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 Matthäus Letzte Tage bei und in Jerusalem

Mat 21,23-23,39 Auseinandersetzung mit Kritikern

04/2020

Mat 21,23-27 Frage nach der Vollmacht Jesu

Jesus lehrt öffentlich im Tempel über Themen, die Gott betreffen. Als Mensch ohne offizielle theologische Ausbildung maßt er sich aus Sicht der theologischen Leiter damit eine Autorität an, die ihm nicht zusteht. In einer Kirche kann auch heute nicht irgendjemand kommen und predigen, oder in einer Universität eine Vorlesung halten, wenn er dazu nicht die Berufung und Erlaubnis von einem Gremium hat. Entsprechend fragt die Leitung der Juden Jesus nach seiner Berechtigung.

Jesus überrascht sie mit der Gegenfrage nach der Autorität Johannes' des Täufers. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten von wem die Autorität gegeben wurde, entweder vom Himmel (d. h. von Gott) oder von Menschen. Wenn sie von Gott kommt, dann sind seine Lehren irrtumslos, nicht anzuzweifeln, und man muss ihnen gehorchen, da Gott absolute Autorität hat. Wenn sie von Menschen kommt, dann kann sie fehlerhaft, von Irrtum behaftet oder sogar betrügerisch sein. Dann darf man zweifeln und muss kritisch prüfen und hinterfragen.

Die Tatsache, dass die Leiter Johannes nicht geglaubt haben, macht eigentlich schon deutlich, dass sie seine göttliche Autorität als Prophet nicht anerkennen. Auch Jesus beurteilen sie nicht anders.

Aber sie denken gar nicht daran, die Frage Jesu einfach wahrheitsgemäß zu beantworten. Stattdessen entwerfen sie ihre Antwort allein auf Grund strategischer Überlegungen. Ihnen kommt es nicht auf die Wahrheit an, sondern nur darauf, welche Wirkung sie mit ihrer Antwort erzielen. Diese Heuchelei beschreibt und verurteilt Jesus später ausführlich (Mat 23,5-28). Ihre Strategie zielt nur darauf ab, dass sie zu ihrer Meinung nicht stehen müssen (vgl. Joh 12,42-43). Sie wollen weder ihren Ungehorsam gegenüber der Botschaft des Johannes begründen müssen, noch vor dem Volk begründen, warum Johannes kein von Gott autorisierter Prophet gewesen ist. Offensichtlich haben sie für beides keine guten Argumente. Daher verstecken sie sich hinter ihrem angeblichen Nichtwissen und nehmen die Blamage dafür in Kauf, denn sonst präsentierten sie sich sicher als diejenigen die alles wussten, was die Theologie betrifft.

Diese Unehrlichkeit und Feigheit wird von Jesus mit der Nichtbeantwortung ihrer Frage bestraft. Aber im Grunde hat Jesus ihre Frage indirekt doch beantwortet: Die Quelle seiner Autorität ist die gleiche, wie die des Johannes.

Sie haben jetzt also ein weiteres Mal die Aufgabe zu entscheiden, ob sie einem Propheten Gottes glauben und gehorchen wollen. Vor dieser Frage steht jeder Mensch angesichts der Botschaft der Bibel und muss entscheiden, ob er ihr glauben will.

Jesus hat die Frage übrigens an anderer Stelle bei einer ähnlichen Gelegenheit direkt beantwortet: "Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat; wenn jemand dessen Willen tun will, wird ihm klar werden, ob diese Lehre von Gott ist ..." (Joh 7,14-17)

Mat 21,28-32 Gleichnis von den ungehorsamen Söhnen

Von den Versen 29-31 gibt es mehrere verschiedene Überlieferungsvarianten. Ihre wesentlichen Unterschiede bestehen darin, dass in einigen zuerst der anfängliche Nein-Sager in den anderen zuerst der lügnerische Ja-Sager genannt wird. Die Grundaussage bleibt aber immer gleich: Die Hohenpriester und Ältesten erkennen den anfänglichen Nein-Sager als den Gehorsamen. Die meisten Übersetzungen wählen die Version mit dem anfänglichen Nein-Sager zuerst. Nur die Menge-Übersetzung nimmt die andere.

Indem Jesus die Hohenpriester und Ältesten auffordert, das Verhalten der beiden Söhne zu beurteilen, und ihnen erst nachher erzählt, dass sie mit dem lügnerischen Ja-Sager gemeint sind, bringt er sie dazu, ihr eigenes Verhalten zu verurteilen. Das erinnert an die Art, wie auch Nathan David von seiner Sünde überführt hat (2Sa 12,1-9).

Zöllner und Huren waren nach Meinung der Juden die schlimmsten Sünder. Und natürlich ist ihr anfängliches Verhalten auch nicht zu rechtfertigen, denn sie verweigern zunächst barsch den Gehorsam Gott gegenüber. Diejenigen von ihnen, die sich von Johannes dem Täufer zur Umkehr ihres Lebenswandels haben bewegen lassen (vgl. Luk 3,12 / Luk 18,9-14 / Luk 19,2-10), stellt Jesus aber den selbstgerechten Leitern, die Johannes nicht geglaubt haben und nicht umgekehrt sind (vgl. Mat 21,25 / Luk 7,28-30), als Vorbilder hin.

Welchen Ungehorsam haben die Ältesten begangen, von dem sie hätten umkehren sollen? Die Priester waren meist Sadduzäer. Diese waren liberal, d. h. nahmen die Gebote Gottes nicht so ernst (vgl. Mat 22,23), und waren gegenüber hellenistischem, d. h. heidnischem Einfluss offen. Unter den erwähnten Ältesten waren aber auch Pharisäer, die das Gesetz vordergründig sehr ernst nahmen (vgl. Mat 22,34-36). Ihre Fehler hält Jesus ihnen in Mat 23,1-28 ausführlich vor. Unter den Schriftgelehrten, die er dort in die Kritik mit einbezieht, können auch Sadduzäer gewesen sein. Kernpunkt des Vorwurfs ist Heuchelei: Sie erwecken äußerlich den Anschein gottesfürchtig zu sein, aber in Wirklichkeit missachten sie den Kern seines Willens.

Weitere Informationen zum Reich Gottes, das die bekehrten Zöllner und Huren eher erreichen als die Ältesten, siehe http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/i0031_reich_gottes.htm

Mat 21,33-46 Gleichnis von den bösen Weinbergpächtern

Das Gleichnis

Jesus spricht weiter zu den Hohenpriestern und Ältesten (Mat 21,23). Die Geschichte, die Jesus hier erzählt, beginnt zunächst ganz normal.

Ein wohlhabender Herr (Hausherr, Gutsbesitzer, Grundbesitzer) investiert und baut einen kompletten Weinproduktionsbetrieb auf. Er stattet ihn mit allem aus, was damals zu einem solchen Betrieb gehörte. Aus der Wortwahl "pflanzte" (grundtextnahe Übersetzungen) lässt sich wohl schließen, dass auch die Weinstöcke gepflanzt sind und im kommenden Jahr bereits mit Früchten zu rechnen ist. Die weniger wohlhabenden Pächter, brauchen nicht mehr zu investieren und müssen sich um nichts mehr kümmern, als nur die Weinstöcke zu pflegen und zu ernten. Es ist vereinbart, dass die Pacht nicht in Form von Geld, sondern in Form eines Anteils an der Ernte ausgezahlt wird.

Am Zahltag allerdings, wird es sehr skurril. Sowohl die Pächter, als auch der Weinbergbesitzer verhalten sich völlig abnorm, so wie es in der Realität niemals passieren würde. Nicht nur zahlen die Pächter nicht, sondern sie misshandeln und töten sogar die Boten und am Ende den Sohn in der völlig abwegigen Annahme, sie könnten so den Weinberg erben.

Der Weinbergbesitzer dagegen ist so geduldig und gibt ihnen so viele Chancen, wie es ein menschlicher Herr niemals tun würde.

Wieder lässt Jesus durch seine abschließende Frage die Ältesten über sie selbst ihr eigenes Urteil fällen. Eigentlich hätten sie beim Hören des Geleichnisses schon sofort an Jesaja denken müssen (Jes 3,14 / Jes 5,1-7). Hier und an manchen anderen Stellen im Alten Testament wird Israel mit einem Weinberg verglichen, der von Gott gepflanzt wurde. Dass die Ältesten des Volkes die Weingärtner sind, die den Weinberg pflegen, ist sehr nahe liegend. Trotzdem verstehen sie das Gleichnis erst, als Jesus vom verworfenen Stein und vom Reich Gottes spricht, das ihnen weggenommen wird.

Das Zitat vom Eckstein

Das Zitat vom Eckstein steht in Psm 118,22-23. Die Ich-Person des Psalms spricht davon, dass sie von Feinden bedrängt wurde, die versuchten sie zu Fall zu bringen. Aber der HERR hat sie gerettet und sie will durch die Tore der Gerechtigkeit gehen. Das darf man wohl so verstehen, dass die Ich-Person der verworfene Stein ist und die Bauleute die Feinde. Also identifiziert Jesus sich mit dem Stein und die Ältesten des Volkes mit den Bauleuten. Bemerkenswert ist Psm 118,25-26: "Hosanna, ... gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN." Mit diesem Zitat wurde Jesus in Mat 21,9 beim Einzug in Jerusalem begrüßt und als Sohn Davids bezeichnet. Man kann also davon ausgehen, dass dieser Psalm damals als messianisch verstanden wurde. Jesus weist also die Ältesten des Volkes durch das Zitat darauf hin, dass sie dabei sind, den Messias, den Sohn Gottes (des Weinbergbesitzers) zu verwerfen.

Das Motiv des Ecksteins kommt auch in Jes 28,16 vor. Dort geht es im Zusammenhang um Ungehorsam und Unmoral der leitenden Leute, besonders auch der Priester und Propheten. Jesaja droht die Bestrafung durch ein fremdes Volk an, und dass das Recht wieder aufgerichtet werden wird durch einen kostbaren Eckstein, der vom HERRN gelegt wird. Wer an ihn glaubt muss keine Angst haben vor dem Gericht.

Im Neuen Testament wird der Eckstein erwähnt in

Diese Ablehnung des Messias durch die Leiter des Volkes bestraft Gott, indem das Reich Gottes (der Weinberg) von ihnen genommen wird und einem Volk gegeben wird, das seine Früchte bringen wird (Mat 21,43). Hier fällt auf, dass die primären Gesprächspartner zwar die Ältesten sind (Mat 21,23+45), aber Jesus von Volk/Nation spricht. Er sieht hier schon voraus, dass die Mehrheit der Bevölkerung ihn ablehnen wird (Mat 27,20-25). Das Reich Gottes kann man so verstehen, dass die Gegenwart Gottes, die sich im Gottesdienst des Tempels und in Jesus selbst zeigt (vgl. Lukas 17,20-21), weggenommen wird, indem erst Jesus in den Himmel fährt und im Jahr 70 n. Chr. Jerusalem zerstört und damit der Tempelgottesdienst beendet wird. Das Volk, dem es gegeben wird, ist die christliche Gemeinde (vgl. 2Pt 2,9-10 / Röm 9,22-26).

Mehr zu dem vielschichtigen Begriff des Reiches Gottes in http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/i0031_reich_gottes.htm

Die vorübergehende Verwerfung Israels und deren Ersatz durch die christliche Gemeinde wird in Röm 9-11 ausführlich behandelt.

Jesus gibt dann noch eine besondere Warnung vor einem unangenehmen Kontakt mit dem Stein (Mat 21,44). Was ist mit "wer auf diesen Stein fällt" und "auf wen er fällt" gemeint? Jesus beschreibt zwei Seiten des Gerichts. Er könnte dabei Bezug nehmen auf die Praxis der Steinigung, bei der der Delinquent zuerst hinabgestürzt (vgl. Luk 4,29) und anschließend gesteinigt wurde (vgl. Joh 8,59). Ein möglicher Bezug könnten auch die Steinschleudern der Römer sein, die bei der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 zum Einsatz kamen.

In Jes 8,12-15(-19) wird der HERR selbst zum Stein des Anstoßes für diejenigen in Israel, die an Aberglaube und Spiritismus festhalten.

In Dan 2,44-45, der Deutung des Traums Nebukadnezars, in dem eine Statue am Ende durch einen auf sie fallenden Stein zerstört wird, ist der Stein das ewige Reich Gottes, das alle menschlichen Reiche ersetzen wird.

Der erste Teil, "wer auf diesen Stein fällt", beschreibt die Ungläubigen und Feinde Jesu, die an ihm Anstoß nehmen und dadurch schon jetzt zu Schaden kommen. Der zweite Teil "auf wen er fällt" könnte den Schwerpunkt auf das spätere Gericht legen. Während seines Aufenthalts auf der Erde ist Christus der Stein über den Menschen fallen, die ihn ablehnen. Der verherrlichte Christus als Richter wird der Stein sein, der auf Menschen fällt.

Was sagt der Abschnitt uns heute?

Allgemeine Prinzipien der Beobachtungen aus dem Text:

Mat 22,1-14 Gleichnis vom Hochzeitsmahl

Jesus verdeutlicht den gleichen Sachverhalt jetzt noch mit einem weiteren Gleichnis. Auch hier, wie im Gleichnis von den Weinbergpächtern, verhalten sich die Parteien wieder völlig absurd, wie es im realen Leben nie passieren würde.

Hier wird das Handeln Gottes auf der Erde als Himmelreich bezeichnet, d. h. wie Gott als König (Psm 10,16 / Jes 44,6), der im Himmel seinen Thron hat (Jes 66,1), auf der Erde wirkt.

Die Weigerung der Eingeladenen zu kommen

Aus Vers 3 lässt sich entnehmen, dass die Einladung bereits früher ergangen war, d. h. die Eingeladenen waren bereits vorher eingeladen worden und wurden hier nur noch erinnert, dass es jetzt losgeht. Die Form der Weigerung steigert sich immer mehr. Zuerst wollen sie einfach nicht kommen, d. h. sie lehnen wohl ab, ohne Begründung. Die zweite, dringliche Einladung, dass das Fest startklar ist und mit vielen Leckereien aufwartet, wird mit Ignoranz und Fortsetzung der beruflichen Tätigkeiten quittiert, d. h. hier bekommen die Boten nicht einmal mehr eine Antwort. Die beruflichen Ambitionen haben Vorrang vor der Einladung Gottes. Schließlich werden die Boten sogar misshandelt und getötet. Später spricht Jesus auch Klartext, was er damit gemeint hat (Mat 23,29-39, vgl. Apg 7,51-53).

Die Reaktion des Königs

Die Reaktion des Königs ist zunächst verständlich und ähnlich wie beim Weinbergbesitzer. Es fällt aber auf, dass er "ihre Stadt in Brand steckt". Man bekommt den Eindruck, dass die Eingeladenen alle in einer fremden Stadt wohnen, die komplett schuldig ist. Das ist vermutlich nicht unbedingt eine Form von orientalischer Sippenhaft, sondern deutet schon die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 an (vgl. Mat 24,1-2).

Auch hier hat der König wieder eine völlig übermenschliche Geduld, bis er dann Gericht ausübt. Auch, dass er das Privileg der Einladung dann an andere, würdigere Leute übergehen lässt, entspricht dem Ende des Gleichnisses von den Weinbergpächtern. Dass die Gäste von den Kreuzwegen der Landstraßen eingeladen werden, deutet an, dass hier wohl auch Nichtjuden dabei sind, die auf der Durchreise sind. Dass Jesus auch Nichtjuden den Weg zu Gott öffnet, wird in den Evangelien mehrfach thematisiert (Mat 8,5-13 / Mat 12,21 / Mat 15,21-28 / Mat 28,18-20).

Mehr dazu unter: http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/h010404_neuer_bund-_.htm

Es fällt auf, dass unter denjenigen, die die Einladung annehmen und an der Hochzeit teilnehmen, explizit Böse und Gute sind. Auch Böse werden also eingelassen, wenn sie die Einladung annehmen. Damit unterstreicht Jesus erneut die große Gnade Gottes, die er denen zuwendet, die diese Gnade besonders nötig haben (vgl. Mat 9,11-13) und das auch für sich erkennen und vor Gott bekennen (vgl. Luk 18,9-14).

Der Mensch ohne Festkleidung

Das einzige Ausschlusskriterium ist offenbar die fehlende Festkleidung. Was ist damit gemeint?

Analyse des Texts

Die Frage es Königs: "Wie bist du hier hereingekommen?" deutet an, dass die angemessene Kleidung schon am Eingang kontrolliert wurde. Der Gefragte, muss sich irgendwie an der Eingangskontrolle vorbeigeschummelt haben.

Es gibt auch die begründete Annahme, dass die Festkleidung am Eingang den Gästen zur Verfügung gestellt wurde (vgl. Luk 15,22), denn wer auf der staubigen Landstraße unterwegs ist, hat keine Festkleidung für eine unerwartete Einladung dabei. Mehrere Kommentatoren erwähnen, dass es damals üblich war, dass der Gastgeber bei solchen herausragenden Festen den Gästen die Kleider zur Verfügung stellte. Andeutungen dazu finden sich in 1Mo 45,22 / 2Kg 10,22.

Auf die strenge Frage des Königs hat der Gefragte keine Ausrede. Die fehlende Verfügbarkeit der Kleidung oder Armut des Gefragten, ist offenbar nicht der Grund. Er wollte die Festkleidung einfach nicht anziehen.

Parallelen an anderen Stellen in der Bibel

Eine Parallele findet sich in Off 19,6-9. Hier trägt die Braut feine Leinwand, die die gerechten Tagen der Heiligen veranschaulicht. Allerdings wird die Braut in Mat 22,1-14 gar nicht erwähnt. Insofern ist es zu spekulativ die Kleidung der Braut in Off 19 mit der Festkleidung der Gäste in Mat 22 zu identifizieren. Was dafür spricht, ist die Tatsache, dass Kleidung etwas Sichtbares ist, also auch die übertragene Bedeutung etwas Sichtbares sein sollte. Aber ob diese Schlussfolgerung korrekt ist, darf bezweifelt werden.

Relevanter ist Jes 61,10: "Gott ... hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan, wie der Bräutigam ..." Hier gibt es sowohl einen Bezug zu einer Hochzeit, als auch zu einer Kleidung, die Gott zur Verfügung stellt.

In Psm 132,9-16: "Deine Priester sollen sich bekleiden mit Gerechtigkeit, ... mit Heil ...". Auch hier wird Gerechtigkeit und Heil mit Kleidung verglichen.

Noch näher ist Sach 3,1-10 am Thema: "Nehmt ihm die schmutzigen Kleider ab! Und zu ihm sprach er: Siehe, ich habe deine Schuld von dir weggenommen und bekleide dich mit Feierkleidern. " In Vers 8 kommt sogar ein Bezug zum Messias: "Ja, siehe, ich will meinen Knecht, Sproß genannt, kommen lassen. "

Auch in Luk 15,22 steht das Einkleiden des verlorenen Sohns für das Ablegen der sündigen Vergangenheit und die Erneuerung der Beziehung zum Vater, ebenfalls in Verbindung mit einem Festmahl.

In Gal 3,26-27 wird Glaube und Taufe als "Christus anziehen" bezeichnet. In Mrk 16,16 führt der Unglaube zur Verdammnis.

Schlussfolgerung und Deutung

Am relevantesten für das richtige Verständnis sind natürlich die oben aufgeführten, alttestamentlichen Bezüge, weil sie diejenigen sind, die auch die Zuhörer Jesu kannten.

Demnach können wir ziemlich sicher annehmen, dass die Festkleidung die von Gott geschenkte Sündenvergebung und Gerechtigkeit durch den Glauben an Jesus Christus ist (Röm 3,20-28). Eigene Gerechtigkeit, die nicht von Gott geschenkt ist, gilt vor ihm nicht und disqualifiziert für das Reich Gottes.

Im Bereich der christlichen Gemeinde gibt es also Leute, die sich zwar zur Gemeinde halten, denen das Heil der Gerechtigkeit aber fehlt und die eine falsche Haltung haben. Ähnliche Gedanken finden sich in:

Bestrafung des Menschen ohne Festkleidung, Berufung und Auserwählung

Die "äußere Finsternis" wo "Weinen und Zähneknirschen" sein wird, kommt auch noch vor in Mat 8,12 (Hauptmann von Kafarnaum), wo die "Söhne des Reichs", die ungläubigen Israeliten, in die gleiche Finsternis hinausgeworfen werden.

Heulen und Zähneknirschen kommt insbesondere in Matthäus mehrmals vor:

Das Wort von den vielen Berufenen, aber wenigen Auserwählten kommt auch in Mat 20,16 vor, wo es im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg den ersten Arbeitern gesagt wird, die darüber unzufrieden sind, dass die späteren aus Gnade den gleichen Lohn bekommen, wie sie.

Berufen sind offenbar alle, an die die Einladung Gottes ergeht. Von denen, die sie rein augenscheinlich annehmen, sind aber nicht alle auserwählt, sondern nur die, die auch die geschenkte Gerechtigkeit durch den richtigen Glauben an Christus annehmen.

Mat 22,15-22 Frage nach der Steuer an den römischen Kaiser

Die bisherigen Gesprächspartner Jesu seit Mat 21,23 sind die Hohenpriester und Ältesten. Zu ihnen gehören sowohl Pharisäer, als auch Sadduzäer (vgl. Apg 23,6-9). Beide sind Gegner Jesu, mit denen er schon öfters in Konflikt kam und vor denen er seine Jünger warnte (Mat 3,7 / Mat 16,1-4 / Mat 16,11-12). Die vorhergehenden Gleichnisse Jesu, die die Ältesten als Leute kritisieren, die ihn als Messias ablehnen, haben sie jetzt verstanden.

Die Pharisäer nun, anstatt von ihrer falschen Gesinnung umzukehren, versuchen Jesus mundtot zu machen, indem sie ihn zu einer Aussage verleiten wollen, die ihn als Staatsfeind der römischen Besatzungsmacht erscheinen lässt, damit er von dieser verurteilt wird. Um ihre unredliche Absicht zu verschleiern, stellen sie die Fangfrage nicht selbst, sondern schicken ihre Jünger. Außerdem kooperieren sie sogar mit den Anhängern des Königs Herodes, eines Marionettenkönigs der Römer. Diese Leute sind normalerweise überhaupt nicht ihre Freunde. Sie sollen als Zeugen dienen für die erwartete staatsfeindliche Aussage Jesu. Um ihn dazu anzustacheln, schmeicheln sie ihm und lügen dabei unverfroren. Das, was sie da von Jesus zu wissen behaupten, glauben sie nämlich in Wirklichkeit nicht. Sie wollten die Frage nicht beantwortet haben, um besser Gott gehorsam sein zu können, sondern um Jesus zu schaden. Deshalb nennt Jesus sie Heuchler.

Die Wahrheit "ohne Ansehen der Person" zur Geltung zu bringen, ist tatsächlich eine Eigenschaft Gottes, die er auch von Gläubigen fordert (vgl. 3Mo 19,15 / 5Mo 10,17 / 2Chr 19,7 / 1Pt 1,17 / Jak 2,1-9).

Die Pharisäer erwarten, dass Jesus die Steuer an den römischen Staat zum Verstoß gegen Gottes Gebot erklärt, denn der römische Staat hing einer heidnischen, polytheistischen Religion an, in der sogar der Kaiser als Gott verehrt wurde. Das Zahlen der Steuer an den Kaiser kann somit als Anerkennung der kaiserlichen Autorität und Verehrung verstanden werden und damit als Verstoß gegen das erste Gebot (2Mo 20,3-5). Aber auch dann, wenn Jesus die Frage mit ja beantworten würde, hätten seine Feinde einen Sieg errungen, denn damit hätte Jesus sich als Kollaborateur der Besatzungsmacht erwiesen und somit als Feind seines eigenen Volkes, ähnlich wie die verhassten Zöllner. Seinen Anspruch, der Messias und damit ein König zu sein, hätte er nach dem Verständnis der Pharisäer damit quasi aufgegeben.

Jesus beantwortet die Frage so, dass letztlich die Frager selbst sie beantworten müssen. Sie haben zu beurteilen, was dem Kaiser und was Gott zusteht. Beiden steht etwas zu. Und es wird deutlich, dass dem römischen Staat die Steuer zusteht, weil er die Währung herausgibt und verwaltet. Das wird auch in den Briefen der Apostel betont, die auf das Thema eingehen (Röm 13,1-7 / Tit 3,1 / 1Pt 2,13-17).

Mat 22,23-33 Frage nach der Auferstehung

Die Sadduzäer, die nicht an eine Auferstehung der Toten glauben, haben offenbar mitbekommen, dass Jesus die Auferstehung lehrt. Beispiele:

Jeder, der Besitz oder Verwandte verlässt empf.100-fach, erbt ew. Leben Mat 19,27-29
Wohltat an Armen wird vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten Luk 14,13-14
Alle Toten werden hervorkommen zur Auferstehung des Lebens oder Gerichts Joh 5,28-29
Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben ... Joh 11,24-26

Nun versuchen sie, diese Lehre Jesu von der Auferstehung als falsch dastehen zu lassen, indem sie nachweisen, dass diese Lehre zum Gesetz Moses in Widerspruch steht. Daher konstruieren sie diese spezielle Situation basierend auf dem Gebot der Schwagerehe.

Die Schwagerehe wurde offenbar schon vor dem Erlass des Gesetzes in der damaligen Kultur praktiziert (1Mo 38,6-8) und war Jahrhunderte später auch ein Gebot im Gesetz Gottes für Israel (5Mo 25,5-6).

Wenn der Schwager bereits verheiratet war, würde er dadurch eine zweite Frau bekommen. Zwar geht aus der Schöpfung die Einehe - ein Mann und eine Frau - hervor. Dennoch war die Vielehe im AT von Gott toleriert (vgl. 5Mo 21,15-17 / 2Sa 12,7-8). Allerdings galt das nur in der Weise, dass ein Mann mehrere Frauen haben konnte, aber nicht eine Frau mehrere Männer. Unter der Annahme, dass eine Auferstehung aller beteiligten Personen stattfindet und die Ehebeziehung dann weiterbesteht, würde also eine von Gott verbotene Situation entstehen. Deshalb kann die Auferstehung nicht sein, so die Meinung der Sadduzäer.

Jesus nun, anstatt die Frage gleich zu beantworten, bringt das Wichtigste, was die Sadduzäer wissen müssen, zuerst: Sie sind mit ihrer Auffassung zur Auferstehung im Irrtum. Mrk 12,18-27 erwähnt sogar, dass Jesus das am Ende seiner Antwort nochmals betont.

Der erste Vorwurf Jesu an sie lautet: Ihr kennt die (heiligen) Schriften nicht. Das ist ein schwerer Vorwurf an die Leute, die mehrheitlich Priester waren und deshalb die Aufgabe hatten, das Volk über die heiligen Schriften zu belehren (3Mo 10,8-11 / Mal 2,4-8).

Das Alte Testament lehrt an mehreren Stellen eine Auferstehung, zwar nicht systematisch, aber doch mehrfach:

Meine Seele wirst Du nicht im Totenreich lassen Psm 16,10
Gott aber wird mich erlösen aus Macht d. Todes, denn Er nimmt mich auf Psm 49,16
Du machst mich wieder lebendig, holst mich heraus aus der Erde Psm 71,20
Deine Toten werden leben und Leichnahme werden auferstehen Jes 26,19
Viele werden aufwachen: manche zu ewigem Leben, andere zu ewiger Schande Dan 12,1-3
Du, Daniel, ruhe, bis du aufstehst zu deinem Erbteil am Ende der Tage Dan 12,13
Ich will aus dem Totenreich erretten; Tod, ich will dir Gift sein Hos 13,14

Siehe dazu auch: http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/d0366_auferstehung.htm

Interessanterweise zitiert dann Jesus nicht diese Stellen, die alle aus der Königszeit stammen, sondern geht zurück bis zu Mose, als er seine erste Begegnung mit Gott hatte (2Mo 3,6) und wo Gott sich ihm vorstellt. Auch Mose, der später das Gebot der Schwagerehe aufgeschrieben hat, wusste also schon von der Auferstehung.

In Luk 20,38 fügt Jesus noch hinzu: "Denn für ihn leben alle. " Die Erzväter - und wir dürfen von den oben aufgeführten Schriftstellen auch annehmen, alle Gottesfürchtigen des Alten Testaments - leben also. Das geht auch aus Mat 17,1-3 / Luk 16,19-31 / Joh 8,56 / Heb 11,13-16 hervor.

Allerdings findet dieses Leben wohl im Himmel statt, denn eine körperliche Auferstehung ist wahrscheinlich nach Dan 12,1-3+13 und Jes 26,19 noch zukünftig.

Der zweite Vorwurf Jesu an die Sadduzäer ist, dass sie die Kraft Gottes nicht kennen. Hier geht es wohl um das Bewirken der Auferstehung durch Gott. Gott hat die Macht, Leben zu geben (5Mo 32,39 / 1Sa 2,6-7 / Röm 4,17). Die Unkenntnis der Sadduzäer über die Kraft Gottes ist eine Folge ihrer Unkenntnis der Schrift. Wer die Bibel nicht ausreichend liest, ist über Gott schlecht informiert und deutet die Ereignisse des Lebens falsch. Die Sadduzäer machen nämlich noch einen Fehler: Sie nehmen an, dass die Ehe nach der Auferstehung weiter besteht. Dies ist aber lediglich eine Annahme, die menschlichem Denken entspringt, aber falsch ist (Mat 22,30). Es ist sehr wichtig, zwischen den klaren Aussagen der Heiligen Schrift und den Schlussfolgerungen menschlicher Logik zu unterscheiden. Erstere ist irrtumslos, letztere aber mit Irrtümern behaftet. Durch menschliche Schlussfolgerungen aus der Bibel entstehen Irrlehren und Sekten (Mat 15,3-9 / Kol 2,6-8). Der Verstand des Menschen ist durch die Sünde beeinträchtigt, so dass er nur bedingt dazu taugt, geistliche Zusammenhänge zu erkennen (Spr 3,5-7 / 1Ko 2,12-14 / Eph 4,17-18). Daher ist äußerste Vorsicht geboten bei allen Schlussfolgerungen aus der Bibel, die nicht auch selbst direkt in der Bibel stehen.

Mat 22,34-40 Frage nach dem größten Gebot

Nachdem die Sadduzäer Jesus nicht einer gesetzeswidrigen Lehre überführen konnten, versuchen es die Pharisäer nochmals. Sie legten auf das genaue Einhalten des Gesetzes besonderen Wert. Deshalb haben sie an dieser Frage ein besonderes Interesse.

Ein gewiefter Theologe tritt nun gegen Jesus an. Vermutlich möchte er Jesus nachweisen, dass er falsche Prioritäten setzt oder ein - nach der Auffassung der Pharisäer - wichtiges Gebot vernachlässigt.

Vielleicht würde man nun erwarten, dass Jesus ein Gebot aus den Zehn Geboten nennt. Aber er nennt zwei andere. Allerdings steht das erste in 5Mo 6,5 im unmittelbaren Zusammenhang nach der Wiederholung der Zehn Gebote in 5Mo 5,6-21. Dort weist Mose darauf hin, wie mit dem Wort Gottes umzugehen ist: Gebote bewahren (5Mo 6,2-3), im Herzen haben (5Mo 6,6), Kindern einschärfen, davon reden (5Mo 6,7), als Zeichen anbringen (5Mo 6,8). Motivation für all das soll also die Liebe zu Gott sein.

Die ganzheitliche Qualität der erwarteten Liebe zu Gott wird teilweise mit unterschiedlichen Worten beschrieben:

Herz, Seele (= Person, Leben), Kraft 5Mo 6,5
Herz, Seele, Verstand Mat 22,37
Herz, Seele, Verstand, Kraft Mrk 12,30
Herz, Seele, Kraft, Verstand Luk 10,27

Auch in der Septuaginta stehen drei Wörter: Herz, Seele, Kraft. Für Kraft steht dort Dynamis (= Kraft, Macht, Stärke, Vermögen, Fähigkeit), während in den Evangelien Dianoia (= Denkvermögen, Verstand, Erkenntnisvermögen, Vernunft, Denkart, Gesinnung, Absicht) steht. In Mrk und Luk wird noch Ischys (= Stärke, Kraft) ergänzt.

Die Evangelien wollen wohl das hebräische Wort für Kraft aus 5Mo möglichst genau wiedergeben und beschränken sich dabei nicht einfach auf das Zitieren der Septuaginta. Möglicherweise hatte sich die Bedeutung des Wortes Dynamis in den ca. 200 Jahren seit der Erstellung der Septuaginta bereits so verändert, dass nun zwei andere griechische Wörter für das hebräische verwendet werden mussten, um dessen Bedeutung genau genug wiederzugeben. Demnach ist mit der Kraft in 5Mo 6,5 weniger eine körperliche, sondern eine geistige gemeint.

Die drei bis vier Wörter, mit denen die Liebe hier beschrieben wird, machen deutlich, dass die ganze Person des Menschen gemeint ist, insbesondere die innere Motivation. Das steht im Gegensatz zur Glaubenspraxis vieler Pharisäer, bei denen das Halten der Gebote rein äußerlich war. Jesus geht auf dieses Problem in Mat 23,13-28 ausführlich ein.

Das Gebot der Nächstenliebe, das Jesus nennt, steht in 3Mo 19,18 als Zusammenfassung am Ende einer Gruppe von Geboten, die sich auf den zwischenmenschlichen Umgang beziehen (3Mo 19,11-17). Indem Jesus die Liebe zu Mitmenschen der Liebe Gottes gleichstellt, widerspricht er einer falschen Praxis der Pharisäer (Mrk 7,5-15).

Da diese zwei Liebesgebote also Motivation und Zusammenfassung sind, wird klar, warum Jesus sagt, dass daran das ganze Gesetz und die Propheten hängt (vgl. Röm 13,10 / Gal 5,14). Die vielen anderen Gebote konkretisieren, wie die Liebe zu Gott, bzw. zu Mitmenschen, praktisch aussehen soll. Die Propheten haben keine neuen Gebote aufgestellt, sondern nur auf die Einhaltung der bestehenden hingewiesen und die Folgen des Gehorsams oder Ungehorsams aufgezeigt.

Man könnte natürlich die Frage stellen, warum nicht alle Gebote gleich wichtig sind, da sie ja alle von Gott gegeben wurden. Es ist aber sinnvoll eine Rangordnung zu haben, denn es gibt Situationen, in denen zwei Gebote miteinander in Konflikt geraten, d. h. wenn man das eine einhält, missachtet man das andere. Für solche Fälle ist es notwendig ein Kriterium zu haben, welchem der Gebote der Vorrang zu geben ist. Auch im AT werden schon Rangordnungen angegeben:

Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer 1Sa 15,22
Gerechtigkeit und Recht üben ist dem HERRN lieber als Schlachtopfer Spr 21,3
(Gott) zuhören, ist besser, als wenn die Toren Schlachtopfer geben Pred 4,17
Opfer und Feste sind Sünde, wenn gleichzeitig Unrecht getan wird Jes 1,11-17
Denn an Güte (Gnade, Liebe, Treue) habe ich Gefallen, nicht an Opfern Hos 6,6
An Opfern habe ich kein Gefallen, sondern Recht ergieße sich Amos 5,22-24

Darauf weist Jesus mehrfach hin, indem er Hos 6,6 zitiert (Mat 9,13 / Mat 12,7).

Im Matthäus wird uns nicht berichtet, wie die Zuhörer, insbesondere der Fragesteller auf die Stellungnahme Jesu reagieren. In Mrk 12,32-34 allerdings wird überliefert, dass der Schriftgelehrte die Antwort Jesu anerkennt und bestätigt, indem er auf Hos 6,6 Bezug nimmt. Jesus bescheinigt ihm daraufhin, dass er nicht fern vom Reich Gottes ist. Er hat mit seinem richtigen Verständnis von den Geboten gute Voraussetzungen, ins Reich Gottes zu kommen. Allerdings sagt Jesus damit wohl auch, dass er noch nicht dort ist.

Siehe mehr dazu in: http://www.ro-ho.de/bibel-pfadfinder/i003103_das_reich_go.htm

Mat 22,41-46 Frage nach dem Christus

Nachdem die Pharisäer Jesus durch ihre Fragen nicht in Verlegenheit bringen konnten, fordert nun er sie heraus. Sein Ziel ist es sicher nicht, sie bloßzustellen oder ihnen Inkompetenz vorzuwerfen, sondern ihr Denken auf Zentrales zu lenken und sie damit geistlich weiter zu bringen.

Die Frage, die Jesus stellt, beantworten sie nach der allgemeinen Meinung, dass der Christus ein Nachkomme Davids ist. Der Titel "Sohn Davids" war praktisch ein Synonym für den Christus geworden (vgl. Mat 9,27 / Mat 12,23 / Mat 15,22 / Mat 20,30-31 / Mat 21,9).

Diese Antwort ist zwar korrekt (2Sa 7,12-17 / 1Ch 17,11-15 / Jer 23,5-8 / Jer 30,8-10 / Jer 33,14-16 / Luk 1,32), aber nicht vollständig. Um das zu verdeutlichen, zitiert Jesus aus dem messianischen Psalm 110,1. Die Beurteilung dieses Psalms durch Jesus ist zunächst bemerkenswert. Jesus erkennt diesen Psalm Davids als vom Heiligen Geist inspiriert an (vgl. Mrk 12,36 / 2Ti 3,16 / 2Pt 1,19-21).

Dieses Zitat scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. David nennt den Christus seinen Herrn. Ein Vater würde aber niemals seinen eigenen Sohn als seinen Herrn bezeichnen. Stattdessen ist in der damaligen patriarchalischen Gesellschaft der Vater Herr seiner Söhne. Die Frage Jesu ist nun, wie dieser Widerspruch aufzulösen ist, denn es muss eine Auflösung geben, da ein von Heiligen Geist inspiriertes Wort nicht widersprüchlich sein kann.

Weder die Zuhörer noch Jesus geben eine Antwort auf dieses Problem. Vermutlich ist es Jesus wichtiger, dass die Zuhörer zum tiefen Nachdenken über dieses Thema kommen, als dass er ihnen die Antwort sofort gibt und sie dadurch möglicherweise wegen ihrer kritischen Haltung ihm gegenüber sich nur zum Widersprechen herausgefordert sehen. Dieses Prinzip offengelassener Fragen könnte auch für uns heute in Evangelisation und Apologetik manchmal eine Strategie sein, um Menschen zu tieferer Erkenntnis zu führen.

Was ist nun die Antwort auf diese Frage? Der Christus ist nicht nur Sohn Davids, sondern auch Sohn Gottes (2Sa 7,12-17 / 1Ch 17,11-15 / Psm 2,7 / Mat 4,3+6 / Mat 8,29 / Mat 21,37 / Mat 22,2 / Luk 1,30-35 / Luk 22,27 / Joh 1,34 / Joh 10,36 / Joh 20,31), und damit natürlich Herr, wie der ganze Psalm 110 deutlich macht. Das war offensichtlich auch damals allgemein bekannt (Mat 14,33 / Mat 16,16 / Mat 26,63 / Mat 27,40+43+54 / Joh 1,49 / Joh 11,27). Die Frage hätten also die Schriftgelehrten und sogar das gewöhnliche Volk beantworten können.

Die Frage Jesu ruft hingegen offenbar verschiedene andere Reaktionen hervor. Die Pharisäer und Schriftgelehrten wagen danach nicht mehr, ihn zu fragen (Mat 22,46). Die Volksmenge hörte ihn allerdings gern (Mrk 12,37). Die Mehrheit kam aber offenbar nicht zu der Erkenntnis, dass Jesus der Sohn Davids und der Sohn Gottes ist (Mat 27,20-25).

Mat 23,1-12 Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern

Mat 23,13-36 Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer

Mat 23,37-39 Klage Jesu über Jerusalem


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Generiert am 01.06.2020 17:58:25