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 Matthäus Vorbereitung auf die Kreuzigung und Lehre der Jünger

Mat 18,6-14 Umgang mit Verführungen

Mat 18,6-7+10 Strafe für Verführer

Jesus spricht weiter über die Kinder im Glauben, d. h. die Menschen, die mit der richtigen Haltung an Jesus glauben.

Diese stehen offenbar in der Gefahr durch den Einfluss anderer Menschen ihre richtige Einstellung zu verlieren.

Warum geht Jesus vom Thema Demut nun dazu über wie man mit "Kleinen" umgehen soll?

Offensichtlich zeigt sich wahre Demut vor Gott auch daran, wie man mit "Kleinen" umgeht. Wenn man sie verachtet oder ihre Schwachheit missbraucht, um sie zu übervorteilen, dann zeigt das einen Mangel an Demut.

Um welche Bedrohung des richtigen Glaubens der "Kleinen" geht es hier?

Die gr. Worte skandalizo (Verb) und skandalon (Substantiv) werden übersetzt mit Ärgernis, Anlass zur Sünde, Verführung (zum Bösen / zum Abfall), zu Fall bringen, an Gott irre werden lassen (d. h. den Glauben verlieren lassen?).

Es bedeutet etwas zu tun, was zum Fall oder Ruin eines anderen führt, eine Falle stellen; Skandalon ist ursprünglich der Auslöser einer Falle. Im NT meint es: eine Gelegenheit oder einen Anstoß zu gottlosem Handeln, zum Abfall von Gott und dem daraus resultierenden Schaden geben, einen Anlass zur Sünde geben, ein Ärgernis geben oder sein. Beispielsweise war in Mat 16,22-23 Petrus ein solches Skandalon für Jesus, indem er ihn davon abbringen wollte, den von Gott geplanten Weg zum Kreuz zu gehen.

Da es in diesem Abschnitt um die Gotteskinder geht, wird hier die Verführung zum Verlassen der richtigen Glaubenshaltung gemeint sein, insbesondere Demut, Vertrauen und Gehorsam Gott gegenüber.

Welche Strafe droht den Verführern?

Die Menschen, die daran mitwirken, dass Gotteskinder ihre richtige Einstellung verlieren, warnt Jesus hier sehr deutlich. Ein grausamer Tod durch Ertränken ist angenehmer, als das, was sie erwartet. Was das genau ist, lässt Jesus zunächst offen. Er spricht nur das warnende Wehe aus. Im nächsten Vers allerdings nennt er das ewige Feuer und das Feuer der Hölle.

Aber nicht nur das Verführen von Glaubenskindern ist ein Verbrechen, sondern auch deren Verachtung (V. 10). Gotteskinder haben Vertreter im Himmel, die jedes dieser Verbrechen direkt vor Gott bringen. Die Verbrecher können also der Strafe nicht entgehen, auch dann, wenn es sich um Vergehen handelt, die nur in Gedanken geschehen.

Warum müssen Verführungen kommen?

Diese Frage beantwortet Jesus hier nicht. Vermutlich setzt er voraus, dass die Jünger mit der Geschichte Israels, insbesondere der Wüstenwanderung vertraut waren, die genau diesen Zweck hatte. Im Rückblick erklärt Mose, warum die Wüstenwanderung nötig war:

HERR prüfte, demütigte dich in d. Wüste, um dein Herz u. Gehorsam zu prüfen 5Mo 8,2-3

Weitere Stellen aus der Zeit, wo die Prüfung durch Versuchungen explizit erwähnt wird:

Wasser ungenießbar, Volk murrt, Mose betet, HERR gibt Wasser, prüfte Volk 2Mo 15,23-25
Auf falsche Propheten nicht hören, denn Gott prüft euch, ob ihr Ihn liebt 5Mo 13,2-4

Anfechtungen/Versuchungen/Prüfungen gehören allgemein zum Glaubensleben. Siehe dazu http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/d0254_anfechtung_u.htm . Sie bewirken Übung, Bewährung, Reinigung und sind damit für die geistliche Reifung und zur Herausforderung des Glaubens notwendig. Deshalb lässt Gott sie zu:

Erprobe mich, HERR, und prüfe mich; läutere meine Nieren und Herz Psm 26,2
Viele werden geprüft, gereinigt und geläutert werden Dan 12,10
Es muss Spaltungen geben, damit die Rechtschaffenen offenbar werden 1Ko 11,19
Versuchung=Freude: Bewährung => Ausharren => Vollkommenheit Jak 1,2-4
Glückselig der Vers. erduldet: Nach Bewährung: Siegeskranz des Lebens Jak 1,12
Anfechtungen, damit Glaube sich als echt und wertvoll erweist 1Pt 1,6-7
Lasst euch durch Prüfungsfeuer nicht befremden; freut euch auf Herrlichk. 1Pt 4,12-13

Mat 18,8-9 Selbstschutz gegen Verführungen

Wer andere verführt, muss mit Strafe rechnen. Aber wer sich verführen lässt, macht sich ebenfalls schuldig.

Was bedeuten die Maßnahmen Hand, Fuß oder Auge zu amputieren? Sind sie wörtlich gemeint?

Hand oder Fuß sind nicht die Ursachen der Versuchung, sondern die Glieder, die nach der Kapitulation vor der Versuchung die Sünde ausführen. Die Augen sind auch nicht die Ursachen, sondern ein Weg, auf dem die Versuchung uns erreicht.

Allerdings beseitigt das Amputieren nur eines Gliedes nicht die Versuchung und macht Sünde nicht unmöglich. Außerdem würde der Verlust dieser Glieder auch gute Taten einschränken oder unmöglich machen. Es gibt in der Bibel keinerlei Hinweis, dass jemals jemand eine derartige Amputation praktiziert hat. Wir dürfen also hier davon ausgehen, dass das nicht wörtlich gemeint ist. Die Körperteile stehen vielmehr stellvertretend für alle Medien, durch die Versuchung uns erreicht und alle Mittel, die es uns ermöglichen Sünde zu tun. Diese sollen wir beseitigen, auch wenn es schwer fällt und wir dadurch auf etwas verzichten müssen. Vgl.:

Zieht Chr. an, treibt nicht Vorsorge fürs Fleisch, dass Begierden wach werden Röm 13,14
Viele verbrannten öffentlich ihre Zauberbücher im Wert von 50000 Drachmen Apg 19,19

Kann Beseitigung von Versuchungsmitteln über ewiges Leben oder Hölle entscheiden?

Das würde vielen Aussagen der Bibel widersprechen, die Verdammnis oder Rettung allein vom Glauben an Jesus abhängig machen (Joh 3,16 / Joh 5,24 / Röm 3,23-24). Wir gehen deshalb davon aus, dass Jesus hier keine Aussage über die heilsentscheidende Bedeutung bestimmter Maßnahmen zur Sündenvermeidung machen, sondern folgendes zum Ausdruck bringen will:

Wer ewiges Leben haben will und deshalb an Jesus glauben und ihm nachfolgen will, der kann das nur tun, wenn er auch nach Heiligung strebt und dazu auf vieles verzichtet, was Sünde begünstigt. Wer das nicht will, der kann Jesus nicht nachfolgen. Er muss auf die Gemeinschaft mit Jesus und das ewige Leben verzichten und in Kauf nehmen, dass er die Strafe für seine Schuld in der Hölle tragen muss. Vergl. dazu auch Mat 16,24-26.

Mat 18,10-14 Wie Gott für die Gläubigen sorgt und verirrte zurückbringt

Gott sind die Glaubenskinder so wichtig, dass er sich intensiv um jedes einzelne bemüht. Deshalb haben sie Engel, die als Anwälte ihre Anliegen vor Gott vertreten und direkten Zugang zu ihm haben.

Vers 11, der in den Handschriften fehlt, die der aktuelle Stand der Textforschung mit einiger Wahrscheinlichkeit für die dem Original am nächsten stehenden hält, liefert eine Einleitung für die Verse 12 bis 14. Vers 11 findet sich fast wörtlich auch in Lk 19,10 und inhaltlich ähnlich in Mat 20,28 und Mrk 10,45. Damit enhält Vers 11 nichts, was in der Bibel fehlen würde, falls er nicht zum Original gehört. Er betont lediglich: Jesus setzt die Bemühung Gottes um die gefährdeten und verlorenen Menschen auf der Erde um.

Gott sorgt für Glaubenskinder wie ein engagierter Schäfer für seine eigenen Schafe (vgl. Joh 10,1-15). Er nimmt auch emotional an ihrem Ergehen teil. Wenn eines dieser Schafe einmal durch ein Skandalon verführt wird und auf den falschen Weg gerät, verdammt Gott es nicht, sondern geht ihm nach und versucht es wieder auf den richtigen Weg zu bringen.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:25