Anzeigefenster für Bibeltexte: dieses   eigenes   jeweils neues
  bei Verlassen der Seite Zusatzfenster schließen
 

 Matthäus Vorbereitung auf die Kreuzigung und Lehre der Jünger

Mat 19,16-26 Die Frage des Reichen nach dem ewigen Leben

Wieder berichtet uns Matthäus ein Ereignis, das das Weltbild der Jünger auf den Kopf stellt.

Mat 19,16-22 Das Gespräch zwischen dem Reichen und Jesus

Die Frage des reichen jungen Mannes zeigt, dass er meint, sich durch gute Taten das ewige Leben verdienen zu können. Dies ist jedoch eine völlig falsche Denkweise (Eph 2,8-9 / Röm 3,19-20+23+28 / Gal 3,10-11+21-22). Das macht Jesus ihm im folgenden Gespräch klar. Zunächst macht Jesus deutlich, dass ein Mensch gar nichts wirklich Gutes tun kann, weil er Sünder ist (1Mo 8,21 / Psm 51,5-7 / Mat 12,33-35 / Röm 3,9-12 / Röm 7,18). Nur Gott ist wirklich gut.

Aber Gutes zu tun erwartet Gott auch gar nicht. Er gestattet den Zugang zum ewigen Leben auch dann, wenn man nichts Gutes tut, sondern "nur" seine Gebote einhält (3Mo 18,5 / Gal 3,12), was allerdings niemand schafft (Röm 3,19-20 / Gal 3,10). Das hätte der junge Mann eigentlich wissen sollen. Möglicherweise wusste er es auch, sah sich vielleicht von den über 600 Geboten des AT überfordert und wollte nun wissen, welche denn ausreichen würden. Jesus nennt nur einige wichtige als Beispiele. Irgendwie hatte der junge Mann wohl eine Ahnung, dass das Halten dieser Gebote aus Gottes Sicht nicht reicht. Er verspürte trotz des Haltens dieser Gebote einen Mangel ihn seinem Leben und in seiner Beziehung zu Gott. Deshalb fragt er danach, was sonst noch fehlt. Die Antwort Jesu führt ihm nun endlich seine Unzulänglichkeit vor Augen. Denn dieses Gute, das Jesus zu tun von ihm fordert, ist er nicht bereit zu tun. Er liebt seinen Besitz und damit sich selbst mehr als die Armen und hält damit das Liebesgebot, das Jesus ihm direkt vorher genannt hat (3Mo 19,18), nicht ein. (Vgl. dagegen den ebenfalls reichen Zachäus: Luk 19,2-8)

Einige deuten sein Festhalten am Besitz sogar so, dass sein Besitz in seinem Leben höchste Priorität hat, somit die Stelle Gottes einnimmt und er daher das erste Gebot (2Mo 20,1-5 / 5Mo 6,4-5) nicht einhält. Vgl. auch Mat 6,24 / Luk 6,13 / Kol 3,5-9 / Eph 5,3-7. Diese Deutung geht aber möglicherweise zu weit und tut dem Mann unrecht, zumal Jesus ihm das erste Gebot nicht aufzählt, was er sicher in seiner Allwissenheit getan hätte, wenn das bei dem Mann das Hauptproblem gewesen wäre.

Mat 19,23-26 Das Gespräch zwischen Jesus und den Jüngern

In dem Kommentar gegenüber seinen Jüngern macht Jesus nochmals deutlich, dass es für einen Reichen unmöglich ist, durch seine guten Werke ins ewige Leben im Reich Gottes zu kommen.

In Vers 24 steht für "kamälon" = Kamel in einigen Handschriften "kamilon" = Schiffstau. Diese sind aber wenige und stammen aus dem 8. Jahrhundert oder später. Daher sind die Textforscher sehr sicher, dass im Original "Kamel" stand. Das gleiche gilt übrigens auch für die Parallelstellen in Mrk 10,25 und Luk 18,25. Es sieht also so aus, als hätten spätere Abschreiber "Kamel" für unplausibel und einen Abschreibfehler gehalten und deshalb zu "Schiffstau" korrigiert. Das Kamel kommt auch in Mat 23,24 als Bild für etwas Großes vor.

Die entsetzte Reaktion der Jünger ist darauf zurückzuführen, dass man damals der Auffassung war, dass Reichtum ein Segen Gottes aufgrund der Verdienste guter Werke war. Wenn also die Reichen, die schon so gut sind, dass Gott sie mit Reichtum gesegnet hat, nicht gerettet werden, wie sollten es dann die anderen schaffen, die ein geringeres Gute-Werke-Niveau haben? Auch wenn die Regel "gute Werke => Wohlstand" und "Wohlstand = Belohnung für gute Werke" nicht richtig ist, so stimmt doch die Schlussfolgerung der Jünger, dass keiner sich retten kann.

Die Antwort Jesu macht deutlich, dass die Jünger ihn hier richtig verstanden haben. Es ist nicht etwa für weniger Reiche leichter ins Reich Gottes zu kommen, sondern es ist für alle Menschen unmöglich, dies aus eigener Kraft durch gute Werke zu schaffen.

Dies erinnert an eine frühere Aussage Jesu, wo er ebenfalls die vermeintlich Guten vom Himmelreich ausschließt, nämlich die Schriftgelehrten und Pharisäer (Mat 5,20).

Der Eintritt ins ewige Leben ist nur durch Gottes rettendes Eingreifen möglich. Wie dieses Erlösungswerk Gottes aussieht, führt Jesus hier nicht näher aus. Dazu sagt er zu anderen Gelegenheiten etwas mehr (Mat 17,22-23 / Mat 20,17-19+28 / Joh 10,11-15).

Muss jeder Christ seinen ganzen Besitz verkaufen und den Armen geben?

An anderen Stellen mit Bezug zu Reichen wird das nicht gefordert und auch nicht praktiziert: Luk 19,8-10 / Apg 5,1-4 / 1Ti 6,17 / Jak 1,9-11.

Die Forderung richtet Jesus nur hier an den jungen Mann, um ihm damit deutlich zu machen, dass er sich das ewige Leben nicht selbst verdienen kann, bzw. will. Außerdem hatte der Besitz in seinem Leben möglicherweise eine falsche Priorität.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:25