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 Matthäus Vorbereitung auf die Kreuzigung und Lehre der Jünger

Mat 19,27 - 20,16 Der Lohn der Nachfolge

Mat 19,27-30 Die Frage nach dem Lohn der Nachfolge

Petrus nimmt Bezug auf den reichen jungen Mann, der seinen Reichtum nicht abgeben und Jesus nicht nachfolgen wollte. Die Jünger hingegen haben das getan. Petrus will wissen, was sie davon haben.

Jesus nennt folgende Aspekte:

Der erste Punkt geschieht bei der "Wiedergeburt" (Mat 19,28). Dieser Begriff, gr. "palingenesia", kommt nur hier und in Tit 3,5 vor. Dort bezieht er sich jedoch auf die gläubig gewordenen Menschen, während er sich hier offenbar auf ein Ereignis in der Heilsgeschichte bezieht, das stattfindet "wenn der Menschensohn auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird" (Mat 19,28). Das findet wohl zu Beginn des 1000jährigen Friedensreichs statt (vgl. Off 19,11-16 / Off 20,1-6). Dabei kommt es zu einer Wiederherstellung des Volkes Israel, sowohl in Bezug auf das Königreich, das dann der Messias regieren wird, als auch in moralischer Hinsicht (Jes 2,2-4 / Jes 11,1-13 / Jer 23,5-8 / Jer 33,6-9).

In 1Ko 6,3 wird erwähnt, dass auch die Gläubigen, die nicht zu den 12 Aposteln gehören, Gerichtshoheit bekommen werden, und zwar über Engel. Auch 2Ti 2,12 deutet eine Herrschaft für Christen an: "Wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen".

In den Parallelstellen Mrk 10,29-30 und Luk 18,29-30 wird ergänzt, dass das Empfangen auch schon auf der Erde stattfindet: "jetzt in dieser Zeit".

Man kann den Lohn aber nicht gezielt beeinflussen oder durch besonderen Einsatz steigern. Das Maß des Lohns der Nachfolge wird vielmehr für einige überraschend sein, wie Jesus mit dem Wort von den Ersten und Letzten in Mat 19,30 deutlich macht. Was er damit meint, erklärt er in dem dann folgenden Gleichnis.

Mat 20,1-16 Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

Die Letzten in der Nachfolge können Erste in der Belohnung sein und umgekehrt. Aus der eigenen geistlichen Leistung können wir keinen Anspruch auf Belohnung ableiten. Die Belohnung entspricht nicht unbedingt der zeitlichen Länge oder der Leistung in der Nachfolge. Gott ist gnädig und schenkt jemandem, der erst spät zu Jesus kam oder nicht so viel geleistet hat, möglicherweise das Gleiche wie jemandem, der lange im Dienst Jesu stand.

Wir haben nicht das Recht auf andere neidisch zu sein oder Gott wegen der Vergabe von Segnungen an uns und andere zu kritisieren. Gott verspricht uns Lohn, aber wir haben keinen Anspruch auf eine bestimmte Menge oder Art des Lohns. Alle Belohnung ist Gottes Gnadengabe.

Die Maßstäbe für Erste und Letzte sind im Reich Gottes andere als in der Welt und stehen meist sogar zu ihnen im Gegensatz.

Mit dem Gleichnis richtet sich Jesus insbesondere an die Apostel, die als Erste und Längste in der Nachfolge möglicherweise neidisch werden, wenn sie später sehen, dass andere, die erst spät zu Jesus kommen, den gleichen Lohn empfangen.

Mit dem Satz: "So werden die Letzten Erste und die Ersten Letzte sein" beschließt Jesus das Gleichnis und bezeichnet es so als Erklärung dafür, was er in Mat 19,30 damit meint.

Es gibt eine Auslegung, die in den Ersten, die zu Letzten werden, das Volk Israel und in den Letzten, die zu Ersten werden, die Nichtjuden sieht, die zum Glauben kommen. Israel hatte durch seine Auserwählung als Erste das Evangelium gehört, aber es mehrheitlich nicht angenommen. Deshalb ging das Evangelium auch zu den Nichtjuden (vgl. Röm 9-11 / Apg 3,25-26 / Apg 13,46 / Apg 18,6). Israel wird mehrfach mit einem Weinberg verglichen (Jes 5,1-7 / Jer 12,10-15 / Mat 21,33-43). Auch wenn diese Aspekte richtig sind, so können sie nicht in diesem Gleichnis gesehen werden, denn der Zusammenhang, in dem Jesus das Gleichnis erzählt, ist die Frage von Petrus nach dem Lohn der Nachfolge (Mat 19,27-30). Nichtjuden spielen in dem Zusammenhang gar keine Rolle.

Am Ende des Abschnitts folgt in einigen Übersetzungen noch ein Teilsatz: "denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte". Dieser fehlt in den ältesten Handschriften, ist jedoch in sehr vielen anderen enthalten. Es wird von den Textforschern relativ sicher angenommen, dass der Teilsatz im Original nicht enthalten war. Auch die meisten Übersetzer schließen sich dieser Meinung an. Daher fehlt der Teil meist. Einige Übersetzungen weisen in Fußnoten darauf hin.

Der Teilsatz kann im Zusammenhang des Gleichnisses bedeuten: Viele sind dazu berufen, Jesus nachzufolgen und für das Reich Gottes zu arbeiten, aber wenige sind dazu auserwählt, einen unerwartet hohen Lohn dafür zu erhalten.

Der Satz findet sich auch in Mat 22,14 am Ende des Gleichnisses von der königlichen Hochzeit, wo die Geladenen die Einladung ablehnten, dann Leute von der Straße eingeladen wurden und einer davon ausgeschlossen wurde, weil er keine hochzeitliche Kleidung trug. Die Berufenen sind dann die Eingeladenen, die Auserwählten diejenigen, die am Ende an der Hochzeit teilnehmen.

Die Zusammenhänge sind also ganz verschieden. Zwar folgt der Satz in beiden Fällen auf ein Gleichnis. Aber in Mat 20,16 wird niemand ausgeschlossen, in Mat 22,14 jedoch schon. Der Satz passt dort also besser. Es könnte sich aber um ein Sprichwort handeln, dass häufiger in verschiedenen Zusammenhängen verwendet wurde, wo das das von Gott bewirkte verschiedene Ergehen unterschiedlicher Menschengruppen eine Rolle spielte.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 28.04.2020 10:32:37