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 Matthäus Vorbereitung auf die Kreuzigung und Lehre der Jünger

Mat 17,14-21 Heilung eines mondsüchtigen Sohns

Welches Leiden hatte der Sohn?

Das Wort "mondsüchtig", das die eher wörtlich orientierten Übersetzungen meist verwenden, wird in kommunikativen Übersetzungen mit "schwere Anfälle" oder konkreter mit "Epilepsie" wiedergegeben. In den Erklärungen der Gute Nachricht-Bibel steht dazu: "Das in Mt 4,24; 17,15 verwendete griechische Wort ist von »Mond« abgeleitet (»mondsüchtig«). Die antike Medizin brachte epileptische Anfälle mit dem Mondwechsel in Verbindung. "

In Mrk 9,17-18 wird das Leiden noch detaillierter beschrieben als stummer Geist, der zu Boden zerrt. Der Sohn schäumt, knirscht mit den Zähnen und wird starr. Diese Beschreibung passt zur Epilepsie. Da Epilepsie mit Medikamenten behandelt werden kann, ist sie normalerweise nicht mit dämonischer Besessenheit verbunden. Allerdings wird in Mat 17,18-19 für diesen Fall klar von einem Dämon gesprochen. Entweder lag hier ein besonderer Fall von Anfallsleiden vor, der von einem Dämon verursacht wurde, oder Krankheit wird generell von Dämonen verursacht, ohne, dass eine besondere Besessenheit vorliegt. Letzteres lässt sich bibilisch schwer belegen. Es gibt zwar einige Stellen, die zeigen, dass Krankheit vom Teufel verursacht wird, aber auch diese beziehen sich immer auf konkrete Fälle:

Gott erlaubt Satan, Hiobs Kinder zu töten, ihn krank zu machen Hiob 1,6-19 / Hiob 2,1-7
Heilung einer Frau; der Satan hat sie 18 Jahre lang gebunden Luk 13,11-16
Jesus ... hat alle gesund gemacht, die in Gewalt des Teufels waren Apg 10,38

Die Begriffe "Jesus bedrohte ihn" und "der Dämon fuhr aus" beschreiben jedenfalls eindeutig eine Dämonenaustreibung, keine Krankenheilung. Auch die von dem Vater betonte Tatsache, dass die Anfälle den Sohn oft ins Feuer oder Wasser fallen lassen, was für einen Epileptiker, der während des Anfalls verkrampft ist, den Tod bedeuten kann, lässt darauf schließen, dass es sich nicht um gewöhnliche Epilepsie handelte, sondern dass ein Dämon versuchte, den Betroffenen durch die Anfälle umzubringen. Vers 21, der in den ältesten Handschriften nicht enthalten ist, fügt eine Information hinzu, die ebenfalls einen Dämon voraussetzt: "Diese Art fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten".

Worauf bezieht sich die Klage Jesu in Vers 17

Wer ist das ungläubige und verkehrte Geschlecht, das Jesus beklagt? Diese Klage folgt auf den Bericht des Vaters, dass die Jünger seinem Sohn nicht helfen konnten. Es könnte sich entweder auf das Problem der dämonischen Besessenheit und damit die Herrschaft des Teufels allgemein oder auf den Kleinglauben (Vers 20) der Jünger beziehen.

Der Begriff des verkehrten Geschlechts wird an anderen Stellen allgemein auf die von Gott entfremdete, von der Sünde geprägte und verlorene Menschheit bezogen:

Petrus ermahnte sie: "Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht. " Apg 2,40
Damit ihr tadellos seid, ... in einem verdrehten, verkehrten Geschlecht ..." Php 2,15

Jesus kam gerade von der Verklärung, wo er engsten Kontakt mit dem himmlischen Vater, Mose und Elia hatte und erlebt nun den vollen Kontrast, indem ihm die Entfremdung von Gott durch Dämonen und Unglauben begegnet. Wir können daher annehmen, dass sich seine Klage auf die gesamte Situation der Menschheit bezieht, aber ein besonderer Bezug zu dem Kleinglauben der Jünger in Vers 20 jedenfalls auch enthalten ist. Anstatt "Kleinglaube" in Vers 20 steht in einigen alten Handschriften und damit auch in einigen Übersetzungen "Unglaube".

Die Klage macht deutlich, dass für Jesus der Unglaube und Kleinglaube der Menschen und ihre Verkehrtheit durch Prägung von der Sünde schwer zu ertragen war. Damit wird klar, wie viel Überwindung es ihn gekostet hat, auf die Erde zu kommen.

Vers 20 zeigt, dass mangelnder Glaube das Wirken Gottes verhindern kann. Zwar hatten die Jünger grundsätzlich die Vollmacht von Jesus erhalten, Dämonen auszutreiben (Mat 10,1) und diese Vollmacht war offenbar nicht auf die besondere Aussendung in Mat 10 begrenzt. Trotzdem waren sie hier erfolglos wegen ihres mangelnden Glaubens. Wenn wir den nicht in allen Handschriften enthaltenen Vers 21 als authentisch ansehen, dann gibt es offenbar besonders hartnäckige Dämonen, die außer einwandfreiem Glauben auch noch einen besonderen Einsatz in der Vorbereitung seitens der Jünger benötigen um ausgetrieben werden zu können.

Was ist der richtige Glaube?

Jesus vergleicht den richtigen Glauben, der Unmögliches möglich macht, mit einem Senfkorn. Das Senfkorn galt als besonders klein (Mat 13,32 / Mrk 4,31). Der richtige Glaube muss also wohl nicht groß sein, sondern echt. Ein kleiner, echter Glaube, ist etwas anderes als der verurteilte Kleinglaube.

Es fällt auf, dass das Beispiel, das Jesus nennt, um zu verdeutlichen, was dieser Glaube bewirkt, ziemlich sinnlos ist. Es hat normalerweise keinen erkennbaren Sinn, einen Berg zu versetzen. Das träfe allenfalls für Baumaßnahmen zu, um die es hier aber kaum gehen dürfte. Jesus hat Interesse am geistlichen Fortschritt der Jünger, nicht am Städtebau oder Landbau. Der Ausdruck "Berge versetzen" ist eine damalige sprichwörtliche Redensart, die soviel bedeutete wie "unmöglich Scheinendes möglich machen". Die Rabbiner nannten einen Gelehrten, der in der Disputation seine Ansicht gegen alle Einwände zum Sieg brachte, einen "Bergentwurzler". Auch das Beispiel, das Jesus in Luk 17,6 nennt (Zu einem Maulbeerfeigenbaum sagen: Entwurzele dich und pflanze dich ins Meer.) ist ebenso sinnlos. Daraus und aus der Tatsache, dass nirgendwo in der Bibel von der Anwendung dieser Beispiele berichtet wird, darf geschlossen werden, dass Jesus sie nicht wörtlich verstanden wissen wollte. Der Berg ist hier ein Bild für große, menschlich unüberwindbare Hindernisse, die auf dem Weg des Jüngers auftauchen. Mit einem aufrichtigen Glauben, so klein er auch sein mag, kann aber jedes Hindernis zur Seite geschafft werden.

Welche Eigenschaften der richtige Glaube hat, lässt Jesus allerdings hier offen. Dazu wären wohl längere Belehrungen nötig, wie Jesus sie seinen Jüngern während der Zeit als sie mit ihm gingen, immer wieder gegeben hat.

Bibelstellen dazu finden sich in http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/c0007_das_wesen_bi.htm


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:25