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 Matthäus Vorbereitung auf die Kreuzigung und Lehre der Jünger

Mat 17,24-27 Die Tempelsteuer

Beobachtungen

In Kapernaum war Jesus eine Zeitlang sesshaft gewesen (Mat 4,13 / Mat 9,1) und hielt sich auch während seiner Wanderschaft mit seinen Jüngern wohl öfters dort auf (Mat 11,20-23).

Die Gemeinschaft der Jünger mit Jesus als ihrem Lehrer war in Kapernaum offenbar bekannt. Die Tempelsteuereinnehmer wussten wer dazu gehörte und anscheinend auch, dass Petrus einer derjenigen war, der besonders eng mit Jesus verbunden war. Daher erwarteten sie von ihm zuverlässige Auskunft über die Zahlungsbereitschaft Jesu. Warum sie nur nach Jesus fragen und ihn nicht direkt fragen, bleibt offen.

Petrus kannte Jesus gut genug, dass er seine Zahlungsbereitschaft korrekt einschätzen konnte.

Dass Jesus das Thema bei der nächsten Begegnung mit Petrus von sich aus anspricht, zeigt Jesu göttliche Allwissenheit. Er weiß, was geschehen ist, obwohl er nicht dabei war.

Fragen, die sich aus dem Text ergeben

Was ist eine Doppeldrachme?

Das Wort "didrachma" (Doppeldrachme) wird in manchen Übersetzungen bereits erklärend übersetzt mit Tempelgroschen oder Tempelsteuer. Es handelt sich dabei um eine griechische Münze, deren Silbergewicht einem halben Schekel oder zwei Denaren entsprach, die einen Wert von zwei Tagslöhnen hatte (Mat 20,2) und die jährlich als Kopfsteuer für den Tempeldienst erhoben wurde. (Vgl. dazu 2Mo 30,11-16 / 2Mo 38,25-28 / 2Kg 12,5-6 / 2Ch 24,5+14 / Neh 10,33-34). Es handelt sich hier also letztlich um eine Abgabe an Gott.

Welche Lehre erteilt Jesus dem Petrus (und uns) hier?

Die Tempelsteuer für Gott vergleicht Jesus nun aber mit den Abgaben, die menschliche Könige verlangen. Gott ist der oberste König aller Könige (Psm 95,1-3). Daher kann Jesus die menschlichen Könige als Bild für Gott benutzen. Jesus nimmt für sich und seine Jünger das Recht auf Steuerfreiheit von Kindern gegenüber Gott als König in Anspruch. Damit macht er deutlich, dass nicht nur er, sondern auch seine Jünger Gottes Kinder sind. (Vgl. Joh 1,12 / Röm 8,14-17 / Gal 3,26)

Diese besondere Stellung Gott gegenüber, die eigentlich erst durch das noch bevorstehende Erlösungswerk Jesu begründet ist, und von Jesus bis dahin in seiner Lehre noch nicht öffentlich in den Vordergrund gestellt wurde, ist den Tempelsteuereinnehmern aber nicht bekannt und auch nicht direkt aus dem Gesetz Moses begründbar. Daher erwartet Jesus nicht von ihnen, dass sie das akzeptieren. Deshalb zahlt Jesus die Tempelsteuer. (Auch staatliche Steuern sollen Nachfolger Jesu übrigens zahlen: Mat 22,17-21 / Röm 13,1-7)

Durch das Wunder, dass Petrus das für die Tempelsteuer notwendige Geld im Maul des Fisches findet, erbringt Gott selbst den Beweis, dass die Aussage Jesu über die Gotteskindschaft Jesu und der Jünger und deren Steuerfreiheit Gott gegenüber richtig ist.

Was bedeutet das angesichts heute üblicher Kirchensteuern oder des sogenannten Zehnten?

Konsequenterweise müssen wir aus dieser Aussage Jesu den Schluss ziehen, dass Kirchensteuern oder Pflicht-Zehnte (abgeleitet aus 3Mo 27,30-32 / 4Mo 18,21) für neutestamentliche Christen unbiblisch sind. Und tatsächlich finden wir im Neuen Testament keine derartigen Aufforderungen. Natürlich kann auch eine neutestamentliche Gemeinde ihre Dienste nicht ohne Geld erbringen. Alle Abgaben, die wir im Neuen Testament finden, sind jedoch freiwillig (Apg 2,44-45 / Apg 4,32-37 / Apg 5,1-4 / 2Ko 8,7-12 / 2Ko 9,1-11). Wer allerdings für geistliche Dienste keinen angemessenen Betrag gibt, muss sich fragen, ob sein Glaube echt und seine Haltung Gott und der Gemeinde gegenüber richtig ist (2Ko 8,1-14 / 2Ko 9,5-6 / 1Ti 6,6-10).

In welchen Situationen dürfen/müssen wir Anstoß sein und wann nicht?

Jesus begründet die Zahlung der Tempelsteuer hier damit, dass er den Steuereinnehmern keinen Anstoß geben will. Daher zahlt er die Steuer, obwohl er dazu nicht verpflichtet wäre.

Auch Paulus und seine Mitarbeiter handeln nach diesem Prinzip:

Es gibt allerdings andere Situationen, wo Jesus sehr wohl Anstoß gegeben hat und zwar manchmal so gewaltig, dass die Zuhörer ihn umbringen wollten:

Auch die Apostel haben Anstoß erregt und gegen behördliche Anordnungen verstoßen (Apg 4,17-20 / Apg 5,17-33).

Bei diesen Fällen geht es jeweils um die Verkündigung und Verteidigung der Wahrheit. Wenn Wahrheit und Gottes Wille mit der Rücksichtnahme gegenüber Menschen in Konflikt gerät, hat die Wahrheit Vorrang (Apg 4,19-20 / Apg 5,29). Bei der Wahrheit und der Verkündigung des Evangeliums darf es keine Kompromisse geben.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:25