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 Matthäus Gleichnisse

Mat 13,31-35 + 44-52 Gleichnisse vom Himmelreich

7/15

Der in allen Gleichnissen in Mat 13 zentrale Begriff Himmelreich ist sehr vielschichtig. Für ein vertiefendes Studium siehe http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/i0031_reich_gottes.htm

Mat 13,31-33 Gleichnise vom Senfkorn und Sauerteig

Welche Pflanze ist mit dem Senfkorn gemeint?

Negative Deutungsmöglichkeit

Einige Kommentatoren sehen in den Gleichnissen die Andeutung negativer Eigenschaften der Christenheit:

Gegen diese negative Deutung spechen folgende Aspekte:

Positive Deutungsmöglichkeit

Wenn man von der positiven Deutung ausgeht, treffen die Gleichnisse folgende Aussagen über das Himmelreich:

Diese Aspekte könnten sich auf folgende Eigenschaften des Evangeliums und der Gemeinde beziehen:

Mat 13,34-35 Abschluss der Rede vor der Volksmenge

Wie schon in Mat 13,10-15 wird hier noch einmal die Gleichnisrede gegenüber dem Volk thematisiert. Hier wird zur Begründung noch eine andere alttestamentliche Stelle genannt: Psm 78,2. Dieser Psalm von Asaf hat offenbar aber keinen Anspruch eine Prophezeiung zu sein, die erfüllt werden muss, auch wenn Asaf in 2Ch 29,30 als Seher bezeichnet wird. Propheten sagen nicht immer Zukunft voraus, sondern warnen oft auch nur vor Sünde und drohen Gericht an.

So weist dieser Psalm darauf hin, dass die Väter die Aufgabe haben, nachfolgenden Generationen auf die Wunder und Offenbarungen Gottes in der Geschichte Israels hinzuweisen, damit sie nicht so ungläubig und ungehorsam werden, wie vergangene Generationen es waren, so dass Gott sie mehrfach strafen musste. Auch Gottes Langmut und Gnade wird hervorgehoben.

Der Psalm hat also nicht die Absicht etwas zu verheimlichen und zu verschleiern, sondern wichtige, in Vergessenheit geratene (und damit in gewisser Weise verborgene) Wahrheiten Gottes wieder neu bekannt zu machen.

Eine Erfüllung dieser Prophezeiung durch die Gleichnisrede Jesu findet also insofern statt, als Jesus ein ähnliches Ziel verfolgt. Es geht in den Himmelreich-Gleichnissen um die besonderen, ungewöhnlichen Eigenschaften des Himmelreichs und des Evangeliums, die bisher unbekannt waren und durch die sich Gott jetzt und in Zukunft offenbaren will. Auch mit diesen Gleichnissen warnt Jesus also vor Unglauben und Ungehorsam und fordert dazu auf, sich um Verständnis und Gehorsam gegenüber seinen wichtigen Offenbarungen Gottes zu bemühen. Aber nur die Jünger tun dies, indem sie ihn im nächsten Vers um die Erklärung bitten.

Mat 13,44 Gleichnis vom Schatz im Acker

Beobachtungen

Auslegung

Das Himmelreich ist Jesus (Mat 13,24+37), die Beziehung zu ihm und seine Herrschaft im eigenen Leben hier auf der Erde und nach dem Tod. Ihn zu finden und ihn in sein Leben aufzunehmen ist wertvoller als alles andere. Er wird aber nicht von allen gefunden. Ihn zu finden ist ein Geschenk. Er lässt sich von manchen Menschen finden, die ihn nicht gesucht haben.

Mat 13,45-46 Gleichnis vom Kaufmann und der kostbaren Perle

Beobachtungen

Auslegung

Müssen wir hier Jesus mit dem Kaufmann gleichsetzen? Einige Bibelausleger sind dieser Meinung und begründen diese nicht nur mit der Einleitung des Gleichnisses, sondern auch damit, dass das Meer (woher die Perlen kommen) oft ein Bild für die Völker ist (z. B. Dan 7,1-4 / Off 13,1-7). Jesus sucht Menschen aus allen Völkern, die bereit sind an ihn zu glauben. Sie kauft er frei (1Ko 6,20 / 1Ko 7,23 / 2Pt 2,1 / Off 5,9 / Off 14,3-4) und gibt dafür alles hin, d. h. sein Leben (Gal 1,4 / Gal 2,20 / Eph 5,2+25 / 1Jh 3,16).

Die meisten Bibelausleger folgen jedoch dem ersten Eindruck und setzen Jesus/Gott und das ewige Leben mit der Perle gleich. Der einzige Unterschied zum ersten Gleichnis ist dann, dass der Kaufmann hier nach der Perle sucht, während der Mensch im ersten Gleichnis den Schatz zufällig findet. Gott lässt sich also sowohl von manchen Menschen finden, die ihn nicht suchen, als auch von denen, die von ganzem Herzen nach ihm suchen (vgl. Mat 7,8 / Luk 11,10 / Psm 34,5 / Jer 29,13-14).

Allerdings muss man bei dieser Auslegung eine Begründung dafür finden, warum man trotz der Einleitung "Das Himmelreich gleicht einem Kaufmann ..." nicht den Kaufmann mit Jesus gleichsetzt, sondern die Perle. Diese Begründung wird oft nicht gegeben. Sie könnte darin bestehen, dass die Einleitung "Das Himmelreich gleicht ..." sich auf das gesamte Gleichnis bezieht, nicht nur direkt auf das Wort, mit dem das Gleichnis beginnt. Das Gleichnis beginnt jeweils mit dem aktiven Subjekt: Der Schatz lässt sich finden - der Kaufmann sucht. Das erste Subjekt steht nicht vorne, weil es mit dem Himmelreich, bzw. Gott gleichzusetzen ist, sondern weil von ihm die Aktivität ausgeht.

Diese Erklärung kann aber nur dann gültig sein, wenn man ein anderes Gleichnis findet bei dem auch das einleitende Subjekt nicht mit dem Himmelreich gleichzusetzen ist und entweder Jesus dieses auslegt, oder die Auslegung völlig unzweifelhaft so erfolgen muss, weil alles andere sinnlos wäre. Ein solches Beispiel konnte ich bisher aber nicht finden.

Mat 13,47-50 Gleichnis vom Fischnetz

Dieses Gleichnis hat große Ähnlichkeit mit dem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, insbesondere stimmt die Deutung Jesu zum Fischnetz (Mat 13,49) mit dem letzten Teil der Deutung zum Unkraut (Mat 13,40-42) fast völlig überein. In beiden Gleichnissen kommt am Ende der Weltzeit / zur Vollendung des Zeitalters (je nach Übersetzung) das Trennen zwischen Bösen und Gerechten und das Brennen der Bösen im Feuerofen des Gerichts.

Die Zuhörer werden auch hier herausgefordert darüber nachzudenken, ob sie zu den Gerechten oder zu den Bösen gehören. Jesus beantwortet diese Frage hier zunächst auch nicht.

Siehe dazu die Erörterung beim Gleichnis vom Unkraut: Wer ist gerecht und wer böse?

Das Bild und die Vorgänge vor dem Trennen und dem Gericht unterscheiden sich hier vom Unkraut-Gleichnis. Hier wird also ein anderer Aspekt betont. Jesus erklärt nicht alle Teile dieses Gleichnisses. Aber sie ergeben sich recht einfach aus der Deutung Jesu und anderen Bibelstellen:

Mat 13,51-52 Abschluss der Himmelreichgleichnisse - Gleichnis vom Hausvater

Zum Abschluss seiner Belehrungen über das Himmelreich geht Jesus nochmals auf den richtigen Umgang mit dem Gehörten ein. Er fragt seine Jünger, ob sie alles verstanden haben. Es kommt Jesus darauf an, dass das Gehörte Frucht bringt (Mat 13,8 / Joh 15,2+16) im Leben der Zuhörer. Das kann nur geschehen, wenn sie die Botschaft verstanden haben.

Und dann folgt eine der wenigen Stellen, wo Jesus positiv über Schriftgelehrte spricht. Aber er meint hier nicht die überheblichen Heuchler unter ihnen, mit denen er sonst meist zu tun hatte, sondern solche die "Jünger des Himmelreichs geworden" sind. Also solche, die die damalige heilige Schrift, das Alte Testament, studieren und lehren und dies unter Einbeziehung der Lehre Jesu vom Himmelreich tun. Jesus fügt dem Alten Testament die neue Lehre vom Himmelreich hinzu. Beides gehört zusammen.

Die Heilige Schrift, sowohl das Alte als auch das Neue Testament ist ein Schatz, aus dem immer wieder etwas hervorgeholt und weitergegeben werden soll. Ein guter Hausvater versorgt seine Familie regelmäßig damit.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:24