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 Matthäus Vorbereitung auf die Kreuzigung und Lehre der Jünger

Mat 18,15-20 Umgang mit Sünde in der Gemeinde

Mat 18,15-17 Zurechtweisung in der Gemeinde

Um welche Sünde geht es?

Der Text ist an dieser Stelle uneinheitlich überliefert. In den meisten Handschriften steht: "wenn dein Bruder an dir sündigt". In den ältesten, z. B. Codex Sinaiticus und Codex Vaticanus, fehlt das "an dir" oder "gegen dich". Die Handschriften, in denen die zwei Wörter fehlen, sind allerdings deutlich weniger zahlreich. In der griechischen Textausgabe "The Greek New Testament", 4th revised edition, der Deutschen Bibelgesellschaft und der United Bible Societies fehlt das "an dir", d. h. die Textforscher nehmen an, dass es im Original auch gefehlt hat. Allerdings bewerten sie die Sicherheit dieser Annahme mit {C} auf einer Skala von {A} bis {D}, d. h. relativ unsicher.

Beim Vergleich mit anderen Bibelstellen ergeben sich folgende Aspekte:

Ob das "an dir" im Original gefehlt hat, oder nicht, ist also unerheblich. Beides ist von der Aussage her richtig und im Einklang mit ähnlichen Bibelstellen.

Wer ist "dein Bruder"?

Das griechische Wort "adelfos" konnte neben dem leiblichen Bruder im weiteren Sinn auch einen entfernteren Verwandeten bezeichnen, sowie ein Mitglied einer Lebensgemeinschaft, wie z. B. ein Mitglied eines Stammes, einen Landsmann (vgl. Apg 3,22 / Apg 7,23 / Röm 9,3), einen Nachbarn.

Im Zusammenhang hier, wo Jesus zu seinen Jüngern spricht, können wir davon ausgehen, dass damit ein Jünger Jesu gemeint ist (vgl. Mat 12,50 / Mat 28,10 / Mrk 10,29-30 / Joh 20,17-18 / Apg 12,17 / Röm 8,29 / Heb 2,11 / Röm 16,14 / 1Ko 1,10). Für Frauen gilt das ebenfalls (Mat 12,50 / Gal 3,26-28).

Was ist der Zweck der Zurechtweisung?

"Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. " Es geht also nicht darum selbst besser dazustehen, sich über andere zu erheben, sie zu verurteilen oder zu verachten, sondern sie zu gewinnen, d. h. die durch die Sünde gestörte Beziehung zu Jesus und evtl. zu mir wiederherzustellen. Wer hingegen beim Zurechtweisen eine falsche Gesinnung hat, dem sagt Jesus das Wort vom Balken im eigenen Auge (Mat 7,1-5).

Die Einleitung "Wenn dein Bruder ... sündigt ..." macht deutlich, dass es um eindeutige Sünde geht, d. h. einen Verstoß gegen ein Gebot Gottes, und nicht nur um ein Verhalten, das mir nicht passt.

Die Stufen der Zurechtweisung

Entsprechend dem Ziel des Gewinnens soll die Zurechtweisung in drei Stufen erfolgen. Zunächst geschieht sie nur unter vier Augen, damit der andere nicht bloßgestellt wird. Dies soll erst bei beharrlicher Uneinsichtigkeit geschehen, zunächst nur mit zwei oder drei Zeugen. Jesus wendet hier ein Prinzip an, das im AT-Gesetz für Gerichtsverhandlungen galten (5Mo 19,15). In keinem Fall soll über ihn in seiner Abwesenheit vor anderen gesprochen werden. Wenn ich das tue zeigt das meine falsche Gesinnung. Dann bin ich nicht daran interessiert, den anderen zu gewinnen, sondern mich selbst als besser darzustellen oder gar den anderen zu missbrauchen um spektakuläres Infotainment zu verbreiten, weil man sich immer selbst gut in den Mittelpunkt stellen kann, wenn man etwas Beachtliches zu erzählen hat.

Wie ist mit einem beharrlichen Sünder umzugehen?

Der Sünder ist in diesem Fall wie ein Heide und Zöllner zu betrachten. Heiden (Angehörige fremder Völker, die an den Gott Israels nicht glaubten) und Zöllner (Kollaborateure der Besatzungsmacht, Ausbeuter) waren von der Gemeinschaft ausgeschlossen (vgl. Apg 10,28 / Mat 9,10-11). Auch Paulus ordnet den Gemeindeauschluss für uneinsichtige Sünder an (1Ko 5,1-13 / 2Th 3,6+14-15). Das gilt aber wirklich nur für solche die uneinsichtig sind. Solchen, die ihre Tat bereuen, sollen wir vergeben (Luk 17,3-4 / Mat 18,21-22 / 2Ko 2,5-8).

Wenn jemand als Heide oder Zöllner behandelt wird, bedeutet das aber trotzdem, dass man sich weiter um ihn bemüht und ihn wieder aufnimmt, wenn er umkehrt. Auch Jesus hat sich gerade auch den Zöllnern und Heiden zugewendet (Mat 8,5-13 / Mat 15,21-28 / Mat 9,9-13 / Luk 18,13-14 / Luk 19,2-10).

Mat 18,18-20 Himmlische Autorität der Jünger

Hier wird der ganzen Gemeinde die Verheißung gegeben, die vorher schon Petrus gegeben wurde (Mat 16,18-19). Der Zusammenhang ist hier aber ein anderer. Bei Petrus steht die Aussage im Zusammenhang damit dass Jesus ihm die Schlüssel des Himmelreichs gibt. Petrus ermöglicht also Menschen ins Himmelreich zu kommen. Hier jedoch ist der Zusammenhang die Zurechtweisung in der Gemeinde.

In beiden Zusammenhängen geht es aber darum, dass die Jünger mit Gottes Autorität und Vollmacht handeln. Ihr Handeln an sündigenden Menschen ist Gottes Handeln, wenn es nach den hier von Jesus angegebenen Regeln geschieht. Maßnahmen der biblischen Gemeindezucht haben Gültigkeit vor Gott. Durch Zurechtweisung innerhalb der Gemeinde können Menschen von Sünde gelöst werden. Wenn sie jedoch nicht gehorsam sind, kann das zur Bindung an Satan führen. Das bedeutet jedoch nicht den Verlust der ewigen Rettung (1Ko 5,1-5 / 1Ti 1,18-20).

Ebensolche weitreichenden Auswirkungen bis in den Himmel hat auch das gemeinsame Gebet für ein gemeinsames Ziel von Glaubensgeschwistern. Das Gebet bewirkt eine Erhörung bei Gott im Himmel, und zwar deshalb weil Jesus dabei ist (vgl. 1Ko 5,4) und somit quasi mitbetet. Die Zahl der versammelten Beter ist dabei unerheblich. Die Verheißung gilt selbst für eine minimale Anzahl an Teilnehmern. Entscheidend für die Erhörung ist vielmehr, dass die Versammlung in Jesu Namen geschieht, d. h. dass sie auf der Grundlage der Lehre Jesu und im Einklang mit seinen Prinzipien und Geboten handelt.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:25