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 Matthäus Ereignisse um die Auseinandersetzung mit der Frage wer Jesus ist

Mat 14,34-36 Zahlreiche Krankenheilungen in Genezareth

Die Macht Jesu, Glaube und Aberglaube

Die Leute trauen Jesus die Heilung nur durch Berührung seiner Kleidung zu. Nicht er ist es, der die Heilungsmethode festlegt, sondern die Kranken hatten dieses Vertrauen in ihn, und er hat das Vertrauen durch Erfüllung ihres Wunsches und durch die Heilungen bestätigt. Ähnlich war es beim Glauben des Petrus im vorhergehenden Abschnitt (Mat 14,28-29).

Die Tatsache, dass hier offensichtlich kein Gebet Jesu zum Vater für jeden Kranken nötig ist, zeigt, dass die Heilungskraft von Jesus ausgeht. Dies könnte man als Zeichen deuten, das Jesus als Sohn Gottes und Messias ausweist. Allerdings passierten ähnliche Heilungen auch bei Paulus (Apg 19,11-12). Diese waren sogar noch spektakulärer insofern als die Heilungen durch Berührung von Kleidungsstücken geschahen, die Paulus gar nicht mehr am Körper trug (vgl. Joh 14,12).

Dadurch ergibt sich die Frage was der Unterschied ist zwischen biblischem Glauben (z. B. glauben hier die Leute, dass die Berührung der Kleidung Jesu heilt; David glaubt, dass Gott ihn Goliat besiegen lässt (1Sa 17,32-46)) und Aberglauben, d. h. Glaube an übernatürliche Wirkungen, die dann nicht stattfinden (z. B. Apg 19,13-16; beachte, dass dies in direktem Zusammenhang mit den Heilungen durch Paulus' Kleidungsstücke berichtet wird!)

Natürlich ist jeder Glaube an Wirkungen, die gar keinen biblischen Bezug haben, Aberglaube. Aber in Apg 19,11-16 haben sowohl Glaube als auch Aberglaube einen Bezug zu Jesus. Ein wichtiger Aspekt ist auf jeden Fall der persönliche Glaube an Jesus. Die jüdischen Geisterbeschwörer sagten: "Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus predigt. " Dies drückt eine Distanz aus, keine persönliche Beziehung zu Jesus. Sie haben nicht an Jesus als den Christus geglaubt, sondern nur versucht, eine vermeintliche magische Wirkung des Namens Jesu für sich zu nutzen.

Die Bedeutung der Berührung der Quaste

Welcher Glaube in Mat 14,34-36 gemeint ist, wird eventuell auch dadurch angedeutet, was die Kranken berührt haben. Hier unterscheiden sich die Übersetzungen. Einige übersetzen mit "den Saum seines Gewandes", andere mit "die Quaste seines Gewandes". Das griechische Wort kraspedon kann beides bedeuten. Mit diesem Wort übersetzt die Septuaginta das hebräische Wort für Quaste in 4Mo 15,37-40. Dort wird die Anfertigung von Quasten an den Zipfeln der Oberbekleidung als Erinnerung an die Gebote Gottes angeordnet.

Wenn man nun noch in Betracht zieht, dass Krankheit direkt oder indirekt Folge von Sünde ist (vgl. Joh 9,1-2 / Jes 53,4-5 / Luk 5,18-20), dann bekommt das Berühren des Symbols der Gebote Gottes möglicherweise eine Bedeutung von Buße, d. h. Umkehr von Sünde und wieder Hinwendung zum Gehorsam gegenüber Gottes Geboten (vgl. Mat 3,1-2 / Mat 4,17 / Mrk 1,15 / Luk 13,1-5 / Luk 15,3-10 / Apg 2,38 / Apg 3,19). Jesus hat die Gebote Gottes uneingeschränkt eingehalten (Joh 8,46 / Heb 4,15). Das Berühren der Quaste kann also auch den Glauben an Jesu Sündlosigkeit und den Wunsch diese ebenfalls zu bekommen, d. h. den Wunsch nach Sündenvergebung, ausdrücken.

Ob alle, die geheilt wurden, tatsächlich diese Einstellung dabei hatten, ist nicht sicher. Vielleicht gewährt Gott in seiner Barmherzigkeit und Gnade manchmal auch solchen Menschen Wohltaten, die nicht die richtige Haltung dafür mitbringen. Aber als Kriterium für biblischen Glauben im Gegensatz zu Aberglauben darf Buße, der Wunsch nach Sündenvergebung und der Glaube an Jesus als Christus auf jeden Fall gelten.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24