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 Matthäus Gleichnisse

Mat 13,1-30 + 36-43 Gleichnisse vom Säen und Ernten

14.05.2015

Mat 13,1-9 + 18-23 Gleichnis vom Sämann

Mat 13,1-9 Das Gleichnis vom Sämann

Jesus leitet seine Himmelreichgleichnisse, die Wesentliches über ein Leben des Glaubens und die Beziehung zu Gott aussagen, mit einer Aufforderung zum richtigen Zuhören ein.

Allerdings ist dieses Gleichnis ohne Deutung nicht zu verstehen. Die Geschichte selbst entstammt zwar der landwirtschaftlichen Praxis der damaligen Zeit, die allen Zuhörern vertraut war. Aber ohne Angabe des Bezugs zu den geistlichen Tatsachen, die Jesus darstellen will, scheint es sich um Banalitäten zu handeln. Nur der Schlusssatz, "Wer Ohren hat zu hören, der höre!", gibt einen kleinen Hinweis auf das, was Jesus mit dem Gleichnis sagen will. Diese vage Andeutung reicht jedoch nicht aus, damit die Zuhörer verstehen.

Mat 13,18-23 Deutung des Gleichnisses vom Sämann

Die Eigenschaften der vier verschiedenen Ackerböden lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

1. Weg, Vögel fressen = nicht verstehen (wollen) => der Böse reißt Verständnis weg
2. Fels, Sonne verbrennt = mit Freude aufnehmen, aber keine Wurzeln => wendet sich bei Bedrängnis ab
3. Dornen ersticken = Sorgen der Welt und Betrug des Reichtums ersticken das Wort => keine Frucht
4. Guter Boden = hören, verstehen => Frucht bringen

Die entscheidenden Begriffe, die bei diesen vier Bodenarten eine Rolle spielen, werden nun näher untersucht:

Zu 1.: "Verstehen" (syniemi) = in Gedanken zusammenbringen

Da auch für dieses erste Bild des Gleichnisses die Aufforderung gilt: "Wer Ohren hat, der höre", ist hier sicherlich kein Unverständnis wegen fehlendem Wissen oder mangelnden intellektuellen Fähigkeiten gemeint, sondern ein schuldhaftes Desinteresse und fehlendes Bemühen, ernsthaft zuzuhören.

Zu 2.: "Drangsal" (thlipsis) = Leiden, Betrübnis, Schwierigkeiten, Belastung, Unterdrückung, Verfolgung

Jesus möchte nicht Nachfolger, deren Glaube auf oberflächlicher Begeisterung beruht und die bei Schwierigkeiten ganz opportunistisch gleich wieder abspringen, sondern solche, für die Nachfolge eine Lebensentscheidung ist, die sich durch nichts erschüttern lässt.

Zu 3.: "Sorge" (merimna) = Fürsorge, ängstliche Besorgnis, "Reichtum" (ploutos) = Überfluss an Besitz, Vermögen

Hier handelt es sich um Störfaktoren, die von Jesus und seinem Wort ablenken und deshalb dazu führen, dass das Wort Gottes im Leben eines Menschen keine Frucht bringt, d. h. keine positive Auswirkung hat. Diese sind:

Zu 4.: Zuhören, verstehen, Frucht bringen

Die Gesinnung, die Jesus sich bei seinen Zuhörern wünscht, ist zunächst das aufmerksame Zuhören, dann der Wille, sich um das richtige Verständnis zu bemühen und die Erkenntnisse im Leben praktisch anzuwenden (Frucht bringen). Jesus möchte keine schönen Theorien und wohlkonstruierte Gedankengebäude vortragen, an denen man sich freuen und über die man philosophieren kann, sondern es kommt ihm darauf an, dass seine Worte in den Zuhörern eine Verhaltensänderung bewirken. Das richtige Zuhören ist also handlungsorientiert und fragt, wie das Gehörte in die Tat umzusetzen ist.

Mat 13,10-17 Der Grund für die Gleichnisrede

Selbst die Jünger, die Jesus gut kennen, verstehen zunächst nichts. Das Gleichnis kann also nur dazu gedacht sein, die ernsthaft Interessierten von den nur Neugierigen zu trennen. Es fordert dazu heraus, nachzufragen. Die Jünger schämen sich scheinbar, direkt nach der Deutung zu fragen und zuzugeben, dass sie es auch nicht verstehen (vgl. Mrk 4,10-13). Sie fragen stattdessen, warum Jesus zu dem Volk so verschleiernd spricht. Jesu Antwort lautet: "Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen. Jenen aber ist es nicht gegeben. "

Dadurch ergeben sich folgende Fragen:

1. Warum und auf welche Weise ist es den Jüngern gegeben?
2. Warum ist es dem Volk nicht gegeben?

Den Jüngern ist es gegeben, weil sie schon etwas haben (V. 12). Die Volksmenge hat nichts und deshalb wird ihr durch die Gleichnisse auch der letzte Rest genommen.

Dadurch entsteht die nächste Frage: Was wird denn gegeben und was muss man schon haben, damit einem gegeben wird? Gegeben wird offenbar das Verständnis der Geheimnise des Himmelreichs (V. 11). Mit dem, was schon da sein muss, damit dieses Verständnis möglich ist, könnte Bereitschaft auf Gott zu hören, Glaube und Bereitschaft zum Gehorsam gemeint sein.

Der Großteil des Volkes hatte Jesus als Messias, den geistlichen Leitern folgend, abgelehnt (Mat 12,45 / Mat 21,43). Dem Volk wird keine Erkenntnis vom Himmelreich gegeben, weil ihre Herzen verstockt sind (V. 15). Sie haben ihre Ohren und Augen des Herzens geschlossen, weil sie sich nicht bekehren wollen von ihren falschen Wegen. Damit wollen sie folglich auch nicht geheilt werden. Aus diesem Nicht-Wollen folgt durch die verschleiernde Gleichnisrede dann ein Nicht-Können. Dies ist ein Gericht Gottes und ein wiederkehrendes geistliches Prinzip. (vgl. Pharao: 2Mo 4,21 / 2Mo 7,3 / 2Mo 7,13 / 2Mo 8,11 / 2Mo 8,28 / 2Mo 9,12 / 2Mo 9,34 / 2Mo 10,1 / 2Mo 10,20; die Menschheit als Ganzes: Röm 1,21-32)

Die inneren Ohren und Augen der Jünger sind jedoch aufnahmebereit und darum werden sie glückselig genannt (V. 16), weil sie dadurch offen sind für tiefere Erkenntnis des Reiches Gottes, die weit über das hinausgeht, was die Propheten des Alten Testaments erleben durften. Die Offenheit und das echte Interesse der Jünger zeigen sich dadurch, dass sie fragen. Daher gewährt ihnen Jesus durch die Deutung das Verständnis.

Die zitierte Stelle in Jesaja 6,9-10 deutet an, dass die Predigt Jesajas dazu dienen soll, die verstockte Haltung des Volkes offensichtlich zu machen. Eine Bekehrung erwartet Gott nicht mehr. Deswegen auch hier die Gleichnisse.

Mat 13,24-30 + 36-43 Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen

Einleitende Bemerkungen

Auch dieses Gleichnis ist ohne die Erklärung Jesu nicht zu verstehen, da die Information über die entscheidenden Bezugspunkte fehlt. Daher fordert auch dieses Gleichnis dazu heraus, Jesus nach der Deutung zu fragen. Aber offenbar tut das niemand von der Volksmenge (vgl. Mat 13,34), die ihm zuhört. Auch die Jünger fragen erst, als Jesus seine Rede beendet hat und sie wieder mit ihm alleine sind.

Dieses Gleichnis ist das erste in der der Betgiff Himmelreich (oder Reich der Himmel, je nach Übersetzung) eine zentrale Rolle spielt. Der Begriff Himmelreich oder Reich Gottes ist sehr vielschichtig. Für ein vertiefendes Studium siehe http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/i0031_reich_gottes.htm

Bemerkungen zur Deutung Jesu

Ausagen des Gleichnisses

Wer ist gerecht und wer böse?

Da Jesus hier die Frage offen lässt, wer gerecht und wer böse ist, ergibt sich für jeden Zuhörer die Frage: Bin ich böse oder bin ich gerecht? Was wird mich beim Gericht am Ende der Weltzeit erwarten?

Jesus hat bereits früher deutlich gemacht, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten, von denen man aufgrund ihrer Bemühungen um ein Gott gefälliges Leben erwarten dürfte, dass sie am ehesten dem Reich Gottes nahe sind, tatsächlich zu den Bösen gehören, weil sie ihn ablehnen (Mat 12,22-34 / Mat 12,38-39).

Und Jesu Einleitung zur Bergpredigt macht deutlich, dass alle, deren Gerechtigkeit nicht viel besser ist, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, nicht ins Himmelreich kommen werden (Mat 5,20), somit also auch zu den Bösen gehören. In der Bergpredigt erklärt Jesus, wie die Gerechtigkeit aussieht, die Gott erwartet. Jedes der Themen, die Jesus dort anspricht, macht den Zuhörern deutlich, wie weit sie davon entfernt sind, dieser Gerechtigkeit zu entsprechen. In Röm 2-3 behandelt Paulus dieses Thema ausführlich.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24