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 Matthäus Vorbereitung auf die Kreuzigung und Lehre der Jünger

Mat 17,1-9 Die Verklärung Jesu

Mat 17,1-3 Nach sechs Tagen

Laut Mat 17,1 geschah dieses Ereignis sechs Tage nach dem Bekenntnis des Petrus zu Jesus als dem Christus (Mat 16,13-20), der ersten Ankündigung des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu (Mat 16,21-23), der Aufforderung an die Jünger ihr Kreuz auf sich zu nehmen (Mat 16,24-27) und der Verheißung, dass einige der Jünger den Menschensohn in seinem Reich kommen sehen werden (Mat 16,28).

Der Zweck dieses Ereignisses wird von Kommentatoren meist in der Ermutigung der Jünger gesehen, die sie benötigten, nachdem Jesus seinen Tod angekündigt und die Jünger aufgefordert hatte, auch ihr Kreuz zu tragen.

Mat 17,1 Nur drei der Jünger

Es ist aber verwunderlich, dass Jesus dazu nur den engsten Kreis der Jünger, Petrus, Jakobus und Johannes mitnimmt. Bei folgenden Gelegenheiten waren ebenfalls nur diese drei anwesend:

Bei der Auferweckung der Tochter des Jairus Mrk 5,37-43 / Luk 8,51-56
Bei der Endzeitrede (hier war auch Andreas dabei) Mrk 13,3-37
Beim Gebet Jesu im Garten Gethsemane Mrk 14,32-38

Außerdem verbietet Jesus den dreien nachher davon zu berichten, solange bis Jesus auferstanden sein wird (Mat 17,9), wie auch nach der Auferweckung der Tochter des Jairus.

Waren es nicht gerade die anderen, die eine Ermutigung nötiger hatten, als diese drei mit wahrscheinlich dem stärksten Glauben? Die Antwort auf diese Frage bleibt offen. Tatsache ist, dass Jesus bestimmte Menschen dazu auserwählt, besondere Erfahrungen mit ihm zu machen, die nicht alle machen.

Mat 17,2 Verklärung

Die Veränderung des Gesichts und der Kleider Jesu wird als übernatürlich beschrieben:

Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider wurden weiß wie das Licht Mat 17,2
Er wurde umgestaltet, Kleider glänzend, sehr weiß, wie kein Walker machen kann Mrk 9,2-3
Das Aussehen seines Gesichts veränderte sich, sein Gewand wurde weiß strahlend Luk 9,29

Übernatürlich strahlende Gewänder kommen auch bei Engeln vor: Mat 28,2-3 / Luk 24,2-5 / Apg 10,30-32. In Mrk 16,5 und Joh 20,12 wird nur von einem weißen Gewand gesprochen.

Ein strahlendes Gesicht hatte auch Mose, nachdem er mit Gott geredet hatte (2Mo 34,30-35). Auch bei ihm verursachte das bei den Beobachtern Furcht. Der verherrlichte Jesus erscheint Johannes in ähnlicher Art (Off 1,14).

Jesus erscheint hier also in einer Vorschau seiner Verherrlichung.

Mat 17,3 Mose und Elia

Folgende Eigenschaften zeichnen Mose und Elia aus:

Das Verklärungsereignis zeigt die Einheit von Altem und Neuem Testament. Die Propheten haben Christus angekündigt. Nun steht die Erfüllung einiger ihrer wichtigsten Verheißungen bevor. Deshalb sprechen sie mit ihm über das, was noch bevorsteht, wie nur Lukas verrät (Luk 9,30-31).

Mat 17,4-8 Petrus' Hüttenbau

Wieder einmal ist es Petrus, der das Wort ergreift, obwohl er nicht wusste, was er sagte (Luk 9,33), bzw. nicht wusste, was er sagen sollte, denn sie waren voller Furcht (Mrk 9,6).

Offenbar konnte er die Situation überhaupt nicht einordnen, fühlte sich aber genötigt etwas zu sagen. Dass hier Mose und Elia erschienen sind, war ihm aber offenbar klar. Vielleicht haben sie einander namentlich begrüßt.

Der Vorschlag zum Hüttenbau wird von Kommentatoren als Versuch gedeutet, die Situation festzuhalten. Sichtbare Bauten dienen oft als Erinnerung und Denkmal an herausragende Ereignisse (Jos 4,1-9 / Jos 7,24-26). Heutzutage würden wir wohl ein Foto machen.

Der Vorschlag der drei Hütten verkennt allerdings die herausragende Bedeutung Jesu, der mehr ist als ein Prophet und größer als Mose und Elia. Das wird dadurch deutlich, dass gerade in dem Moment, als Petrus seinen Vorschlag macht (Mat 17,5), die Wolke und die Stimme erscheint, die nur noch auf Jesus hinweist. Gleich danach sind Mose und Elia verschwunden und Jesus steht allein vor den Jüngern.

Mat 17,5-7 Wolke und Stimme aus dem Himmel

Erneut bestätigt hier Gott selbst, der Vater, Jesus als seinen Sohn. Der erste Satz erklang bereits bei der Taufe Jesu aus dem Himmel (Mat 3,16-17). Der zweite Satz, die Aufforderung auf ihn zu hören, erinnert an die Prophezeiung des Kommens des Propheten wie Mose, die ebenfalls mit dieser Aufforderung verknüpft ist (5Mo 18,15).

Die helle Wolke ist im AT immer wieder Zeichen der Herrlichkeit und Gegenwart Gottes (2Mo 16,10 / 2Mo 24,16 / 1Kg 8,10-11) und verursacht Respekt und Furcht.

Damit wird Jesus als die Erfüllung der Prophezeiung von 5Mo 18,15 und als Christus von Gott bestätigt.

Mat 17,9 Berichtsverbot - warum?

Warum verbietet Jesus den Jüngern bis zu seiner Auferstehung davon zu berichten? Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, wie er kurz vorher verboten hat, ihn als Christus zu verkündigen (Mat 16,20).

Mögliche Erklärungen:

Die Jünger konnten noch nicht verstehen, was sie gesehen hatten, und konnten es damit noch weniger anderen erklären. Jesus wollte falsche Wirkungen vermeiden. Möglicherweise hätte der Bericht von der Verklärung zu der falschen Erwartung geführt, dass das sichtbare Reich Gottes unmittelbar bevorsteht und damit zu weiteren Versuchen, Jesus vorzeitig zum König zu machen (Joh 6,15) oder ihn an der Erfüllung seines Auftrags zu hindern (vgl. Mat 16,22-23).

Jesus erlaubt den Bericht von dem Ereignis ab dem Zeitpunkt seiner Auferstehung. Damit wird die Ermutigung und Glaubensstärkung für die Jünger wirksam als Jesus sie nach der Auferstehung erneut verlässt, um zum Vater zurückzukehren.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:24