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 Matthäus Vorbereitung auf die Kreuzigung und Lehre der Jünger

Mat 18,1-5 Die Frage nach dem Größten im Himmelreich

Was ist der Hintergrund und der Beweggrund der Frage?

Die damalige Gesellschaft war deutlich mehr geprägt von Hierarchien als unsere heute. Daher könnte der Gedanke und die Frage nahegelegen haben. Jesus hatte auch schon früher auf Unterschiede im Himmelreich hingewiesen (Mat 5,19).

Allerdings resultiert diese Frage hier aus einen falschen Ehrgeiz bei den Jüngern. Die scheinbar so neutrale Frage beantwortet Jesus daher persönlich auf die Jünger bezogen, da er ihre falsche Haltung kennt, die Antrieb für diese Frage war: "Wenn IHR nicht umkehrt ... werdet ihr nicht ins Reich der Himmel kommen. ", und leitet das auch noch ein mit dem betonenden "Wahrlich" (oder "Amen"). Die Jünger werden durch ihre falsche Haltung nicht nur nicht die Größten im Himmelreich sein, sondern noch nicht einmal hineinkommen. Durch die Frage disqualifizieren sie sich bereits für dieses Reich. Wer so fragt, möchte selbst dieser Größte sein und hat damit eine falsche Gesinnung.

Leider haben mindestens zwei der Jünger durch diese Zurechtweisung Jesu noch nichts gelernt. Die Söhne des Zebedäus (Johannes und Jakobus) beanspruchen nicht viel später mit Unterstützung ihrer Mutter die Ehrenplätze im Reich Jesu, woraufhin Jesus erneut seine Jünger belehren muss (Mat 20,20-28 / Mrk 10,35-45).

Was ist hier mit "Reich der Himmel" gemeint?

Eine umfassende Erörterung des Begriffs im Allgemeinen findet sich in http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/i0031_reich_gottes.htm

An dieser Stelle ist, hauptsächlich aufgrund von Mat 18,3, an die zukünftige Königsherrschaft des Christus zu denken (vgl. http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/h0232_friedensreic.htm ), die von den Juden erwartet wurde und auch von Johannes dem Täufer und Jesus angekündigt worden war. Vgl. Mat 3,2 / Mat 4,17 / Mat 10,7 / Mat 16,28.

Welche Eigenschaften eines Kindes sind unabdingbar für den Eintritt ins Himmelreich? (Mat 18,3-4)

Kinder haben folgende positive Eigenschaften:

Wohl wegen dieses Vorbildcharakters kindlicher Eigenschaften wird die Beziehung von an Jesus Gläubigen zu Gott im Neuen Testament als Gotteskindschaft bezeichnet. Mehr dazu unter http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/d0206_gottes_kinde.htm

Warum müssen die Jünger umkehren, um ins Himmelreich zu kommen?

Das Streben nach Größe und Macht ist eine Grundursache der Sünde. Ehrgeiz war schon bei den ersten Sünden der Menschheit maßgeblich im Spiel (1Mo 3,1-5 / 1Mo 4,3-8 / 1Mo 11,3-8).

Daher wird Hochmut und Überheblichkeit in der ganzen Bibel immer wieder als Sünde genannt: http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/b0215_stolz_und_ho.htm

Umkehr und Abkehr von bewusster Sünde ist Voraussetzung zum Eintritt ins Reich Gottes (Mat 3,2 / Mat 4,17).

Was ist mit dem "Aufnehmen" eines Kindes "in meinem Namen" gemeint? (Mat 18,5)

Man hat hier nicht an Pflegekinder oder Gastfreundschaft zu denken, sondern an Wertschätzung, Anerkennung, Verständnis, rücksichtsvollen Umgang (vgl. Röm 15,7). Vergl. hierzu auch die Verwendung von aufnehmen in folgenden Stellen:

Wenn jemand euch nicht aufnehmen noch eure Worte hören wird ... Mat 10,14
Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf und den, der mich gesandt hat Mat 10,40

Es geht hier weiterhin um die richtige Haltung der Demut. Die drückt sich auch darin aus, wie man mit Menschen umgeht, die keine große Anerkennung und Ehrwürdigkeit haben. Wer solche Menschen geringschätzig behandelt, beweist damit seine überhebliche Gesinnung.

Der Zusammenhang ("wenn ihr nicht wie Kinder werdet ... wer ein solches Kind ..." legt nahe, dass Jesus hier nicht hauptsächlich Kinder im wörtlichen Sinn meint, sondern Glaubenskinder, d. h. Menschen, die eine demütige Haltung haben, wie er sie fordert. Einige kommunikative Übersetzungen schreiben daher freier: "Und wer einen solchen Menschen in meinem Namen aufnimmt ..."

Etwas in jemandes Namen zu tun bedeutet, es stellvertretend oder im Auftrag dieser Person zu tun. Jesus verbindet hier die Wertschätzung gegenüber anderen Gotteskindern mit der Wertschätzung ihm gegenüber. Wer andere Gotteskinder wertschätzend behandelt, weil Jesus es geboten hat, bringt damit zum Ausdruck, dass er die Prinzipien und Lehren Jesu und damit auch Jesus selbst akzeptiert und sich davon leiten lassen will. Wer das nicht tut, und damit gegen Jesu Gebot verstößt, drückt damit auch seine Missachtung oder gar Verachtung Jesus gegenüber aus. Ob wir Jesus annehmen und lieben zeigt sich im Halten seiner Gebote (Joh 14,21 / 1Jh 2,3-6).

Zusammenfassender Kommentar

Wieder einmal sind hier Gottes Maßstäbe den menschlichen total entgegengesetzt (vgl. Jes 55,8). Nicht irgendeine Form von Größe oder Verdienst hat vor Gott Wert, sondern Demut: Einsehen und Zugeben, dass ich nichts geleistet habe, wofür ich besonders geehrt werden müsste. Es zählt nur anzuerkennen, dass ich ganz von Gott abhängig bin, von ihm alles zu erwarten und ihm in allem zu vertrauen wie ein Kind den Eltern. Jedes Streben nach Größe, Ehre und Macht im Reich Gottes ist hingegen Ausdruck einer sündhaften Gesinnung und muss durch Umkehr abgetan werden.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:25