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 Matthäus Ereignisse um die Auseinandersetzung mit der Frage wer Jesus ist

Mat 14,22-33 Jesus und Petrus gehen auf dem See

Klärung des Zusammenhangs und des Ablaufs der Ereignisse

Dieser Abschnitt bezieht sich durch die Einleitung "Und sogleich ... bis er die Volksmenge entlassen hätte" eindeutig auf den vorhergehenden Abschnitt der Speisung der 5000. Es wird hier also ein Ereignis berichtet, das sich unmittelbar daran anschließt.

In Vers 15 steht, dass die Speisung am Abend stattfand. Es könnte also schon dämmrig geworden sein, als Jesus die Jünger "nötigte", ohne ihn an das andere Ufer des Sees vorauszufahren. Dieses Nötigen hat möglicherweise seinen Grund darin, dass sie sich beeilen sollten, um noch vor der völligen Dunkelheit am anderen Ufer anzukommen, weil bei Dunkelheit die Orientierung auf dem See schwierig ist.

Ziel war das Land Genezareth (Gennesaret), also die Gegend um die gleichnamige Stadt herum, die im Nordwesten des Sees lag. Wo die Speisung stattfand, ist nicht genau angegeben. Aus Vers 13 wissen wir nur, dass es ein "einsamer Ort" am See war. Das Ziel der Bootsfahrt, das Land Genezareth, ist nach Vers 22 am "jenseitigen" Ufer. Die Speisung muss also irgendwo am Ostufer stattgefunden haben. Aus Vers 23 wissen wir, dass ein Berg offenbar in direkter Nähe lag, den Jesus abends noch bestieg. Allerdings ist die gesamte Gegend rund den See gebirgig. Die höheren und steileren Berge sind aber am Ostufer. Wahrscheinlich befinden sich aus diesem Grund dort auch weniger Ansiedlungen, so dass hier wohl der "einsame Ort" der Speisung gewesen sein könnte.

Die Strecke über den See nach Genezareth beträgt von dort ca. 10 km. In der Parallelstelle in Mrk 6,48 wird explizit erwähnt, dass die Jünger ruderten. Wir können wohl davon ausgehen, dass es sich bei dem Boot, das die Jünger benutzten, um ein Fischerboot handelte, da mehrere von ihnen Fischer waren und am See ihre Heimat hatten. Ein Fischerboot ist nicht dafür gebaut möglichst schnell unterwegs zu sein, sondern viel transportieren zu können. Wahrscheinlich hatte es auch nicht so viele Ruderplätze und Ruder, so dass nicht alle 12 Jünger mit anpacken konnten. Unter normalen Umständen würde man mit einem solchen Fahrzeug etwa drei Stunden für die Überfahrt benötigen. In diesem Fall hatten sie aber starken Gegenwind (Vers 24). Jesus kam in der vierten Nachtwache zu ihnen (Vers 25). Die vierte Nachtwache war zwischen 3 und 6 Uhr. Zu dem Zeitpunkt war das Boot laut Vers 24 mitten auf dem See. (Nach einigen Handschriften: "viele Stadien vom Land entfernt"; 1 Stadion = 180 m). Wenn man davon ausgeht, dass sie um ca. 18 Uhr losgefahren sind, haben sie für die halbe Strecke mindestens die dreifache Zeit benötigt, wie sonst üblicherweise bei Windstille für die gesamte Strecke.

Anders als in einer ähnlichen Situation in Mat 8,23-27, wo von einem heftigen, bedrohlichen Sturm die Rede ist, der Wasser ins Boot schlägt, haben wir hier keine Lebensgefahr und Angst wegen der Wellen, sondern nur mühsames Arbeiten und sehr langsames Vorankommen. Angst kommt erst durch die ungewöhnliche Erscheinung Jesu auf.

Mat 14,22-23 Jesus betet

Jesus schickt seine Jünger voraus, um in Ruhe beten zu können. Laut Vers 23 stieg er auf den Berg um abseits/in Einsamkeit zu beten. Der Berg diente Jesus also nicht dazu, um dort oben dem himmlischen Vater näher zu sein, sondern um Ruhe zum Beten zu haben. Diese Ruhe hatte er bisher nicht finden können, weil die Volksmenge ihm gefolgt war (Vers 13). Nun hatte er endlich die Gelegenheit und nahm sich viel Zeit, nämlich vom Abend bis zur vierten Nachtwache, d. h. mehrere Stunden. (Wir dürfen annehmen, dass der Fußmarsch Jesu auf dem See bis zum Boot keine nennenswerte Zeit benötigt hat, da es sich dabei um ein Wunder handelte. Und wenn doch, dann wird er auch diese Zeit zum Gebet genutzt haben.)

Schlussfolgerung

Jesus ist uns hier Vorbild. Wenn er viel Zeit und Ruhe für das Gebet brauchte, dann trifft das sicher auch auf uns zu, wenn wir die Beziehung zu unserem himmlischen Vater richtig pflegen wollen.

Weitere Beispiele von Gebeten Jesu:

Jesus ging am Abend allein auf einen Berg und betete Mrk 6,45-48 / Mat 14,22-23
Jesu Gebet in Gethsemane vor der Kreuzigung Mrk 14,32-39 / Mat 26,36-44
Vor Tagesanbruch ging Jesus an einen einsamen Ort, um zu beten Mrk 1,35
Er aber zog sich in einsame Gegenden zurück und betete Luk 5,16
Jesus geht auf einen Berg; betet die ganze Nacht, bevor er Jünger erwählt Luk 6,12-13
Jesus steigt mit Petrus, Jakobus, Johannes auf einen Berg um zu beten Luk 9,28
Er entfernte sich etwas von den Jüngern, kniete nieder und betete Luk 22,41

Mat 14,24 Schwierigkeiten und kaum Vorwärtskommen

Jüngern Jesu bleiben Schwierigkeiten im alltäglichen Leben (wie hier im "Verkehr") nicht erspart. Anstrengung ist oft nötig. Wir müssen sogar davon ausgehen, dass Jesus dieses Ereignis gezielt benutzt hat, um seinen Jüngern eine Lektion zu erteilen. Gott benutzt oft Schwierigkeiten um uns zu erziehen.

Weitere Bibelstellen dazu unter http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/d0223_erziehung_du.htm

Mat 14,25-27 Jesus begegnet den Jüngern auf dem See

Mit Menschen, die nachts auf einem See herumlaufen, muss man normalerweise nicht rechnen. Daher ist die Furcht der Jünger verständlich. Dass sie allerdings Jesus für ein Gespenst halten ist beachtlich. Das Wort für Gespenst (so die meisten Übersetzungen, manche übersetzen mit Geist), gr. fantasma, bedeutet wörtlich Erscheinung, bezieht sich aber besonders auf Geister und Gespenster.

Wir würden in einer solchen Situation, wenn sich bei Dämmerung eine helle Erscheinung bewegt, von einem Naturphänomen ausgehen. Die Jünger dagegen haben Angst vor einem Gespenst. Auch später, als Jesus nach der Auferstehung erscheint, muss er dem Glauben, dass er eine Geisterscheinung sei, entgegenwirken (Luk 24,36-43). Woher hatten sie diesen Glauben an Gespenster? Die Bibel lehrt die Existenz von Gespenstern nicht. Zwar lehrt die Bibel die Existenz von Dämonen. Diese sind aber nicht sichtbar, sondern benötigen einen Menschen als Wirt um sich körperlich zu manifestieren.

Möglicherweise sind solche Lehren über Geisterscheinungen aus der griechischen oder römischen Mythologie in Israel eingedrungen. Während der griechischen Herrschaft durch Antiochus VI. Epiphanes (175-164 v. Chr.) wurde die Hellenisierung Israels mit Gewalt versucht durchzusetzen. Danach konnten die Makkabäer und Hasmonäer die Fremdherrschaft kurze Zeit abschütteln, aber im ersten Jahrhundert gewannen die Römer an Einfluss.

Jesus beeilt sich aber ("sogleich redete Jesus ...") sich zu erkennen zu geben und die Jünger von ihrer Furcht zu befreien.

Schlussfolgerungen

Falsche, heidnische Lehren müssen wir aus unseren Denken fernhalten. Auch in unserer Gesellschaft gibt es viele davon. Sie können zu unnötigen Ängsten führen. Halten wir uns stattdessen genau an die Lehren der Bibel!

Bei Jesus ist man vor Überraschungen nicht sicher. Es gibt so manches Furchterregende, in dem sich Jesus vielleicht offenbart. Die Bibel berichtet von mehreren ähnlichen Situationen, wo ein "Fürchtet euch nicht!" nötig war:

Die Parallelstellen des gleichen Ereignisses Mrk 6,45-50 / Joh 6,17-20
Die Verklärung Jesu Mat 17,1-7
Die Engelserscheinung nach der Auferstehung Mat 28,2-5
Die Erscheinung Jesu nach der Auferstehung Mat 28,8-10
Die Engelserscheinung bei Zacharias vor der Geburt des Johannes Luk 1,11-13
Die Engelserscheinung bei Maria vor Jesu Geburt Luk 1,26-30
Die Engelserscheinung bei den Hirten nach der Geburt Jesu Luk 2,8-11
Die Vision von Jesus durch Johannes auf Patmos Off 1,13-18

Mat 14,28-32 Petrus geht auf dem Wasser und sinkt

Mat 14,33 Huldigung Jesu durch die Jünger

Das Erlebte führt den Jüngern wieder neu vor Augen, wer Jesus ist und welche Macht er hat. Das bringt sie dazu, vor ihm niederzufallen.

Es fällt auf, dass hier im griechischen Grundtext der bestimmte Artikel fehlt, d. h. die Jünger sagen nicht "du bist der Sohn Gottes", sondern nur "du bist Sohn Gottes". Da es in der griechischen Sprache keinen unbestimmten Artikel gibt und die Unbestimmtheit durch Weglassen des bestimmten Artikels ausgedrückt wird, bedeutet das quasi erst einmal nur "du bist ein Sohn Gottes". Die meisten Übersetzungen geben das auch richtig wieder. Einige kommunikative Übersetzungen (z. B. Hoffnung für alle, Neues Leben) wagen sich weiter vor und schreiben "der Sohn Gottes".

Der Unterschied ist nicht unwichtig. Der Begriff Sohn wurde in der damaligen Kultur für alle besonderen Beziehungen gebraucht und muss nicht unbedingt bedeuten, dass sie Jesus schon für den Christus hielten. Zunächst sagen sie damit nur, dass Jesus jemand ist, der besonders eng mit Gott verbunden ist. Erst zwei Kapitel später, nach zahlreichen weiteren Wunderzeichen, verwendet Petrus in Mat 16,16 zweimal den bestimmten Artikel: "du bist DER Christus, DER Sohn des lebendigen Gottes". Auch bei der Taufe Jesu gebraucht die Stimme aus dem Himmel den bestimmten Artikel. Wörtlich heißt es dort: "Dieser ist DER Sohn mein, DER Geliebte ..." (Mat 3,17).

Wir können hier also durch die Erlebnisse der Jünger mit Jesus bei ihnen die zunehmende Erkenntnis über Jesus beobachten, die am Ende in der Überzeugung mündet, dass Jesus der Christus/Messias ist.

Natürlich waren die Jünger schon vorher mit dieser Information konfrontiert worden, dass Jesus der Sohn Gottes ist, z. B. bei der Taufe Jesu durch die Stimme aus dem Himmel (Mat 3,17), Johannes der Täufer hat es bezeugt (Joh 1,32-34). Trotzdem kam die volle Überzeugung wohl erst deutlich später.

Schlussfolgerung

Schwierigkeiten => Erfahrungen mit Jesus => tiefere Erkenntnis => Anbetung


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:24