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 Matthäus Letzte Tage bei und in Jerusalem

Mat 21,17-22 Der verdorrte Feigenbaum und das Glaubensgebet

12/2019

Jesus übernachtete außerhalb von Jerusalem in Betanien, wahrscheinlich weil wegen der vielen Pilger, die zum Passahfest gekommen waren, kein Platz in den Herbergen war. Er hatte ja Freunde in Betanien, bei denen er wahrscheinlich übernachtete (Joh 11,1-5 / Joh 12,1-2).

Matthäus fasst die Verfluchung des Feigenbaums und die Reaktion und Belehrung der Jünger zu einem Ereignis zusammen. Markus geht mehr ins Detail und beschreibt, dass das Verdorren des Feigenbaums von den Jüngern erst am nächsten Tag bemerkt wurde, woraufhin Jesus seine Erklärung dazu gibt. Außerdem ergänzt Markus, dass zu der Jahreszeit gar keine Feigen zu erwarten waren. (Mrk 11,12-14 / Mrk 11,20-25)

Dieser Abschnitt wirft viele Fragen auf:

Warum erwartet Jesus Feigen, obwohl er von der Jahreszeit her damit nicht rechnen konnte?

Eine mögliche Erklärung wäre die, dass Jesus dieses Suchen nach Früchten als Symbol demonstrieren will. Die symbolische Handlung kann unabhängig davon sein, ob gerade Erntezeit für Feigen ist, oder nicht. Vor und nach der Feigenbaumaktion ist er mit den ablehnenden Führern des Volkes konfrontiert. An anderer Stelle benutzt er auch den Feigenbaum als Gleichnis für den geistlichen Zustand des Volkes (Luk 13,6-9 / vgl. Joel 1,6-7)

Warum verflucht und zerstört er den Feigenbaum?

Jesus tut hier vor seinen Jüngern sein einziges Gerichtswunder. Da er hier aber einen Feigenbaum verflucht, den man nicht für seine fehlenden Früchte verantwortlich machen kann, dürfte diese Handlung wohl symbolischen, belehrenden Charakter haben. Da Jesus in seiner Antwort an die Jünger nicht auf die symbolische Bedeutung, sondern nur auf den übernatürlichen Aspekt dieses Vorgangs und das Gebet eingeht, muss man zur Deutung danach forschen, wie das Bild von der Frucht und Unfruchtbarkeit normalerweise verstanden wurde. Einige Beispiele:

Israel des HERRN Weinberg; wegen schlechter Frucht, lässt Er ihn zerstören Jes 5,1-7
Götzendienst Israels: Gottes Strafe: Ich veröde Weinstock und Feigenbaum Hos 2,8-15
Israel wie Trauben und Feigen; Wegen Götzendienst verhindert Gott Frucht Hos 9,10-17
Tag des HERRN: Weinstock = Wüste, Feigenbaum zerknickt, verwelkt Joel 1,1-15
Ich ließ ..., Feigen von Heuschrecken fressen; dennoch kehrt ihr nicht um Amos 4,9
Unfruchtbarer Feigenbaum, der abgehauen wird = Tod, wenn fehlende Buße Luk 13,1-9
Jesus = Weinstock, Jünger = Reben; wenn nicht am W. bleiben, verdorren sie Joh 15,1-8
Land, das Disteln bringt ist unbrauchbar, dem Fluch nahe, der Verbrennung Heb 6,4-8

Früchte sind also normalerweise die guten Taten, die aus dem Glauben oder der Umkehr (Buße) kommen sollen. Die von Gott verursachte Unfähigkeit gute Taten tun zu können, kann Resultat von Gottes Strafe sein, die erfolgt weil der Betroffene zuvor keine guten Taten tun wollte oder sich von Gott abgewandt hat (Röm 1,18-32, insbes. 24,26,28).

Aber in den Stellen oben kommen Feigenbäume auch ohne symbolische Bedeutung vor. Ihre Zerstörung ist einfach Folge von Gottes Gericht und führt zu ensprechendem Mangel an Nahrungsmitteln.

Da dieses Ereignis zwischen zwei Gesprächen mit den Führern und Schriftgelehrten des Volkes berichtet wird, kann man annehmen, dass der Feigenbaum als Symbol auch im Hinblick auf sie gemeint ist. Sie hielten sich für fromm und in Gottes Gunst stehend, aber ihre Frömmigkeit war nur äußerlich (Mat 15,1-9): Bäume mit vielen Blättern, aber ohne Früchte (vgl. 2Ti 3,4-5 / Tit 1,16). Der Feigenbaum symbolisiert sowohl ihren fruchtlosen Zustand, als auch das Gericht, das sie erwartet.

Ob es korrekt ist, aus diesem Ereignis eine symbolische Handlung mit diesem prophetischem Inhalt zu sehen, obwohl Jesus selbst diesen Bezug nicht verbal herstellt, darüber lässt sich streiten. Dagegen spricht auch, dass Jesus das Wunder nicht in Gegenwart der kritisierten theologischen Leiter, sondern nur seiner Jünger tut. Man kann es also nur als Warnung an die Jünger verstehen. Aber selbst das, ist unwahrscheinlich, weil Jesus keine Ermahnung an seine Jünger ausspricht. Er benutzt nur das Erstaunen der Jünger, um sie über die großartigen Möglichkeiten des gläubigen Gebets zu belehren.

Warum nennt Jesus so ein abwegiges Beispiel eines Gebets wie das Versetzen eines Berges?

Einige Ausleger sehen den Berg Zion als Sybmol für Israel und das Meer als die nichtjüdischen Nationen und somit das Werfen des Berges ins Meer als Prophezeiung für die Zerstörung Jerusalems durch die Römer und die anschließende Zerstreuung der Juden unter die Völker.

Diese Interpretation ist allerdings sehr spekulativ und damit abzulehnen, da Jesus selbst keinerlei Andeutung in diese Richtung macht. Er geht lediglich auf die Bedeutung für das gläubige Gebet ein.

Das abwegige Beispiel des Berges benutzt Jesus bereits in Mat 17,20.

Siehe dazu: Was ist der richtige Glaube?

Können wir wirklich mit der Erfüllung all dessen rechnen, was wir begehren? (Mat 21,22)

Die Betonung liegt hier auf dem Glauben: "was immer ihr im Gebet glaubend begehrt ..." Glaube ist in der Bibel nicht nur ein Für-wahr-Halten, sondern umfasst auch die Treue und den richtigen Respekt vor Gott. Somit bestimmt der richtige Glaube auch den Inhalt des Gebets in Gottes Sinn, nicht im Sinn der menschlichen Selbstsucht. Damit ist diese Aussage Jesu über die Gebetserhörung nicht bedingungslos, sondern passt zu allen anderen Aussagen der Bibel über Gebetserhörung, die auch Bedinungen nennen.

Siehe dazu folgende Bibelstellensammlungen: 

Es wird auch die Meinung vertreten, dass diese Verheißung Jesu sich an den begrenzten Kreis der Apostel richtet und auf die Apostelzeit begrenzt ist.


© Copyright 2020 Roland Hofmann

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Generiert am 01.06.2020 17:58:25