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 Matthäus Letzte Tage bei und in Jerusalem

Mat 20,29-34 Heilung zweier Blinder in Jericho

Die Blinden

Die Blinden haben offensichtlich von Jesus gehört und halten ihn für den Messias (Sohn Davids). Sie trauen ihm das Unmögliche zu. Für sie ist das eine einzigartige Gelegenheit, von der Blindheit und all ihren sozialen Folgen (Armut, Isolierung) befreit zu werden. Danach sehnen sie sich so sehr, dass sie sich nicht einschüchtern lassen und nicht aufgeben, bis Jesus sich ihnen zuwendet.

Das neue Leben, das sie durch die Heilung bekommen, stellen sie sofort Gott zur Verfügung, indem sie Jesus nachfolgen. Sie sind in ihrem Glauben und ihrer Beharrlichkeit Vorbilder.

Die Volksmenge

Die Volksmenge fühlt sich durch das Geschrei der Blinden gestört im Lauschen auf Jesu Reden oder vielleicht in den Diskussionen über ihn. Die Not der Blinden interessiert sie nicht. Sie haben kein Verständnis für deren Hilferufe. Ihre Herzen sind den Blinden gegenüber kalt und egoistisch.

Jesus

Jesus überhört die Hilferufe nicht. Er wendet sich den Armseligen zu und unterbricht dafür die Belehrungen seiner Jünger oder seine engagierten Gespräche. Die Not anderer Menschen lässt ihn nicht kalt. Er wurde "innerlich bewegt". Hier zeigt sich seine Einstellung als Diener (vgl. Mat 20,28).

Fragen

Unterschiede in den Parallelstellen Mrk 10,46-52 und Luk 18,35-43

Gemeinsamkeiten:

Unterschiede:

Zunächst stellt sich wegen der Unterschiede die Frage, ob es sich um das gleiche Ereignis handelt, das hier in den drei Evangelien berichtet wird. Solche Unterschiede könnten grundsätzlich auch dadurch erklärt werden, dass es sich um verschiedene Ereignisse handelte. Bei der Vielzahl der Gemeinsamkeiten hier, insbesondere bei Ort, Zeit und Dialogen, müssen wir aber wohl davon ausgehen, dass es sich in allen drei Evangelien um dasselbe Ereignis handelt.

Der Unterschied bei der Zahl der Blinden muss kein Widerspruch sein. Möglicherweise wird in Mrk und Luk nur der Wortführer der beiden erwähnt. Möglicherweise war er zur Zeit als Mrk verfasst wurde, den Lesern bekannt und wird deshalb dort mit Namen genannt.

Die Unterschiede bei der Art der Heilung sind auch kein Widerspruch. Jesus kann beides gleichzeitig getan haben, wovon jeweils nur eine Handlung erwähnt wird. Am schwierigsten ist der Unterschied beim Ort, einmal beim Eingang, zweimal beim Ausgang aus Jericho. Eine Erklärung ist, dass "als er sich Jericho näherte" auch übersetzt werden kann mit "als er sich in der Nähe von Jericho befand". Aber unter ca. 20 Übersetzungen verschiedener Sprachen habe ich nur eine Übersetzung gefunden, die das so ähnlich wiedergibt. Die meisten Übersetzer teilen diese Meinung also nicht. Es gibt auch die Deutung, dass das Ereignis sich zwischen einem alten und einem neuen Stadtteil von Jericho abgespielt haben könnte. Aber ob diese so getrennt waren, dass für den Weg dazwischen eine solche Wortwahl in Frage kam, ist zu bezweifeln, so dass diese Deutung nicht überzeugt. Die Frage nach dem genauen Ort des Ereignisses bleibt damit leider offen, es sei denn, man geht doch von zwei verschiedenen Ereignissen aus.

Warum wird dieses Ereignis hier berichtet?

Es gibt viele Berichte von Heilungen. Die letzten Kapitel des Matthäus-Evangeliums legten aber den Schwerpunkt auf Lehren für die Jünger. Die letzte Heilung wurde in Mat 17,14-20 berichtet. Warum wird diese Heilung nun hier erwähnt?

Es fällt auf, dass sowohl hier in Mat 20,30, als auch im nächsten Abschnitt, beim Einzug in Jerusalem in Mat 21,9, der Messiastitel "Sohn Davids" vorkommt. Es geht also jetzt auf den Höhepunkt zu, wo es zur Entscheidung kommt, ob Jesus als Messias anerkannt wird und was man vom Messias erwartet. Die Blinden hier und einige der Leute, die Jesus beim Einzug in Jerusalem folgen, sehen ihn als den Messias an und trauen ihm deshalb viel zu.

Warum stellt Jesus die Frage: "Was wollt ihr ...?"

Natürlich wusste Jesus vorher, was sie wollten. Möglicherweise war ihnen ihre Absicht, mit der sie nach Jesus riefen, selbst noch nicht ganz klar. Sie glaubten vielleicht an Jesus als Messias, waren aber noch nicht sicher, ob sie deshalb eine Heilung erwarten konnten. Normalerweise bettelten Behinderte am Weg um Almosen, da sie aufgrund ihrer Behinderung ihren Lebensunterhalt nicht selbst verdienen konnten und es auch keine staatlich organisierte Sozialunterstützung gab. Jesus wollte sie herausfordern sich über ihren Glauben klar zu werden, indem sie ihn verbal formulieren. Die Frage Jesu erinnert auch an die Tatsache, dass Gott trotz seiner Allwissenheit zum Gebet auffordert (vgl. Mat 6,7-13).

Was bedeutet die Art der Heilung?

Von Jesus als Person geht heilende Kraft aus (vgl. Mrk 5,25-30). Er muss nicht erst wie ein Arzt aufwändige Behandlungen durchführen, sondern heilt sofort vollständig durch eine einfache, kurze Berührung.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

Fragen und Korrekturen bitte an:

Generiert am 01.06.2020 17:58:25