nicht direkt und einfach zu erkennen. Das mag der Grund sein, weshalb es vergeben werden kann, wenn man ihn lästert (vgl. Luk 23,34 / Apg 3,12-19 / 1Ti 1,13). Die übernatürlichen Wirkungen des Heiligen Geistes allerdings waren so offensichtlich, dass eine Lästerung des Geistes eine willentliche und wissentliche Haltung des Unglaubens ausdrückt, die nicht vergeben werden kann (vgl. Joh 16,9).

Was ist dieses, bzw. das zukünftige Zeitalter (V. 32)?

Jesus erläutert den Zeitalter-Begriff (gr. Aion) hier nicht. An anderen Stellen wird der Begriff in folgenden Zusammenhängen gebraucht, die einige Hinweise geben:

Aufgrund dieses Befundes darf man wohl schließen, dass "dieses" Zeitalter mindestens seit dem Gesetz bis zur Wiederkunft Jesu andauert, möglicherweise beginnt es bereits bei der Schöpfung oder beim Sündenfall. Für letzteres spricht die Tatsache, dass "dieses Zeitalter" oft mit Sünde in Verbindung gebracht wird (Eph 2,1-2 / Gal 1,4 / Röm 12,2 / Mrk 4,19). Das zukünftige Zeitalter beginnt dann mit der Aufrichtung des messianischen Friedensreichs (Off 19,11-21 / Off 20,1-6).

Ansichten einiger Kommentatoren sind auch folgende:

Diese Deutungen des Zeitalter-Begriffs sind aber angesichts der oben genannten biblischen Befunde eher schlecht begründet.

Warum die Schwarz-Weiß-Malerei mit den guten und schlechten Bäumen? (V.33-35)

Das Prinzip, dass man die Qualität des Baums an seiner Frucht erkennt, kommt noch an anderen Stellen vor: Am Ende der Bergpredigt bei der Warnung vor falschen Propheten in Mat 7, 15-23 und in der Parallelstelle in Luk 6,43-45.

Jesus teilt hier die Menschen in seinem Vergleich mit den Bäumen scheinbar in zwei Gruppen ein, die guten und die bösen. Die Realität unserer Erfahrung ist aber doch die, dass jeder Mensch manchmal Gutes und manchmal Schlechtes sagt. Wie passt das zusammen?

Einen wichtigen Hinweis zur Erklärung gibt V. 34: "Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid?". Die Anrede "Schlangenbrut!" (V. 34, vgl. Mat 3,7) deutet auf die Beeinflussung der Menschen durch den Teufel hin (1Mo 3,1-6 / Off 20,2 / Joh 8,44). Jesus geht also grundsätzlich davon aus, dass seine Zuhörer böse sind. Er will mit dem Bild vom Baum nicht sagen, dass es sowohl gute als auch böse Menschen gibt, sondern die guten sind nur hypothetisch und dienen als Kontrast, um die bösen zu erkennen. Jesus will mit diesem Vergleich vom Baum deutlich machen, dass ihr Reden ein Zeichen ihrer Bosheit ist. Jesus sagt an anderer Stelle dem Mann, der ihn fragt, was er Gutes tun muss, um das ewige Leben zu bekommen, dass niemand gut ist, als Gott allein (Mrk 10,18 / Luk 18,19). Das bezeugt die Bibel auch an vielen anderen Stellen (1Mo 6,5-6 / Psm 51,5-7 / Psm 143,2 / Prd 9,1-3 / Mat 7,11 / Joh 3,19 / Joh 7,7 / Röm 3,9-20). Jesus will also in diesem Abschnitt nicht sagen, dass es gute Menschen gibt, oder dass wir es schaffen können, in Gottes Gericht als schuldlos zu bestehen, wenn wir uns beim Reden nur genug beherrschen. Er geht schlicht davon aus, dass alle Menschen böse sind und ihr Reden ein Beweis dafür ist (vgl. Mat 15,18). Weil das Reden ein Beweis für das verdorbene Innere ist, darum dient es auch als Beweis in Gottes Gericht (V. 36-37). Diese Warnung Jesu führt uns vor Augen, dass wir Sündenvergebung brauchen und erlösungsbedürftig sind.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24